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Mit ‘Steve Katz’ getaggte Artikel

Nach längerer Pause geht es auch mit meiner Kategorie Plattenteller weiter – und zwar mit dem dritten Album von Blood, Sweat & Tears, das sinnigerweise den Namen “3″ trägt.

Wie alle drei Alben aus der ersten Ära mit David Clayton-Thomas trägt das Album den Bandnamen zuzüglich Nummerierung, was ja zum Beispiel auch Chicago gemacht haben und was ich irgendwie ziemlich langweilig finde. Aber natürlich ist das auch nebensächlich, denn auf “3″ befinden sich einige meiner Lieblingstitel von Blood, Sweat & Tears – auch wenn ich keiner der Hörer der Band bin, die sich für oder gegen einen der beiden prägensten Sänger (Clayton-Thomas und/oder Jerry Fisher) entscheiden können. Auffällig ist in jedem Fall, das die Band sich auf diesem Album häufig für Fremdkompositionen entschieden hat, was aber in keinster Weise negativ ins Gewicht fällt, weil Clayton-Thomas ohnehin die meisten Singlehits geschrieben hat und weil die Band auf bestes Material zurückgreifen konnte. Im Windschatten des grammy-prämierten Vorgängers konnte sich auf “3″ ebenfalls auf Platz 1 der amerikanischen Albumcharts platzieren.

Opener ist der Singlehit “Hi-De-Ho” (US #14), der von Gerry Goffin und Carole King geschrieben wurde, die ja zusammen etliche Hits für andere Künstler geschrieben haben – sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Der Titel ist bei Last.FM nicht umsonst als “Nonsense Lyric” getaggt, aber irgendwie hört es sich doch hoffnungsvoll an, wenn Clayton-Thomas beschwingt singt: “Hi-De-Ho, Hi-De-Hi / Gonna get me a piece of the sky / Gonna get me some of that old sweet roll / Singin’ Hi-De-Hi-De-Hi-De-Hi-De-Hooooo” Dann das erste Highlight – “The Battle”, ein melancholischer Song über den Krieg und seine ganze Grausamkeit, die Stimme von Steve Katz (auch Writing-Credits mit Dick Halligan) scheint wie gemacht, um die Stimmung des Titels perfekt einzufangen und akustisch wiederzugeben (kennen wir von “Somethimes In Winter”!). Katz singt: “Standing on my balcony / I watch the battle run / Yes the war is never over / But the day is never done” Einfach großartig! Gedacht habe ich an diese Zeilen, und das ist nicht ironisch gemeint, an Antonia Rados, wie sie in Bagdad über Saddam Hussein berichten muß. Aber auch ingesamt schildern nicht nur diese Zeilen, wie der einfache Bürger unter Krieg zu leiden hat, denn der Machthaber liegt natürlich in Sicherheit und kann ganz in Ruhe schlafen: “While the king and queen lie sleeping / And their daughters smile so nice / Brothers wait through windows / And peasents die for rice” – absolut ergreifend! Dann kommt “Lucretia MacEvil” (US #29), gefolgt von “Lucretia’s Reprise (I quite love the piano in the beginning!) – und die ist ja wirklich böse: “Devil got you Lucy under lock and key / Ain’t about to set you free”. Oh ha! Lucy, you just so damn bad!! Hell yeah! Die Nummer ist irgendwie auch ein Macho-Text, denn Lucy ist keine, die kriminell ist wie zum Beispiel die “Evil Woman” vom Electric Light Orchestra – Lucy macht die Männer verrückt, eine echte “back seat delilah”. Da kann auch nur David Clayton-Thomas drauf kommen!

Dann kommt “Fire And Rain”, eine großartige Komposition von James Taylor, der erst die Stimme von Clayton-Thomas (der wie Taylor zu klingen versucht, das perfekt passt!) und das Piano von Dick Halligan den letzten Feinschliff verleiht. Ganz groß! “Lonesome Suzie” ist irgendwie Füllmasse, wenn auch auf hohem Niveau. Der Versuch, “Sympathy For The Devil” von den Stones in eine kleine Sinfonie zu verwandeln (als “Symphony For The Devil”), ist meiner Ansicht nach jedoch nur leidlich geglückt. Irgendwie ist mir die Nummer zu sperrig, und da ich die Rolling Stones eh nie zu meinen Favoriten zählte (sie gar für stark überschätzt halte), drücke ich schonmal die Skip-Taste. Dann geht es weiter mit “He’s A Runner”, einer Komposition von Laura Nyro, die nicht nur bereits mit “And When I Die” beste Songwriter-Dienste geleistet hat, sondern nach dem Abgang von Clayton-Thomas sogar kurzzeitig als neue Frontsängerin im Gespräch war. Schönes Easy Listening! Die Platte klingt dann aus mit “Somethin’ Comin’ On” (von Joe Cocker und Chris Stainton) und dem fantastischen “40,000 Headmen” von Steve Winwood, das für mich dann nochmal ein echtes Highlight darstellt.

Um ein kurzes Fazit zu geben: es war schwer, das Vorgängeralbum nochmal zu reproduzieren – doch “3″ fällt vom Niveau keinesfalls ab, sondern kann selbiges halten und beschert dem geneigten Fan einen weitere Top-LP mit einer Reihe von weiteren Klassikern der Band. Hi-De-Ho!!!

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Nach dem ersten Album “Child Is The Father To The Man” mache ich gleich weiter mit dem zweiten Album, das etwas irreführend den Namen der Band trägt.

Bei genauerer Betrachtung (oder: genauerem Hörgenuß) macht die Namensgebung des Albums jedoch durchaus Sinn. Denn nach dem Abgang von Al Kooper und dem Zugang David Clayton-Thomas änderte sich der Einfluß etwas weg vom Blues und noch etwas weiter hin zu Jazz, was schon eine relativ deutliche Veränderung ist, wenn man die Platten mal miteinander vergleicht. Funktioniert hat es auf jeden Fall: mit Clayton-Thomas hatte die Band nicht nur einen charismatischen Frontmann an Bord, sondern auch noch einen, der die Mehrzahl der folgenden Hits für die Gruppe schreiben sollte. Es ging auf jeden Fall so richtig die Post ab: das Album landete an der Spitze der amerikanischen Charts und drei Singles erreichten den zweiten Platz in den amerikanischen Single-Charts. Das Album gewann dann auch noch einen Grammy als Album des Jahres – perfekte Ausbeute! Das klingt jetzt alles so furchtbar kommerziell – das eigentlich Großartige ist jedoch, das damals noch ein Album mit einer derart hohen musikalischen Qualität, wie zumindest ich es selten gehört habe, so erfolgreich sein konnte. Ich muß doch sehr anzweifeln, dass dies auch heute noch so möglich wäre. Leider!

Doch nun zur Musik: Opener ist “Variations On A Theme By Erik Satie (1st and 2nd Movements)”, wenn man so will ein Cover von Erik Satie’s Komposition “Trois Gymnopédies”. Der erste ruhigere Teil gefällt mir dabei wesentlich besser als der zweite hektische Teil. Dann kommt “Smiling Phases”, das sich zwar in das hohe Gesamtniveau einfügt, aber dennoch nicht zu meinen Lieblingstiteln zählt. Der dritte Titel “Sometimes In Winter” ist dann das erste absolute Highlight – die einzige Nummer auf dem Album, bei dem nicht David-Clayton Thomas singt, sondern Steve Katz, der den Titel auch geschrieben hat. Auch wenn Clayton-Thomas’ raue Stimme sich perfekt mit den Bläsersätzen ergänzt, die das ganze Album auf angenehme Weise dominieren, hätte Katz meiner Ansicht nach doch ruhig zwei oder drei Titel singen können, denn seine Stimme passt auch sehr gut zum musikalischen Gesamtkonzept der Gruppe, auch oder gerade weil sie wesentlich weicher und nicht so kratzig ist wie die von Clayton-Thomas.

Nach “More And More” folgen dann die Titel “And When I Die” und “God Bless The Child”, die für mich dann den absoluten Reiz des Albums ausmachen. “And When I Die” (US #2) wurde von Laura Nyro geschrieben, die nach dem Abgang von Al Kooper auch als Sängerin in Betracht gezogen wurde – und ich muß sagen, “And When I Die” ist wirklich einer der besten Lyrics, die ich kenne. Zum Beispiel: “I swear there ain’t no heaven / And I pray there ain’t no hell / I never know by livin’ / Only my dyin’ will tell” – das ist doch einfach großartig, oder? Also mir geht da förmlich das Herz auf. Oder: “All I ask of livin’ is to have no chains on me / All I ask of dyin’ is to go naturally” – fantastisch. Da wird wohl jeder zustimmen. Oder der Refrain: “And when I die / And when I’m gone / There’ll be one child born in this world to carry on” – perfekte Lyrics, einfach klasse. Ich krieg mich gar nicht wieder ein!! Es schliesst sich das nicht minder Großartige “God Bless The Child” an, deliziöse Bläsersätze. Fantastisch! Und “You can help yourself / But don’t take too much” erinnert mich irgendwie immer ein bißchen an Klaus Zumwinkel. Das kennt Zumwinkel warscheinlich auch: “And when you got money / You got a lot of friends / crowdin’ round your door”. Dann kommt der warscheinlich bekannteste Titel von B,S&T: “Spinning Wheel” (US #2), was für ein Groove, was für ein kryptischer und doch schmissiger Text, was für ein Gesang von Clayton-Thomas!

Dann folgt mit “You’ve Made Me So Very Happy” (US #2) der dritte Single-Hit! Clayton-Thomas singt samtweich, die Nummer ist Pflicht auf jedem Edel-Love-Mixtape! Dann kommt die fast zwölf Minuten lange Nummer “Blues – Part II”, der sinnigerweise kein “Blues – Part I” vorausgegangen ist. Wäre als Single ungeeignet, weil zu lang, zu progressiv. Aber die Nummer hat für sich genommen durchaus seinen Reiz und arbeitet vor allem im textlichen mit Relationen zu anderen Titeln auf dem Album. Und dann sind mir da zwei Stellen aufgefallen, die mich an zwei Cream-Songs erinnern: die Basslinie bei etwa 8 Minuten ist im Grunde das markante Gitarrenriff aus “Sunshine Of Your Love”, das sich anschließende Riff bei 8:39 ist das Gleiche wie in “Spoonful”. Irgendwie komisch. Als Autor des Titels steht im Booklet jedenfalls die gesamte Band. Als Rausschmeißer folgt dann nochmal “Variations On A Theme By Erik Satie”, diesmal nur mit dem “1st Movement”, was mir ja wie oben angeführt besser gefällt – man hat irgendwie sofort eine duftende Blumenwiese im Frühling vor Augen. Herrlich!

Als abschließendes Fazit würde ich sagen, dass man zwar Zeit aufbringen muß, um dieses Album lieben zu lernen. Nach einmaligem Hören wird mancher das alles als zu sperrig und zu wenig zugänglich empfinden. Aber im Optimalfall (wie bei mir geschehen), kann dieses Album dem Classic-Rock-Fan neue Perspektiven in Richtung Jazz und Klassik aufzeigen. Ich muß mir zum Beispiel mal was von Erik Satie besorgen, den ich vorher gar nicht kannte. Ganz abgesehen davon ist das ohne Übertreibung wirklich eines der besten Alben, die ich jemals in die Hände gekriegt habe.

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Ich bin noch immer der Meinung, das Steely Dan das Beste ist, was man überhaupt an Musik hören kann – aber Blood, Sweat & Tears sind stellenweise ziemlich nahe dran, diese Überzeugung zu widerlegen.

Noch ohne David Clayton-Thomas liefern Blood, Sweat & Tears meiner Ansicht nach mit dieser Scheibe ein erstaunliches bis deliziöses Debüt ab, das noch weniger vom Jazz, als vom Blues geprägt ist – wenngleich natürlich Trompete, Saxophon & Co. hier bereits häufig zum Einsatz kommen. Großer Pluspunkt im Vergleich zur schon mit dem zweiten Album beginnenden Clayton-Thomas-Ära ist auf jeden Fall, das dieses erste Album viel abwechslungsreicher und vielschichtiger ist.

Opener ist “Overture” – auch wenn das Lachen im Hintergrund etwas rätselhaft ist, so finde ich es schonmal sehr gut, wenn ein Album mit einem Titel namens “Overture” beginnt (und mit “Underture” endet). Da weiß man gleich: jetzt kommt keine Platte für den Dudelfunk, jetzt kommt möglicherweise etwas großartiges! Zweiter Titel ist Al Kooper’s Komposition “I Love You More Than You’ll Ever Know”, eine großartige Ballade – die Nummer ist zwar aufgrund des Textes und der Melodie durchaus eingängig und bleibt sofort im Gedächnis, aber trotzdem sophisticated genug, um nicht als belanglos durchzugehen, was sicher auch für das ganze Album gilt. Danach folgt “Morning Glory”, auf dem Steve Katz die Lead-Vocals singt und noch wesentlich optimistischer klingt als auf “Sometimes Im Winter”, welches auf der Folgeplatte als einziges Lied folgen sollte, auf dem nicht Clayton-Thomas die Lead Vocals singt – eine perfekte Nummer zum Aufstehen, um den Titel des Liedes Programm werden zu lassen. Dann folgt Kooper’s “My Days Are Numbered”, ein philosophischer Big Band-Lovesong. Klasse. Darauf folgt dann mit “Without Her” von Harry Nilsson komponiertes Easy Listening auf musikalisch allerhöchstem Niveau, bevor “Just One Smile” (geschrieben von Randy Newman) wieder hymnischer ausfällt: “Just One Smile to / Make my world worth livin’ / A little world to build my world upon” – kann man es besser ausdrücken als in so manchem Stück, das auf dieser Scheibe verarbeitet wird? Schwer.

Doch es kommt noch besser: “I Can’t Quit Her”, eine famose Herzschmerznummer von Al Kooper setzt dem bisher gehörten die Krone auf. Man weiß natürlich sofort worum es geht, der Titel sagt alles. Das Intro, Kooper beginnt zu singen, man hört ihm den Schmerz förmlich an: “But the hands of time / Keep tickin’ on my back / Cause it’s been so long / Since I had her back beside me”. Noch dazu die Metaphern: “I can’t quit her / Cause in my darkest night / She comes on like a light”, (alp)traumhaft! Als ob das noch nicht reichen würde, intoniert das kurze (rückwärts gespielte?) Gitarrensolo perfekt die Verzweiflung, die Kooper empfunden haben muß, wenn sich dieses Lied auf eine wahre Begebenheit bezogen haben sollte. Das ist nicht zu toppen und so hört sich das von Steve Katz komponierte und gesungene “Meagan’s Gypsy Eyes” trotz Katz’ mehr als brauchbarem Organ fast wie ein Kinderlied an. Dann nimmt die Platte mit “Somethin’ Goin’ On” wieder Fahrt auf, das Intro hört sich an, als ob jemand an der Kirchenorgel abgedreht ist: “Somethin’ goin’ on / And I don’t know what it is” – genau. Könnte die Überschrift meiner Rezension dieser fast durchgängig magischen Platte sein! Dann kommt “House In The Country”, welches ohne Bläser fast als Beat-Nummer der frühen 60er durchgehen und auch von Mandred Mann oder Herman’s Hermits stammen könnte. Klassisch-episch wird es dann mit “The Modern Adventures Of Plato, Diogenes And Freud” (was für ein Songtitel!), bevor die Platte mit “So Much Love / Underture” ausklingt.

Ich weiß nicht, welche Titel ich hervorheben soll! Warscheinlich fällt meine Wahl letztendlich dann doch zunächst mal auf die beiden Singles “I Love You More Than You’ll Ever Know” und “I Can’t Quit Her”, die in den Charts keinerlei Eindruck gemacht haben, was mir ein Rätsel ist. Obwohl die Platte mit positiven Kritiken überhäuft wurde, ist sie in den US-Charts nur bis auf Platz 47 gekommen. Sehr schade. Aber das sollte sich ja mit dem nächsten Album völlig ändern!

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