Feeds:
Artikel
Kommentare

Mit ‘Psychedelic Rock’ getaggte Artikel

Rare Earth – eine Band, die mir bis vor kurzem völlig unbekannt war und die ich bei Last.FM gefunden habe, als ich nach Bands suchte, die vermeintlich Ähnlichkeit mit Blood, Sweat & Tears besitzen.

Mhmm, das Cover! Das sieht irgendwie aus, als wenn Bon Scott das im Jenseits gepinselt hätte, also irgendwie nach Hard Rock. In Wirklichkeit sind Rare Earth aber eine Rockband, die einen Plattenvertrag bei einem Motown-Sublabel hatten (jedenfalls damals), das auch noch ihren Namen zierte. Und ich muß sagen, da wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes hellhörig – denn Classic Rock mit Motown-Einflüssen hört sich für mich nach einer selten optimalen Kombination an! In der Tat – die Jungs spielen Classic Rock und singen dazu wie eine Motown-Kapelle. Wunderbar! Für mich steht außer Frage, das die mehrere gute Alben eingespielt haben – aber ich habe repräsentativ “Ecology” gewählt, weil das Herzstück des Albums aus zwei famosen Coverversionen besteht. Doch der Reihe nach!

Den Auftakt macht “Born To Wander” – damit GEHT es sozusagen los, im Grunde noch das Lied, das die positivste Stimmung versprüht: “I Was Born To Wander, And It’s Time For Movin’ On” – auch textlich ein ziemlich perfekter Opener. Zwischendurch ein Flötensolo, eine schmissige Gitarre. Was will man mehr? Erstes kleines Highlight ist dann “Long Time Leavin’”, wo die Band den Refrain im Chor singt, was dann erstmals die stimmlichen Qualitäten der Band voll zum Tragen kommen lässt. Außerdem hört sich die Platte hier auch zum ersten Mal ein bißchen nach Motown an. Aber dann gibts auch schon ein schönes Orgelsolo im Mittelteil – und so geht es dann ständig hin und her! Klasse! Zum Ende hin folgt ein Rhythmuswechsel (“Searchin’ for my dream…”) und die Nummer klingt mit einem Saxophonsolo aus. In dem Song ist wirklich alles drin. Dann folgt die erste Coverversion, die ich oben ansprach: “(I Know) I’m Losing You)” (US #7) – gecovert werden hier die Temptations, deren Version im Vergleich geradezu einschläfernd daher kommt. Überhaupt: das Problem zahlreicher Motown-Gesangskapellen (die Temptations sind da ein Paradebeispiel!) ist, das die Instrumentalisierung stets ähnlich, weil zu minmalistisch ist. Im Grunde werden die Songs zumeist von den ohne Zweifel überragenden Stimmen der Intepreten getragen, was natürlich funktioniert, aber auf Dauer auch schnell langweilig wird.

In der Version Rare Earth ist stimmlich alles dran, was man warscheinlich bei den Temptations suchen und finden wird. Doch dazu kommen noch krachige Gitarren, Orgelspiel und auch sonst ausschweifende Soli’s diverser Instrumente, die das gute Original veredeln. Mit knapp elf Minuten fällt die Version von Rare Earth dann auch keine Sekunde zu lang aus. Ein offenbar nahezu unbekanntes Meisterwerk! Auf gleichem Niveau folgen dann “Satisfaction Guaranteed” (könnte der passende Werbespruch zur Platte sein!) und “Nice Place To Visit”. Das folgende “No. 1 Man” ist dann textlich sozusagen der Prolog zu “(I Know) I’m Losing You”: “Now I’m Tryin’ To Do The Best I Can, Just To Proove My Love Is Real. Now I’m Tryin’ To Do The Best I Can Got To Show You Just The Way I Feel.” und beginnt mit indischen Gitarrenklängen, die rockige Gitarre zieht sich wie ein roter Faden durch den Song. Wenn man so will, ist “No. 1 Man” auf der Platte der Hardrocker!

Letzter Song ist dann “Eleanor Rigby”, eine Coverversion der Beatles, der ich im Original wenig Beachtung geschenkt habe – und das trotz des nachdenklichen, mehr als tiefgründigen Textes. Unabhängig von der Tatsache, das ich die in den Himmel gelobten Beatles für überschätzt halte, handelt es sich natürlich um eine Songwriting-Glanzleistung, an der Paul McCartney wohl den größten Anteil gehabt hat. Gesanglich und instrumental allerdings fällt die Version der Beatles deutlich hinter der Version von Rare Earth zurück. Wie kann man diesen Song besser authentisch rüberbringen, als mit Kirchen-Chor-Anleihen und Motown-Gesang? Gar nicht. In der dritten Strophe (Rigby’s Beerdigung) läuft mir jedes Mal wieder ein kalter Schauer den Rücken herunter.

Insgesamt fällt das Fazit eindeutig aus: bei “Ecology” handelt es sich um eine Platte die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte und die bei höherer Popularität wohl tatsächlich als Meisterwerk gelten würde.

Read Full Post »

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.