Ja, ich weiß – vor knapp zwei Jahren bereits habe ich in dieser Kategorie eine Rezension einer Epiosde von Rosamunde Pilcher großspurig angekündigt – und ich habe auch mittlerweile ein schlechtes Gewissen, das ich diese Rezension meinen treuen Lesern noch immer schuldig bin. Ich hatte erst den Verdacht, das dieser sicherlich für meine Gehirnzellen lebensbedrohliche Selbstversuch nur deshalb nicht zustande kommt, weil er dann eben doch zu gefährlich für mich ist. Aber ich bin der festen Überzeugung, das es noch irgendwann dazu kommen wird. Aber gestern habe ich mich anderweitig in große Gefahr begeben (zuletzt hatte ich mich mit verdauungsförderndem Joghurt herumgeschlagen). Es muß also wieder was passieren – sonst denken die Leute noch, das ich ein ruhiges Leben auf der sicheren Seite ohne jede Gefahr lebe, was natürlich so nicht stimmt!
Heute: Männersache – Der neue Film von Mario Barth
Wie auch schon bei meiner Rezension von Borat käme ich selbst nie auf die Idee, mir einen Film von und mit Mario Barth anzuschauen. Doch wenn man nicht alleine, sondern in Gesellschaft ins Kino geht ist das natürlich etwas völlig anderes. Es cineastischer Sicht hätte mich Mario Barth natürlich positiv überraschen können, was er erwartungsgemäß nicht tat. Aber so bleibt immer noch die Möglichkeit einer Recherche für meine Reihe “Möller in Gefahr”, die ja nun auch lange keine neue Episode mehr gesehen hat.
Wie ich es befürchtet hatte, operiert Barth nicht nur den ganzen Film über mit seinen typischen Frauen- und Männerwitzen, unter dessen Einfluß mein Zwerchfell längst friedlich eingeschlummert ist. Viel mehr noch versuchte Barth den Film auch noch erfolglos mit Witzen über Furze und dicke Frauen aufzupolieren, womit er natürlich zunächst einmal die Lacher auf seiner Seite hatte (wie ich leider feststellen musste!) – bei genauerer Betrachtung aber offenbart das Verwenden solcher Gags natürlich auch immer Schwächen im Drehbuch und den schauspielerischen Leistungen. Was die Geschichte selbst angeht, wusste wohl jeder Zuschauer bereits nach einer halben Stunde wie der Film ausgeht – Barth hat einen Kumpel (gespielt von Dieter Tappert), den er bereits ewig kennt. Dann macht er als Nachwuchskomiker Witze auf seine Kosten und die Freundschaft bekommt Risse – dann aber, als es drauf ankommt, finden beide wieder zueinander und alles wird gut. Ich will gar nicht wissen, in wie vielen Filmen dieses Grundhandlungsmotiv bereits Verwendung gefunden hat – natürlich mit besten Absichten. Aber es ist eben inzwischen auch sterbenslangweilig.
Das Mario Barth kein Schauspieler ist, wird dem genauen Betrachter auch schnell aufgefallen sein. Zu allem Überfluß gab es dann auch noch mehrere sentimentale Szenen, in denen Barth auf dem Dach seines Hauses sitzt, ein Bier nach dem anderen zischt und über die Freundschaft zu seinem Freund Hotte nachdenkt. Da wurde es mir fast schon zu unglaubwürdig – das Problem: wenn man in der Öffentlichkeit nur als billiger Witzeerzähler bekannt ist, ist eben, das man dann in ernsten Szenen nicht glaubwürdig wirkt. Das war natürlich zusätzlich zu Barth’s doch eher limitierten schauspielerischen Fähigkeiten in derartigen Szenen negativ zu spüren.
Ausgerechnet Sido, den ich überhaupt nicht ausstehen kann, sorgte dann noch für den besten Gag. Als Barth sich für den Auftritt in einer großen Show backstage vorbereitet (die verdächtig an DSDS erinnert), verulkt sich Sido als Aufnahmeleiter herrlich selbst – es geht doch. Das war endlich mal ein Lacher, der ohne Frauen- und Männerklischees auskommt und auch nicht fäkal oder diskriminierend ist. Eine große Überraschung, das so ein Gag ausgerechnet von Sido kommt, der sein Geld sonst mit Rap-Songs wie “Arschficksong” oder “Halt dein Maul” verdient. Ansonsten haben mir die Nebenfiguren eigentlich auch besser gefallen – neben Jochen Vogel als breitem Clubbesitzer war das vor allem Michael Gwisdek als “Barth’s Vater” Rudi, der im Grunde durchgängig überzeugend agierte.
Fazit: Männersache ist ein Film, der aus cineastischer Sicht reine Zeitverschwendung ist – vom Sinn der Produktion liegt er strenggenommen sogar noch hinter Borat, der ja mit seinem dokumentarischen Stil zumindest noch versucht hat, die amerikanische Gesellschaft bloßzustellen. Aber ein Vergleich verbietet sich hier im Grunde, weil Männersache in Sachen Niveau und Humor immerhin nie so schlecht ist wie Borat.



