Meine bereits traditionsreiche Reihe Plattenteller, die mir übrings trotz oder gerade wegen der derzeitigen Dominanz des Themas Politik auf meinem Blog sehr am Herzen liegt, wird mit dem fünften Studioalbum von Steely Dan fortgeführt. Waren die ersten vier Alben schon besser als so ziemlich alles, was ich zuvor gehört habe – die beste Phase beginnt 1976 mit “The Royal Scam”!
“The Royal Scam” ist ein gutes Album für Einsteiger. Ich würde es sogar eher empfehlen als diverse Best-Of-Compilations, die meistens einige für den Einsteiger doch weniger eingängige Nummern enthalten. Auf “The Royal Scam”, das ist mein subjektiver Eindruck, ist die Musik etwas eingängiger als zum Beispiel auf dem Vorgänger “Katy Lied” – während ich “Katy Lied” erstmal eine Zeit lang im Regal liegen hatte, sprang der Funke bei “The Royal Scam” sofort über. Ich weiß noch genau, wie ich nach Lieferung die ersten beiden Titel vor völliger Begeisterung immer wieder abwechselnd hören musste, weil sie mir so gefielen. Dabei habe ich den Jazz-Gitarrengott (das könnte Jeffrey Baxter sein!) angefleht, er möge mir doch für den Rest des Tages, ach was, den Rest meines Lebens, einen Ohrwurm von einem der beiden Titel bescheren. Das klingt jetzt vielleicht völlig abgehoben, verdeutlicht aber dann doch nur die Begeisterung, die ich diesem Album entgegenbrachte und noch immer entgegenbringe.
Auftakt des Albums ist das fantastische “Kid Charlemagne” – in den Charts landete es nur auf hinteren Positionen (US #82) – völlig unverständlich, enthält es doch das legendäre Gitarrensolo von Sessionmusiker Larry Carlton, welches der Rolling Stone seinerzeit als drittbestes Gitarrensolo aller Zeiten krönte. Lustig: ich habe irgendwo gelesen, das sich die Kritiker einig sind, das “Kid Charlemagne” auch die schlechteste Textzeile eines Steely Dan-Songs enthält: “Is there gas in the car? / Yes, there’s gas in the car.” Ist witzig, hat aber auf die Bewertung des Albums keinen Einfluß! Danach das wunderbare “The Caves Of Altamira” – der textsichere Hörer muß da einfach mitsingen: “I recall when I was small / How I spend my days alone / The busy world was not for me / So I went and found my own / I would climb the garden wall / With a candle in my hand / I’d hide inside a hall of rock and sand” – einfach traumhaft gereimt. Außer Becker und Fagen weiß kein Mensch, was das bedeuten soll. Aber wen kümmerts? Gute Laune abseits des Mainstream.
Dann “Don’t Take Me Alive” – ein weiterer Song, bei dem ich keinerlei Ahnung habe, was er bedeuten soll. Aber warscheinlich geht es wie eigentlich immer entweder um Drogen, Sex oder Impotenz. Als ich den Song das erste Mal hörte (das war nicht am Tag des Erwerbes, weil ich erstmal vor Begeisterung die ersten beiden Titel in mich aufgesaugt habe!) kam mir das Gitarrenintro für Steely Dan-Verhältnisse ungewöhnlich hart vor – da kann ich mich noch genau dran erinnern. Es folgt “Sign In Stranger”, das getragen wird von einer wunderbaren Keyboard-Linie, die auch gleich den Unterschied zu “Don’t Take Me Alive” deutlich macht. Super Frage: “You zombie / Be born again my friend / Won’t you sign in stranger?”. Daran schliesst sich “The Fez” an – auf sehr hohem Niveau einer der schwächeren Dan-Songs. Irgendwie zu sehr auf Disco gemacht und immer das Gleiche – trotzdem wurde die Nummer als Single veröffentlicht und erreichte immerhin Platz 59 in den US-Charts! Das es bei wenig Lyrics auch wesentlich besser geht, beweist auf eindrucksvolle Art und Weise das dann folgende “Green Earrings”: zwei Mini-Strophen und ein Refrain, der mich immer an Frauen erinnern, die in Sachen Styling ein bißchen über’s Ziel hinaus geschossen sind: “Green earrings, I remember / The rings of rare design / I remember / The look in your eyes / I don’t mind”. In Wirklichkeit soll es wohl um einen Juwelendieb gehen. Passt auch gut. Aber bei Dan-Texten, die dem gewöhnlichen Hörer nur selten sinnvoll erscheinen, stellen sich eben manchmal ganz abenteuerliche Assoziationen ein! Die Nummer hat jedenfalls Schmiß für das ganze Album – mindestens. Yeah!
Aber dann: “Haitian Divorce” (GB #17). Nicht nur der größte Single-Hit in Großbritannien, sondern auch textlich ein absolutes Highlight. Allein die ersten Textzeilen: “Babs and clean Willi where in love they said / So in love, the preachers face turned red” – dafür musste es schon einen Grammy geben! Super!! Aber dann trifft Babs zum Leidwesen von Willi ja leider Charlie (with the lotion and the kinky hair) und die Dinge nehmen ihren Lauf. Dann kommt “Everything You Did” – da geht es eindeutig ums fremdgehen (“Turn up The Eagles, the neighbours are listening”) – die Eagles haben sich dann später in “Hotel California” revanchiert: “The stab it with their steely knives”. Wunderbar! Zwei Ausnahme-Kapellen spielen sich die Bälle zu. Wie ich gelesen habe, ging es darum, das Steely Dan mit den Eagles in den gemeinsamen West Coast Rock-Topf geworfen wurden und Donald Fagen da wohl immer eine Art Running Gag draus gemacht hat. Die Platte endet mit dem längsten und auch namensgebenden Titel: “The Royal Scam” – ein Keyboard wieder. Hört mir auf! Wenn ich den Text mal abwandeln darf, dann würde ich eine Botschaft an alle zum Besten geben, denen diese Platte noch unbekannt ist: Hear the glory of the royal scam!
Was für eine Scheibe! Walter Becker und Donald Fagen in der Hochzeit ihrer Karriere. Doch es ging noch besser – der Nachfolger “Aja” legte noch einen drauf. Kaum zu glauben, bei dem was dem geneigten Hörer auf “The Royal Scam” entgegen schallte. Die Reihe wird fortgesetzt!
Weitere relevante Rezensionen:
=> Plattenteller: Steely Dan – Katy Lied (1975)
=> Plattenteller: Steely Dan – Pretzel Logic (1974)
=> Plattenteller: Steely Dan – Countdown To Ecstasy (1973)
=> Plattenteller: Steely Dan – Can’t Buy A Thrill (1972)
=> Plattenteller: Donald Fagen – The Nightfly (1982)
Wie alle drei Alben aus der ersten Ära mit David Clayton-Thomas trägt das Album den Bandnamen zuzüglich Nummerierung, was ja zum Beispiel auch Chicago gemacht haben und was ich irgendwie ziemlich langweilig finde. Aber natürlich ist das auch nebensächlich, denn auf “3″ befinden sich einige meiner Lieblingstitel von Blood, Sweat & Tears – auch wenn ich keiner der Hörer der Band bin, die sich für oder gegen einen der beiden prägensten Sänger (Clayton-Thomas und/oder Jerry Fisher) entscheiden können. Auffällig ist in jedem Fall, das die Band sich auf diesem Album häufig für Fremdkompositionen entschieden hat, was aber in keinster Weise negativ ins Gewicht fällt, weil Clayton-Thomas ohnehin die meisten Singlehits geschrieben hat und weil die Band auf bestes Material zurückgreifen konnte. Im Windschatten des



