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Mit ‘Jazz’ getaggte Artikel

Meine bereits traditionsreiche Reihe Plattenteller, die mir übrings trotz oder gerade wegen der derzeitigen Dominanz des Themas Politik auf meinem Blog sehr am Herzen liegt, wird mit dem fünften Studioalbum von Steely Dan fortgeführt. Waren die ersten vier Alben schon besser als so ziemlich alles, was ich zuvor gehört habe – die beste Phase beginnt 1976 mit “The Royal Scam”!

“The Royal Scam” ist ein gutes Album für Einsteiger. Ich würde es sogar eher empfehlen als diverse Best-Of-Compilations, die meistens einige für den Einsteiger doch weniger eingängige Nummern enthalten. Auf “The Royal Scam”, das ist mein subjektiver Eindruck, ist die Musik etwas eingängiger als zum Beispiel auf dem Vorgänger “Katy Lied” – während ich “Katy Lied” erstmal eine Zeit lang im Regal liegen hatte, sprang der Funke bei “The Royal Scam” sofort über. Ich weiß noch genau, wie ich nach Lieferung die ersten beiden Titel vor völliger Begeisterung immer wieder abwechselnd hören musste, weil sie mir so gefielen. Dabei habe ich den Jazz-Gitarrengott (das könnte Jeffrey Baxter sein!) angefleht, er möge mir doch für den Rest des Tages, ach was, den Rest meines Lebens, einen Ohrwurm von einem der beiden Titel bescheren. Das klingt jetzt vielleicht völlig abgehoben, verdeutlicht aber dann doch nur die Begeisterung, die ich diesem Album entgegenbrachte und noch immer entgegenbringe.

Auftakt des Albums ist das fantastische “Kid Charlemagne” – in den Charts landete es nur auf hinteren Positionen (US #82) – völlig unverständlich, enthält es doch das legendäre Gitarrensolo von Sessionmusiker Larry Carlton, welches der Rolling Stone seinerzeit als drittbestes Gitarrensolo aller Zeiten krönte. Lustig: ich habe irgendwo gelesen, das sich die Kritiker einig sind, das “Kid Charlemagne” auch die schlechteste Textzeile eines Steely Dan-Songs enthält: “Is there gas in the car? / Yes, there’s gas in the car.” Ist witzig, hat aber auf die Bewertung des Albums keinen Einfluß! Danach das wunderbare “The Caves Of Altamira” – der textsichere Hörer muß da einfach mitsingen: “I recall when I was small / How I spend my days alone / The busy world was not for me / So I went and found my own / I would climb the garden wall / With a candle in my hand / I’d hide inside a hall of rock and sand” – einfach traumhaft gereimt. Außer Becker und Fagen weiß kein Mensch, was das bedeuten soll. Aber wen kümmerts? Gute Laune abseits des Mainstream.

Dann “Don’t Take Me Alive” – ein weiterer Song, bei dem ich keinerlei Ahnung habe, was er bedeuten soll. Aber warscheinlich geht es wie eigentlich immer entweder um Drogen, Sex oder Impotenz. Als ich den Song das erste Mal hörte (das war nicht am Tag des Erwerbes, weil ich erstmal vor Begeisterung die ersten beiden Titel in mich aufgesaugt habe!) kam mir das Gitarrenintro für Steely Dan-Verhältnisse ungewöhnlich hart vor – da kann ich mich noch genau dran erinnern. Es folgt “Sign In Stranger”, das getragen wird von einer wunderbaren Keyboard-Linie, die auch gleich den Unterschied zu “Don’t Take Me Alive” deutlich macht. Super Frage: “You zombie / Be born again my friend / Won’t you sign in stranger?”. Daran schliesst sich “The Fez” an – auf sehr hohem Niveau einer der schwächeren Dan-Songs. Irgendwie zu sehr auf Disco gemacht und immer das Gleiche – trotzdem wurde die Nummer als Single veröffentlicht und erreichte immerhin Platz 59 in den US-Charts! Das es bei wenig Lyrics auch wesentlich besser geht, beweist auf eindrucksvolle Art und Weise das dann folgende “Green Earrings”:  zwei Mini-Strophen und ein Refrain, der mich immer an Frauen erinnern, die in Sachen Styling ein bißchen über’s Ziel hinaus geschossen sind: “Green earrings, I remember / The rings of rare design / I remember / The look in your eyes / I don’t mind”. In Wirklichkeit soll es wohl um einen Juwelendieb gehen. Passt auch gut. Aber bei Dan-Texten, die dem gewöhnlichen Hörer nur selten sinnvoll erscheinen, stellen sich eben manchmal ganz abenteuerliche Assoziationen ein! Die Nummer hat jedenfalls Schmiß für das ganze Album – mindestens. Yeah!

Aber dann: “Haitian Divorce” (GB #17). Nicht nur der größte Single-Hit in Großbritannien, sondern auch textlich ein absolutes Highlight. Allein die ersten Textzeilen: “Babs and clean Willi where in love they said / So in love, the preachers face turned red” – dafür musste es schon einen Grammy geben! Super!! Aber dann trifft Babs zum Leidwesen von Willi ja leider Charlie (with the lotion and the kinky hair) und die Dinge nehmen ihren Lauf. Dann kommt “Everything You Did” – da geht es eindeutig ums fremdgehen (“Turn up The Eagles, the neighbours are listening”) – die Eagles haben sich dann später in “Hotel California” revanchiert: “The stab it with their steely knives”. Wunderbar! Zwei Ausnahme-Kapellen spielen sich die Bälle zu. Wie ich gelesen habe, ging es darum, das Steely Dan mit den Eagles in den gemeinsamen West Coast Rock-Topf geworfen wurden und Donald Fagen da wohl immer eine Art Running Gag draus gemacht hat. Die Platte endet mit dem längsten und auch namensgebenden Titel: “The Royal Scam” – ein Keyboard wieder. Hört mir auf! Wenn ich den Text mal abwandeln darf, dann würde ich eine Botschaft an alle zum Besten geben, denen diese Platte noch unbekannt ist: Hear the glory of the royal scam!

Was für eine Scheibe! Walter Becker und Donald Fagen in der Hochzeit ihrer Karriere. Doch es ging noch besser – der Nachfolger “Aja” legte noch einen drauf. Kaum zu glauben, bei dem was dem geneigten Hörer auf “The Royal Scam” entgegen schallte. Die Reihe wird fortgesetzt!

Weitere relevante Rezensionen:
=> Plattenteller: Steely Dan – Katy Lied (1975)
=> Plattenteller: Steely Dan – Pretzel Logic (1974)
=> Plattenteller: Steely Dan – Countdown To Ecstasy (1973)
=> Plattenteller: Steely Dan – Can’t Buy A Thrill (1972)
=> Plattenteller: Donald Fagen – The Nightfly (1982)

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Bewegung in meiner Rubrik “Plattenteller” – mit dem vierten Album von Blood, Sweat & Tears, meiner im Moment absoluten Lieblingskapelle!

Okay, meine derzeit absolute Lieblingskapelle. Und Blood, Sweat & Tears ist auch endlich mal eine Formation, die man realistisch als Kapelle einschätzen könnte – wenngleich ich “Kapelle” auch schon mal bei Rockgruppen verwende, bei denen das per Definition nicht wirklich passt, denn “Kapelle” ist für mich ja so eine Art qualitätives Gegenstück von “Castingband” im weitesten Sinne. Auch das passt bei B,S&T! Was man auch erwähnen muß: mir ist keine andere Band (mal abgesehen von Steely Dan und Toto) bekannt, die sich aus derart vielen Ausnahmemusikern zusammensetzt. Ich hatte zuerst Chicago kennen gelernt, was nahe liegt, wenn man sich von der kommerziellen Seite herantastet – aber B,S&T sind klar besser. Die haben im Grunde ein Kracher-Album nach dem anderen rausgehauen (bis “No Sweat” gilt das aus meiner Sicht uneingeschränkt), ohne kommerziell zu werden. Auch das gibt es bei nur ganz wenigen Bands. Ich kann es also nur in jeder Rezension auf’s neue sagen – wir haben es hier mit einer der besten Bands überhaupt zu tun. Jahre lang galt Steely Dan für mich konkurrenzlos als das Maß der Dinge, B,S&T kann da mühelos mithalten.

Wo wir gerade bei David Clayton-Thomas sind: das hier ist sein letztes Album vor seinem vorübergehenden Ausstieg, nachdem dann Jerry Fisher (finde ich im Gegensatz zu manch anderem Hörer Clayton-Thomas ebenbürtig!) den Gesang übernahm. Auch eine Premiere: “DCT” spielt zum ersten Mal ein Instrument! Auf dem Opener “Go Down Gamblin’” (US #32) spielt er Gitarre, und das hört sich dann wundersamerweise auch an, als hätte er nie etwas anderes gemacht! Ein sehr guter Opener, der dank des Gitarrenspiels auch mühelos als (leider viel zu unbekannter) Rock-Klassiker durchgeht! Nicht umsonst kündigt Clayton-Thomas die Nummer auf dem North Sea Jazz Festival 1993 mit folgenden Worten an: “I know this ist the Noth Sea Jazz Festival, but are you ready for some Rock’n'Roll?” Wie passend! Ganz nebenbei auch ein fantastischer Song für alle, die gerne All-In gehen!

Und wenn ich mir das Album mal wieder auf LP anhöre, so muß ich doch feststellen, das die A-Seite eine der besten Albumseiten überhaupt ist, was nicht zuletzt an den zwei folgenden Nummern liegt: “Cowboys And Indians” (endet großartig mit: “Looking back, it’s no surprise to find / Lots of people kept on playing cowboys / Killing Indians”) und “John The Baptist (Holy John)”, einer Komposition von Al Kooper, bei der es sich ebenfalls lohnt, die Schlußsekunden akustisch zu inhalieren! Es wird nie langweilig auf diesem Album. Dann kommt “Redemption”, ebenfalls herrlich. Man schenke dem Drum-Intro (Bobby Colomby!!!) und dem Piano-Break nach der ersten Strophe besondere Beachtung. So hört sich Perfektion an! Dann folgt “Lisa, Listen To Me” (US #73), eine perfekte Jazz-Pop-Ballade, eine weitere Nummer, die aufzeigt, was Bobby Colomby doch für ein Ausnahmedrummer ist. Sofort fällt mir hier auch das perfekte Zusammenspiel zwischen Drums und Bass auf. Seite A endet mit einem knapp einminütigen Piano-Stück “A Look To My Heart” von Fred Lipsius, das viel zu kurz geraten ist und im besten Sinne an Erik Satie erinnert!

Seite B beginnt mit “High On A Mountain”, von Steve Katz geschrieben und Clayton-Thomas gesungen. Und da ist wieder dieses Gefühl. Man hört die ersten Textzeilen: “High on a mountain / Where the sun still shines / And the water runs a little lazy”. Man hat sofort das Gefühl, man ist hier bei etwas ganz großem dabei. Wer könnte heute noch sowas großartiges texten? Warum Katz den Song nicht selbst singt, ist mir ein Rätsel – würde das Stück doch durchaus zu seiner Stimme passen. Aber Katz bekommt seinen obligatorischen Song doch noch: “Valentine’s Day” – und wenn man sich das so anhört und noch an “Sometimes In Winter” oder “The Battle” aus den Vorgängeralben denkt, fragt man sich: warum in Gottes Namen haben die den nicht häufiger an’s Mikrofon gelassen? Klar, Clayton-Thomas ist der Boss gewesen – aber Katz’ Stimme ergibt einen herrlichen Kontrast du DCT’s. Wie zum Beispiel bei Supertramp (Rodger Hodgson und der von mir höher eingeschätzte Rick Davies) hätte das prima funktioniert, Clayton-Thomas hätte ja trotzdem alle Single-Auskopplungen singen können! Ein anderer Makel fällt mir bei dieser Scheibe aber auch nicht ein. Ein Luxusproblem, in der Tat!

Dann kommt mit “Take Me In Your Arms (Rock Me A Little While)” eine Coverversion aus dem Motown-Bereich, die ja später die Doobie Brothers bis auf 11 der US-Charts (#29 in UK) coverten! Auch hier will ich nochmal meine Lieblingstextzeile zitieren: “I tried my best to be strong / But I’m not able / I’m like a helpless child / Left in a cradle” – Clayton-Thomas winselt das fast ins Mikro und klingt damit noch glaubwürdiger als Tom Johnston von den Doobies! Dann kommt mit “For My Lady” eine Art zweites “High On A Mountain”, gefolgt von dem amüsanten “Mama Get’s High”: “Mama get’s high when a good man in the morning / Gives her tea and takes her milk and apple pie” Viel Spaß bei der Intepretation! Ausklang findest das Album dann mit “A Look To My Heart (Duet)”, einer Art Teil zwei von “A Look To My Heart”, diesmal um melancholische Blaskapelle erweitert.

Also – die Jungs musizieren weiter auf allerhöchstem Niveau. Nach der LP, die in den Staaten nochmal auf Platz 10 landete, verließ Clayton-Thomas die Band, um eine Solokarriere zu starten, was ihm meiner Meinung nach mehr geschadet hat als der Band (obwohl diese sich aus obersten Charts-Regionen verabschieden konnte). Denn wie bereits oben erwähnt halte ich seinen zwischenzeitlichen Nachfolger Jerry Fisher für einen gleichwertigen Ersatz. Mehr noch – ich bin ein absoluter Fürsprecher von Jerry Fisher. “DCT, Almost sorry!” Doch dazu später mehr.

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Nach längerer Pause geht es auch mit meiner Kategorie Plattenteller weiter – und zwar mit dem dritten Album von Blood, Sweat & Tears, das sinnigerweise den Namen “3″ trägt.

Wie alle drei Alben aus der ersten Ära mit David Clayton-Thomas trägt das Album den Bandnamen zuzüglich Nummerierung, was ja zum Beispiel auch Chicago gemacht haben und was ich irgendwie ziemlich langweilig finde. Aber natürlich ist das auch nebensächlich, denn auf “3″ befinden sich einige meiner Lieblingstitel von Blood, Sweat & Tears – auch wenn ich keiner der Hörer der Band bin, die sich für oder gegen einen der beiden prägensten Sänger (Clayton-Thomas und/oder Jerry Fisher) entscheiden können. Auffällig ist in jedem Fall, das die Band sich auf diesem Album häufig für Fremdkompositionen entschieden hat, was aber in keinster Weise negativ ins Gewicht fällt, weil Clayton-Thomas ohnehin die meisten Singlehits geschrieben hat und weil die Band auf bestes Material zurückgreifen konnte. Im Windschatten des grammy-prämierten Vorgängers konnte sich auf “3″ ebenfalls auf Platz 1 der amerikanischen Albumcharts platzieren.

Opener ist der Singlehit “Hi-De-Ho” (US #14), der von Gerry Goffin und Carole King geschrieben wurde, die ja zusammen etliche Hits für andere Künstler geschrieben haben – sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Der Titel ist bei Last.FM nicht umsonst als “Nonsense Lyric” getaggt, aber irgendwie hört es sich doch hoffnungsvoll an, wenn Clayton-Thomas beschwingt singt: “Hi-De-Ho, Hi-De-Hi / Gonna get me a piece of the sky / Gonna get me some of that old sweet roll / Singin’ Hi-De-Hi-De-Hi-De-Hi-De-Hooooo” Dann das erste Highlight – “The Battle”, ein melancholischer Song über den Krieg und seine ganze Grausamkeit, die Stimme von Steve Katz (auch Writing-Credits mit Dick Halligan) scheint wie gemacht, um die Stimmung des Titels perfekt einzufangen und akustisch wiederzugeben (kennen wir von “Somethimes In Winter”!). Katz singt: “Standing on my balcony / I watch the battle run / Yes the war is never over / But the day is never done” Einfach großartig! Gedacht habe ich an diese Zeilen, und das ist nicht ironisch gemeint, an Antonia Rados, wie sie in Bagdad über Saddam Hussein berichten muß. Aber auch ingesamt schildern nicht nur diese Zeilen, wie der einfache Bürger unter Krieg zu leiden hat, denn der Machthaber liegt natürlich in Sicherheit und kann ganz in Ruhe schlafen: “While the king and queen lie sleeping / And their daughters smile so nice / Brothers wait through windows / And peasents die for rice” – absolut ergreifend! Dann kommt “Lucretia MacEvil” (US #29), gefolgt von “Lucretia’s Reprise (I quite love the piano in the beginning!) – und die ist ja wirklich böse: “Devil got you Lucy under lock and key / Ain’t about to set you free”. Oh ha! Lucy, you just so damn bad!! Hell yeah! Die Nummer ist irgendwie auch ein Macho-Text, denn Lucy ist keine, die kriminell ist wie zum Beispiel die “Evil Woman” vom Electric Light Orchestra – Lucy macht die Männer verrückt, eine echte “back seat delilah”. Da kann auch nur David Clayton-Thomas drauf kommen!

Dann kommt “Fire And Rain”, eine großartige Komposition von James Taylor, der erst die Stimme von Clayton-Thomas (der wie Taylor zu klingen versucht, das perfekt passt!) und das Piano von Dick Halligan den letzten Feinschliff verleiht. Ganz groß! “Lonesome Suzie” ist irgendwie Füllmasse, wenn auch auf hohem Niveau. Der Versuch, “Sympathy For The Devil” von den Stones in eine kleine Sinfonie zu verwandeln (als “Symphony For The Devil”), ist meiner Ansicht nach jedoch nur leidlich geglückt. Irgendwie ist mir die Nummer zu sperrig, und da ich die Rolling Stones eh nie zu meinen Favoriten zählte (sie gar für stark überschätzt halte), drücke ich schonmal die Skip-Taste. Dann geht es weiter mit “He’s A Runner”, einer Komposition von Laura Nyro, die nicht nur bereits mit “And When I Die” beste Songwriter-Dienste geleistet hat, sondern nach dem Abgang von Clayton-Thomas sogar kurzzeitig als neue Frontsängerin im Gespräch war. Schönes Easy Listening! Die Platte klingt dann aus mit “Somethin’ Comin’ On” (von Joe Cocker und Chris Stainton) und dem fantastischen “40,000 Headmen” von Steve Winwood, das für mich dann nochmal ein echtes Highlight darstellt.

Um ein kurzes Fazit zu geben: es war schwer, das Vorgängeralbum nochmal zu reproduzieren – doch “3″ fällt vom Niveau keinesfalls ab, sondern kann selbiges halten und beschert dem geneigten Fan einen weitere Top-LP mit einer Reihe von weiteren Klassikern der Band. Hi-De-Ho!!!

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Nach dem ersten Album “Child Is The Father To The Man” mache ich gleich weiter mit dem zweiten Album, das etwas irreführend den Namen der Band trägt.

Bei genauerer Betrachtung (oder: genauerem Hörgenuß) macht die Namensgebung des Albums jedoch durchaus Sinn. Denn nach dem Abgang von Al Kooper und dem Zugang David Clayton-Thomas änderte sich der Einfluß etwas weg vom Blues und noch etwas weiter hin zu Jazz, was schon eine relativ deutliche Veränderung ist, wenn man die Platten mal miteinander vergleicht. Funktioniert hat es auf jeden Fall: mit Clayton-Thomas hatte die Band nicht nur einen charismatischen Frontmann an Bord, sondern auch noch einen, der die Mehrzahl der folgenden Hits für die Gruppe schreiben sollte. Es ging auf jeden Fall so richtig die Post ab: das Album landete an der Spitze der amerikanischen Charts und drei Singles erreichten den zweiten Platz in den amerikanischen Single-Charts. Das Album gewann dann auch noch einen Grammy als Album des Jahres – perfekte Ausbeute! Das klingt jetzt alles so furchtbar kommerziell – das eigentlich Großartige ist jedoch, das damals noch ein Album mit einer derart hohen musikalischen Qualität, wie zumindest ich es selten gehört habe, so erfolgreich sein konnte. Ich muß doch sehr anzweifeln, dass dies auch heute noch so möglich wäre. Leider!

Doch nun zur Musik: Opener ist “Variations On A Theme By Erik Satie (1st and 2nd Movements)”, wenn man so will ein Cover von Erik Satie’s Komposition “Trois Gymnopédies”. Der erste ruhigere Teil gefällt mir dabei wesentlich besser als der zweite hektische Teil. Dann kommt “Smiling Phases”, das sich zwar in das hohe Gesamtniveau einfügt, aber dennoch nicht zu meinen Lieblingstiteln zählt. Der dritte Titel “Sometimes In Winter” ist dann das erste absolute Highlight – die einzige Nummer auf dem Album, bei dem nicht David-Clayton Thomas singt, sondern Steve Katz, der den Titel auch geschrieben hat. Auch wenn Clayton-Thomas’ raue Stimme sich perfekt mit den Bläsersätzen ergänzt, die das ganze Album auf angenehme Weise dominieren, hätte Katz meiner Ansicht nach doch ruhig zwei oder drei Titel singen können, denn seine Stimme passt auch sehr gut zum musikalischen Gesamtkonzept der Gruppe, auch oder gerade weil sie wesentlich weicher und nicht so kratzig ist wie die von Clayton-Thomas.

Nach “More And More” folgen dann die Titel “And When I Die” und “God Bless The Child”, die für mich dann den absoluten Reiz des Albums ausmachen. “And When I Die” (US #2) wurde von Laura Nyro geschrieben, die nach dem Abgang von Al Kooper auch als Sängerin in Betracht gezogen wurde – und ich muß sagen, “And When I Die” ist wirklich einer der besten Lyrics, die ich kenne. Zum Beispiel: “I swear there ain’t no heaven / And I pray there ain’t no hell / I never know by livin’ / Only my dyin’ will tell” – das ist doch einfach großartig, oder? Also mir geht da förmlich das Herz auf. Oder: “All I ask of livin’ is to have no chains on me / All I ask of dyin’ is to go naturally” – fantastisch. Da wird wohl jeder zustimmen. Oder der Refrain: “And when I die / And when I’m gone / There’ll be one child born in this world to carry on” – perfekte Lyrics, einfach klasse. Ich krieg mich gar nicht wieder ein!! Es schliesst sich das nicht minder Großartige “God Bless The Child” an, deliziöse Bläsersätze. Fantastisch! Und “You can help yourself / But don’t take too much” erinnert mich irgendwie immer ein bißchen an Klaus Zumwinkel. Das kennt Zumwinkel warscheinlich auch: “And when you got money / You got a lot of friends / crowdin’ round your door”. Dann kommt der warscheinlich bekannteste Titel von B,S&T: “Spinning Wheel” (US #2), was für ein Groove, was für ein kryptischer und doch schmissiger Text, was für ein Gesang von Clayton-Thomas!

Dann folgt mit “You’ve Made Me So Very Happy” (US #2) der dritte Single-Hit! Clayton-Thomas singt samtweich, die Nummer ist Pflicht auf jedem Edel-Love-Mixtape! Dann kommt die fast zwölf Minuten lange Nummer “Blues – Part II”, der sinnigerweise kein “Blues – Part I” vorausgegangen ist. Wäre als Single ungeeignet, weil zu lang, zu progressiv. Aber die Nummer hat für sich genommen durchaus seinen Reiz und arbeitet vor allem im textlichen mit Relationen zu anderen Titeln auf dem Album. Und dann sind mir da zwei Stellen aufgefallen, die mich an zwei Cream-Songs erinnern: die Basslinie bei etwa 8 Minuten ist im Grunde das markante Gitarrenriff aus “Sunshine Of Your Love”, das sich anschließende Riff bei 8:39 ist das Gleiche wie in “Spoonful”. Irgendwie komisch. Als Autor des Titels steht im Booklet jedenfalls die gesamte Band. Als Rausschmeißer folgt dann nochmal “Variations On A Theme By Erik Satie”, diesmal nur mit dem “1st Movement”, was mir ja wie oben angeführt besser gefällt – man hat irgendwie sofort eine duftende Blumenwiese im Frühling vor Augen. Herrlich!

Als abschließendes Fazit würde ich sagen, dass man zwar Zeit aufbringen muß, um dieses Album lieben zu lernen. Nach einmaligem Hören wird mancher das alles als zu sperrig und zu wenig zugänglich empfinden. Aber im Optimalfall (wie bei mir geschehen), kann dieses Album dem Classic-Rock-Fan neue Perspektiven in Richtung Jazz und Klassik aufzeigen. Ich muß mir zum Beispiel mal was von Erik Satie besorgen, den ich vorher gar nicht kannte. Ganz abgesehen davon ist das ohne Übertreibung wirklich eines der besten Alben, die ich jemals in die Hände gekriegt habe.

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Ich bin noch immer der Meinung, das Steely Dan das Beste ist, was man überhaupt an Musik hören kann – aber Blood, Sweat & Tears sind stellenweise ziemlich nahe dran, diese Überzeugung zu widerlegen.

Noch ohne David Clayton-Thomas liefern Blood, Sweat & Tears meiner Ansicht nach mit dieser Scheibe ein erstaunliches bis deliziöses Debüt ab, das noch weniger vom Jazz, als vom Blues geprägt ist – wenngleich natürlich Trompete, Saxophon & Co. hier bereits häufig zum Einsatz kommen. Großer Pluspunkt im Vergleich zur schon mit dem zweiten Album beginnenden Clayton-Thomas-Ära ist auf jeden Fall, das dieses erste Album viel abwechslungsreicher und vielschichtiger ist.

Opener ist “Overture” – auch wenn das Lachen im Hintergrund etwas rätselhaft ist, so finde ich es schonmal sehr gut, wenn ein Album mit einem Titel namens “Overture” beginnt (und mit “Underture” endet). Da weiß man gleich: jetzt kommt keine Platte für den Dudelfunk, jetzt kommt möglicherweise etwas großartiges! Zweiter Titel ist Al Kooper’s Komposition “I Love You More Than You’ll Ever Know”, eine großartige Ballade – die Nummer ist zwar aufgrund des Textes und der Melodie durchaus eingängig und bleibt sofort im Gedächnis, aber trotzdem sophisticated genug, um nicht als belanglos durchzugehen, was sicher auch für das ganze Album gilt. Danach folgt “Morning Glory”, auf dem Steve Katz die Lead-Vocals singt und noch wesentlich optimistischer klingt als auf “Sometimes Im Winter”, welches auf der Folgeplatte als einziges Lied folgen sollte, auf dem nicht Clayton-Thomas die Lead Vocals singt – eine perfekte Nummer zum Aufstehen, um den Titel des Liedes Programm werden zu lassen. Dann folgt Kooper’s “My Days Are Numbered”, ein philosophischer Big Band-Lovesong. Klasse. Darauf folgt dann mit “Without Her” von Harry Nilsson komponiertes Easy Listening auf musikalisch allerhöchstem Niveau, bevor “Just One Smile” (geschrieben von Randy Newman) wieder hymnischer ausfällt: “Just One Smile to / Make my world worth livin’ / A little world to build my world upon” – kann man es besser ausdrücken als in so manchem Stück, das auf dieser Scheibe verarbeitet wird? Schwer.

Doch es kommt noch besser: “I Can’t Quit Her”, eine famose Herzschmerznummer von Al Kooper setzt dem bisher gehörten die Krone auf. Man weiß natürlich sofort worum es geht, der Titel sagt alles. Das Intro, Kooper beginnt zu singen, man hört ihm den Schmerz förmlich an: “But the hands of time / Keep tickin’ on my back / Cause it’s been so long / Since I had her back beside me”. Noch dazu die Metaphern: “I can’t quit her / Cause in my darkest night / She comes on like a light”, (alp)traumhaft! Als ob das noch nicht reichen würde, intoniert das kurze (rückwärts gespielte?) Gitarrensolo perfekt die Verzweiflung, die Kooper empfunden haben muß, wenn sich dieses Lied auf eine wahre Begebenheit bezogen haben sollte. Das ist nicht zu toppen und so hört sich das von Steve Katz komponierte und gesungene “Meagan’s Gypsy Eyes” trotz Katz’ mehr als brauchbarem Organ fast wie ein Kinderlied an. Dann nimmt die Platte mit “Somethin’ Goin’ On” wieder Fahrt auf, das Intro hört sich an, als ob jemand an der Kirchenorgel abgedreht ist: “Somethin’ goin’ on / And I don’t know what it is” – genau. Könnte die Überschrift meiner Rezension dieser fast durchgängig magischen Platte sein! Dann kommt “House In The Country”, welches ohne Bläser fast als Beat-Nummer der frühen 60er durchgehen und auch von Mandred Mann oder Herman’s Hermits stammen könnte. Klassisch-episch wird es dann mit “The Modern Adventures Of Plato, Diogenes And Freud” (was für ein Songtitel!), bevor die Platte mit “So Much Love / Underture” ausklingt.

Ich weiß nicht, welche Titel ich hervorheben soll! Warscheinlich fällt meine Wahl letztendlich dann doch zunächst mal auf die beiden Singles “I Love You More Than You’ll Ever Know” und “I Can’t Quit Her”, die in den Charts keinerlei Eindruck gemacht haben, was mir ein Rätsel ist. Obwohl die Platte mit positiven Kritiken überhäuft wurde, ist sie in den US-Charts nur bis auf Platz 47 gekommen. Sehr schade. Aber das sollte sich ja mit dem nächsten Album völlig ändern!

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