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Mit ‘Kernkraft’ getaggte Artikel

Ich habe mir so im Stillen gedacht, das Schwarz-gelb wie üblich schön lobbymässig im Hintergrund mit den Stromkonzernen verhandelt und sich alle am Ende über eine Laufzeitverlängerung vorbei an Bevölkerungsmehrheit, Bundesrat und gesundem Menschenverstand einigen werden. Daran glaube ich auch weiterhin. Aber das die von der Atomlobby auch Humor haben, das dachte ich eigentlich nicht. Hier ist der Gegenbeweis:

Wenn die Steuer komme und Umweltminister Norbert Röttgen strikte Auflagen verordne, lohne sich der Weiterbetrieb zahlreicher Anlagen nicht mehr, zitierte das Blatt Vertreter der Konzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW aus den Gesprächen mit der Regierung. In diesem Fall sähen sich die Energiekonzerne gezwungen, die Meiler vorzeitig abzuschalten. Bei Bedarf würden sie dann Atomstrom im Ausland zukaufen.

Wenn ich mir das so als Atomstromkritiker durch den Kopf gehen lasse, dann muß ich sagen: Deal! Sofort abschalten, Differenzbedarf aus dem Ausland zukaufen und diesen jedes Jahr reduzieren. Bis 2020 kann man den dann auf 0 fahren. Finde ich großartig! Nur – haben die das jetzt vorgeschlagen, um mich zum Lachen zu bringen? Wohl eher nicht.

In Wahrheit ist diese Drohung ein kleiner Geniestreich! Was bezweckt man denn mit solchen Äußerungen? Man will den Verhandlungspartner unter Druck setzen und ihnen vielleicht sogar ein bißchen Angst machen. Eines kann ich mir sehr gut vorstellen, nämlich, dass Norbert Röttgen jetzt schön der Schweiß von der Stirn läuft. Der wollte doch nur mal testen, wie weit er mit seiner Anti-Atom-Haltung in der CDU kommt und jetzt drohen die Stromkonzerne mit dem sofortigen Komplettausstieg. Das ist ja mal voll in die Binsen gegangen!

Wirklich – zum mit der Zunge schnalzen. Denn dieser Vorstoß der Stromkonzerne beweist doch letztendlich auf sehr anschauliche Weise, dass es der CDU und FDP tatsächlich um eine Verlängerung der Laufzeiten geht und nicht darum, die Kernkraft als Brückentechnologie zu nutzen. Das ist auch sowieso ein Märchen, denn der Rot-Grüne Ausstiegsvertrag beinhaltet ja nichts anderes. Nur stellen sich dabei jetzt schon die Konzerne selber quer – die müssen gerade gar nicht wissen, wie ihnen geschieht in der CDU!

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Röttgen legt im koalitionsinternen Streit um den Atomausstieg nochmal eine Schippe drauf (das klingt nach Kohlekraft, soll es aber gar nicht!):

“Ich glaube, die Diskussion geht im Kern darum, ob wir wirklich meinen, was wir aufgeschrieben haben. Den Punkt müssen wir in der Tat klären.”

Das ist doch komplett hirnrissig. Ich jedenfalls habe in der Schule noch gelernt, das man erstmal überlegen soll, was man aufschreibt, bevor man es aufschreibt. Union und FDP machen es genau anders herum – ist ja auch bequem, so ein Kaugummikoalitionsvertrag!

Dank dieser Aussage kann sich Röttgen dann auch seine Kernaussage des verlinkten Interviews in die Haare schmieren, wonach er den Atomausstieg vorantreiben will. Aber vielleicht soll der Leser ja gar nicht nachdenken, nachdem er das Aufgeschriebene gelesen hat? Bei der Union ist es jedenfalls scheinbar genau umgekehrt.

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Es gibt in der Süddeutschen Zeitung eine Kategorie namens “Außenansicht”. Hinter dem Begriff verbirgt sich nicht nur meiner Meinung nach ein wichtiges Element der Meinungsbildung – nämlich eine unbeeinflusste Meinung von außen. Der Mensch neigt ja dazu, in seine Entscheidung mehr oder weniger stark Emotionen einfliessen zu lassen. Jeder kennt das – da ist eine Meinung eines Unbeteiligten nicht selten mehr als vorteilhaft.

In der Printausgabe der SZ von vergangenen Donnerstag schrieb Konrad Kleinknecht, seines Zeichens Beauftragter der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für Klimaschutz, eine dieser Außenansichten zum Thema Atomkraft – der provokante Titel: “Wovor fürchten wir uns?”. Nicht alle, aber einige (und auch ich) haben zumindest starke Bedenken, wenn es um die Kernkraft geht. Absolut enspannt und unaufgeregt versucht Kleinknecht Argumente zu entkräften, die gegen die Kernkraft sprechen – als ich den Beitrag zu Ende gelesen habe, hatte sich meine Haltung gegen die Kernkraft allerdings sogar noch verstärkt! Als rhetorische Beruhigungsmittel setzt Kleinknecht gleich zur Eröffnung folgenden Satz ein:

“Die deutschen Leichtwasser-Reaktoren sind nicht vergleichbar mit den Graphit-Reaktoren des Typs Tschernobyl. Es gibt daher kaum Bedenken gegen ihre Betriebssicherheit.”

Zunächst einmal nutzt der Autor hier das allgemein vorherrschende (und sicher nicht ganz unzutreffende Bild) der Bevölkerung vom unsicheren russischen Atomreaktor aus, um den Eindruck zu erwecken, das unsere Reaktoren sicher sind. Das ist ein fataler Fehler! Ein terroristischer Anschlag zum Beispiel mit einem Flugzeug (was ja vor dem 11.09.2001 in den USA auch niemand ernsthaft für möglich gehalten hat) kann das Leben der Einwohner (auch über Landesgrenzen hinaus) dauerhaft verändern. Eine solche vergleichbare potentielle Gefahr geht meiner Meinung nach von keiner anderen Art der Energiegewinnung aus. Auch Zwischenfälle in Kernkraftwerken (es muß ja nicht gleich ein GAU sein!) sind auch nicht gerade so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto – die Vorkomnisse der letzten Zeit haben uns das gelehrt. Es ist also sehr leichtsinnig, sich einfach hinzustellen und zu sagen: “Es wird schon gutgehen!” Weiter sagt Kleinknecht:

“In Deutschland sind zurzeit 17 Kernreaktoren in Betrieb, die mehr als ein Viertel der Energie erzeugen. Sie tun seit 20 bis 30 Jahren zuverlässig ihren Dienst.”

Genau gesagt erzeugen diese 17 Kraftwerke 26% des Strombedarfs (wie ich einer Infografik der Tagesschau entnehmen konnte) – aber Moment! Nur 26%? Die Zahl verdeutlicht doch, das theoretisch (zumindest langfristig) auch eine Versorgung ohne Kernenergie möglich wäre. Zur Aussage bezüglich der Sicherheit – ich glaube bin mir sicher, das nicht jeder Zwischenfall auch der Öffentlichkeit bekannt wird. Man kennt das ja – immerhin kann so eine negative Meldung langfristig auch das Betriebsergebnis oder zumindest das Image der großen Energiekonzerne negativ beeinflussen!

“Die Versorgung mit Uran ist für lange Zeit gesichert. [...] Bei konstantem Verbrauch reicht dieses Uran mehr als 70 Jahre.”

Diese Aussage hat mich am meisten aufgeregt. Nur wer egoistisch denkt, kann ernsthaft behaupten, das 70 Jahre eine lange Zeit sind. Das ist ein Menschenleben, mehr nicht. Außerdem: wer sagt überhaupt, das alle Ressourcen der Erde 100%ig verschwendet verwendet werden müssen?

Dann sagt Herr Kleinknecht noch so einiges aus seiner Sicht fantastisches über Endlagerung, das ich jetzt gar nicht wiedergeben will. Neben der Unsicherheit ist nämlich überhaupt erst die Notwendigkeit der Endlagerung eine entscheidende Schwäche der Kernkraft. Ich will jetzt nicht weiter auf dieses Beispiel in Asse eingehen, das dieser Tage durch die Medien geht. Mich stört eher die Philosophie, die dahinter steckt: man raubt der Natur alle Rohstoffe, und die gefährlichen Abfälle nach der Verarbeitung werden der Natur dann einfach wieder untergeschoben. Zudem wird dann natürlich auch wieder übersehen, das der Mensch ja Teil der Natur ist – aus seinem Bewusstsein heraus ist er sogar der Mittelpunkt. Wer also der Natur schadet (und das tut er sowohl mit dem unachtsamen Abbau wertvoller Ressouren als auch mit der Endlagerung), der schadet sich letzten Endes selbst!

Passend dazu habe ich dann auch noch unter der Woche “Maybrit Illner” zum Thema “Gefährlich aber billig – ist Atomstrom doch die Lösung?” gesehen. Schon bei der Formulierung des Themas hätte mir klar werden dürfen, das ich diese Sendung nicht hätte einschalten dürfen. Tatsächlich haben sich Jürgen Trittin (Grüne) und Michael Glos (CSU) die ganze Zeit auf durchschaubarste Art und Weise den schwarzen Peter zugeschoben. Dann saß da noch Erhard Eppler (SPD), der auf ziemlich aufgeregte Weise vor den Gefahren warnen wollte, niemand nahm ihn ernst. Er hat recht, auch wenn seine Forderung natürlich über das Ziel hinaus schießt, den Ausstieg im Grundgesetz festzuhalten.

Zusammenfassend gesagt: ich habe starke Bedenken an Notwendigkeit und Sicherheit der Kernkraft. Die Achillesferse meiner Ausführungen besteht allerdings dahin, das auch ich keine Alternative für einen vollständigen Ersatz benennen kann. Das kann aber auch nicht der Grund sein, zu sagen: “Na ja. Dann machen wir es eben weiter mit der Kernenergie.”

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