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Mit ‘Isaac Hayes’ getaggte Artikel

Endlich wieder Plattenteller, diesmal mit einer Kapelle, die jeder schon ewig aus dem Radio kennt, ich auch. Aber wirklich “entdeckt” habe ich sie erst kürzlich: Hall & Oates. Sachen gibt’s!

Mein Blog ist kein Mainstream-Blog – so ist es unter anderem auch zu erklären, wie ich auf die unfassbare anmaßende Idee kommen konnte, Lady Gaga zu verreißen! Ungeheuerlich! Aber mancher wird sich nun fragen: was soll ich denn stattdessen hören? Wie wäre es denn zum Beispiel mit Hall & Oates?

Wobei: die waren ja insbesondere in den früheren Achtzigern mal mächtig Maintream, da verging keine MTV-Sendestunde ohne Hits wie “Maneater”, “Kiss On My List” oder “Out Of Touch”. Sechs Nummer 1-Hits hatten die in den USA. Aber ich dachte hier vorrangig gar nicht an die Hitzeit, die es ja gab. Obwohl mir schon immer aufgefallen ist, das die Hits von Hall & Oates bei allem Mainstream und den Texten mit stets gleichem Inhalt musikalisch eine Substanz hatten, die sie von anderen Pop-Acts ihrer Zeit positiv abhebte – ich denke da zum Beispiel an das Intro von “Out Of Touch”, in dem ein mehr als sauberer Bass zu hören ist. Überhaupt gilt ja für mich der Grundsatz, das Songs, die mit einer klaren Basslinie beginnen, gute Songs sind. Weiterhin gilt, dass gute Acts auch daran zu erkennen sind, dass Mitglieder von Toto auf ihren Platten spielen. Wenn auch nicht auf dem hier besprochenen Album – auf Alben von Hall & Oates haben unter anderem Jeff und Steve Porcaro gespielt. Das ist schon immer ein mehr als gutes Zeichen!

Ich habe mir also mal die Biographie bei Wikipedia durchgelesen – da wurde ich neugierig und fing an, die älteren Alben probezuhören. Und ich wurde nicht enttäuscht. Für mich unverständlich ist das Album “War Babies” in den US-Charts auf Platz 86 hängen geblieben. Singles machten in den Charts keinen Eindruck.

Einordnen kann man die Platte im Grunde als eine Art Classic Rock mit Soul und Blueselementen – das mit den Soul- und Blueselementen ist ja mitunter bei Classic Rock ein Wagnis, funktioniert aber – allem voran, weil Daryl Hall die passende Stimme dafür hat. Was auch bemerkenswert ist auf diesem Album, das sind die Texte – die üblichen Love-Texte von Hall & Oates, die ja im Grunde jeden Single-Hit prägen, haben auf dieser Scheibe nur wenig Platz. Opener ist “Can’t Stop The Music (You Played Much Too Long)”, gute Popmusik. Dann kommt “Is It A Star” und groovt schonmal ziemlich. Dann das erste Highlight: “Beanie G. And The Rose Tattoo”. Ein Monstergroove – gelegentlich heult die Gitarre aus dem Hintergrund auf, was man zum Beispiel aus den Radiohits so nicht gewohnt ist. Chillig beginnt dann “You’re Much Too Soon” – Yacht Rock at it’s best! Klare Drums, klarer Bass – und dann wieder die Gitarre, die hier und da aus dem Hintergrund aufheult – das ist schon alles ziemlich gut.

Dann das zweite Hightlight!!! “70s Scenario” beginnt mit einem unschlagbaren Keyboard im Duett mit einer klaren Basslinie – Wahnsinn! Das hätte Isaac Hayes nicht besser hinbekommen – dazu verausgabt sich Daryl Hall am Mikrofon, einer der besten Gesangsleistungen auf dieser LP! Es folgt “War Baby Son of Zorro”, das mit Fliegeralarmsirenen (?) beginnt – wer hätte das von Hall & Oates gedacht? Die Nummer fügt sich harmonisch in das Gesamtkonzept der LP ein, die Gitarre heult auch wieder auf, zwischendurch sind nochmal “Kriegsgeräusche” (Funkgeräusche?) zu hören. “I’m Watching You (A Mutant Romance)” beginnt irgendwie lahm, legt dann aber mit Keyboard und (mal wieder) herrlich aufheulender Gitarre noch richtig los.

Darauf folgt “Better Watch Your Back” – optimale Sommer-Pop-Musik mit einem Refrain, der sofort ins Ohr geht. Natürlich mit feinem E-Gitarrensolo! Der vorletzte Titel ist dann vielleicht das Highlight des Albums: “Screaming Through December”!! Ich lehne mich sogar aus dem Fenster und sage: um diesen Titel könnten einige Progressive Rock-Bands Hall & Oates beneiden! Vielleicht ist es sogar der beste Hall & Oates-Song überhaupt! Ähnlich wie auf “70s Scenario” verausgabt sich Daryl Hall am Mikrofon – in solchen Momenten liefert er nicht selten seine besten Gesangsleistungen ab! Der Song beginnt mit nicht weniger dramatischer Keyboardlinie – nach ungefähr drei Minuten wird aber ein Groove daraus, der auch für einen eigenen Song gereicht hätte, die Gitarre heult, wie sie es muß. Das geht ungefähr anderthalb Minuten, bevor es langsam wieder zu dem alten Keyboardmotiv und Hall’s dramatischem Gesang zurück geht. Klasse! Die Platte endet dann mit “Johnny Gore And The C Eaters”, dem wohl rockigsten Song auf dem Album, der aber nach “Screaming Through December” keine Steigerung mehr darstellt.

Tja, was soll man sagen. Das Hall & Oates musikalisch Substanz haben, das war mir wie gesagt auch schon bei den Single-Hits klar – aber hier heult in jedem Song die Gitarre auf, der Bass ist klar zu hören. Die LP ist abwechslungsreich, da sich Gitarren- und Keyboard-Parts abwechseln. Daryl Hall hat eine Ausnahmestimme und kann vor allem in den dramatischen Momenten brillieren. Ein insgesamt wirklich gutes Album.

Weitere Ausgaben der Reihe “Plattenteller” gibt es hier.

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