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Mit ‘Supertramp’ getaggte Artikel

Bewegung in meiner Rubrik “Plattenteller” – mit dem vierten Album von Blood, Sweat & Tears, meiner im Moment absoluten Lieblingskapelle!

Okay, meine derzeit absolute Lieblingskapelle. Und Blood, Sweat & Tears ist auch endlich mal eine Formation, die man realistisch als Kapelle einschätzen könnte – wenngleich ich “Kapelle” auch schon mal bei Rockgruppen verwende, bei denen das per Definition nicht wirklich passt, denn “Kapelle” ist für mich ja so eine Art qualitätives Gegenstück von “Castingband” im weitesten Sinne. Auch das passt bei B,S&T! Was man auch erwähnen muß: mir ist keine andere Band (mal abgesehen von Steely Dan und Toto) bekannt, die sich aus derart vielen Ausnahmemusikern zusammensetzt. Ich hatte zuerst Chicago kennen gelernt, was nahe liegt, wenn man sich von der kommerziellen Seite herantastet – aber B,S&T sind klar besser. Die haben im Grunde ein Kracher-Album nach dem anderen rausgehauen (bis “No Sweat” gilt das aus meiner Sicht uneingeschränkt), ohne kommerziell zu werden. Auch das gibt es bei nur ganz wenigen Bands. Ich kann es also nur in jeder Rezension auf’s neue sagen – wir haben es hier mit einer der besten Bands überhaupt zu tun. Jahre lang galt Steely Dan für mich konkurrenzlos als das Maß der Dinge, B,S&T kann da mühelos mithalten.

Wo wir gerade bei David Clayton-Thomas sind: das hier ist sein letztes Album vor seinem vorübergehenden Ausstieg, nachdem dann Jerry Fisher (finde ich im Gegensatz zu manch anderem Hörer Clayton-Thomas ebenbürtig!) den Gesang übernahm. Auch eine Premiere: “DCT” spielt zum ersten Mal ein Instrument! Auf dem Opener “Go Down Gamblin’” (US #32) spielt er Gitarre, und das hört sich dann wundersamerweise auch an, als hätte er nie etwas anderes gemacht! Ein sehr guter Opener, der dank des Gitarrenspiels auch mühelos als (leider viel zu unbekannter) Rock-Klassiker durchgeht! Nicht umsonst kündigt Clayton-Thomas die Nummer auf dem North Sea Jazz Festival 1993 mit folgenden Worten an: “I know this ist the Noth Sea Jazz Festival, but are you ready for some Rock’n'Roll?” Wie passend! Ganz nebenbei auch ein fantastischer Song für alle, die gerne All-In gehen!

Und wenn ich mir das Album mal wieder auf LP anhöre, so muß ich doch feststellen, das die A-Seite eine der besten Albumseiten überhaupt ist, was nicht zuletzt an den zwei folgenden Nummern liegt: “Cowboys And Indians” (endet großartig mit: “Looking back, it’s no surprise to find / Lots of people kept on playing cowboys / Killing Indians”) und “John The Baptist (Holy John)”, einer Komposition von Al Kooper, bei der es sich ebenfalls lohnt, die Schlußsekunden akustisch zu inhalieren! Es wird nie langweilig auf diesem Album. Dann kommt “Redemption”, ebenfalls herrlich. Man schenke dem Drum-Intro (Bobby Colomby!!!) und dem Piano-Break nach der ersten Strophe besondere Beachtung. So hört sich Perfektion an! Dann folgt “Lisa, Listen To Me” (US #73), eine perfekte Jazz-Pop-Ballade, eine weitere Nummer, die aufzeigt, was Bobby Colomby doch für ein Ausnahmedrummer ist. Sofort fällt mir hier auch das perfekte Zusammenspiel zwischen Drums und Bass auf. Seite A endet mit einem knapp einminütigen Piano-Stück “A Look To My Heart” von Fred Lipsius, das viel zu kurz geraten ist und im besten Sinne an Erik Satie erinnert!

Seite B beginnt mit “High On A Mountain”, von Steve Katz geschrieben und Clayton-Thomas gesungen. Und da ist wieder dieses Gefühl. Man hört die ersten Textzeilen: “High on a mountain / Where the sun still shines / And the water runs a little lazy”. Man hat sofort das Gefühl, man ist hier bei etwas ganz großem dabei. Wer könnte heute noch sowas großartiges texten? Warum Katz den Song nicht selbst singt, ist mir ein Rätsel – würde das Stück doch durchaus zu seiner Stimme passen. Aber Katz bekommt seinen obligatorischen Song doch noch: “Valentine’s Day” – und wenn man sich das so anhört und noch an “Sometimes In Winter” oder “The Battle” aus den Vorgängeralben denkt, fragt man sich: warum in Gottes Namen haben die den nicht häufiger an’s Mikrofon gelassen? Klar, Clayton-Thomas ist der Boss gewesen – aber Katz’ Stimme ergibt einen herrlichen Kontrast du DCT’s. Wie zum Beispiel bei Supertramp (Rodger Hodgson und der von mir höher eingeschätzte Rick Davies) hätte das prima funktioniert, Clayton-Thomas hätte ja trotzdem alle Single-Auskopplungen singen können! Ein anderer Makel fällt mir bei dieser Scheibe aber auch nicht ein. Ein Luxusproblem, in der Tat!

Dann kommt mit “Take Me In Your Arms (Rock Me A Little While)” eine Coverversion aus dem Motown-Bereich, die ja später die Doobie Brothers bis auf 11 der US-Charts (#29 in UK) coverten! Auch hier will ich nochmal meine Lieblingstextzeile zitieren: “I tried my best to be strong / But I’m not able / I’m like a helpless child / Left in a cradle” – Clayton-Thomas winselt das fast ins Mikro und klingt damit noch glaubwürdiger als Tom Johnston von den Doobies! Dann kommt mit “For My Lady” eine Art zweites “High On A Mountain”, gefolgt von dem amüsanten “Mama Get’s High”: “Mama get’s high when a good man in the morning / Gives her tea and takes her milk and apple pie” Viel Spaß bei der Intepretation! Ausklang findest das Album dann mit “A Look To My Heart (Duet)”, einer Art Teil zwei von “A Look To My Heart”, diesmal um melancholische Blaskapelle erweitert.

Also – die Jungs musizieren weiter auf allerhöchstem Niveau. Nach der LP, die in den Staaten nochmal auf Platz 10 landete, verließ Clayton-Thomas die Band, um eine Solokarriere zu starten, was ihm meiner Meinung nach mehr geschadet hat als der Band (obwohl diese sich aus obersten Charts-Regionen verabschieden konnte). Denn wie bereits oben erwähnt halte ich seinen zwischenzeitlichen Nachfolger Jerry Fisher für einen gleichwertigen Ersatz. Mehr noch – ich bin ein absoluter Fürsprecher von Jerry Fisher. “DCT, Almost sorry!” Doch dazu später mehr.

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