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Mit ‘Flöte’ getaggte Artikel

Jetzt endlich – Jahre nachdem ich es mir vorgenommen habe – komme ich endlich zur ersten Rezension eines Jethro Tull-Albums im Rahmen meiner unregelmäßigen Kategorie “Plattenteller“! Aber spät ist ja bekanntlich besser als nie.

Bevor ich zu den einzelnen Titeln komme – was im Booklet steht und was natürlich zusätzlich für einen “Sympathie-Effekt” sorgt: Ian Anderson war gerade in den USA und frühstückte in einem Hotel. Da hat ihn niemand geringeres als Joe Cocker angerufen und ihm gesagt, dass “Stand Up” in Großbritannien durch die Decke gegangen und in den Albumcharts auf Platz 1 gelandet ist. “Stand Up” sollte das einzige Album von Jethro Tull bleiben, das in der Heimat den Platz an der Sonne erobert – die nachfolgenden Alben erreichten alle “schwächere” Positionen. Das deckt sich im Grunde auch mit meinen Tull-Hörvorlieben, denn für mich ist “Stand Up” das beste Album der Band – das ist an sicht kein großes Wunder, wo mir doch grundsätzlich “die erste Phase” der Band (bis einschließlich des “Aqualung”-Albums) am meisten zusagt.

Opener ist das krachige “A New Day Yesterday”, das weniger mit Flöteneinsatz als vielmehr mit krachenden Gitarren daher kommt. Ein kleiner Hardrocker, das Ding. Anderson wird philosophisch und erklärt uns den Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft: “It was a new day yesterday – but it’s an old day now.” – einleuchtend! Erster von zwei Titeln mit indischem Einschlag ist dann “Jeffrey Goes To Leicester Square”. Man fragt sich, warum Anderson im Hotelzimmer nicht von George Harrison kontaktiert wurde. Dann ein absoluter Geniestreich: “Bourée” (D #37, NL #4). Die Komposition ist im Original von Johann Sebastian Bach, oder wie Anderson sagen würde: “Friends call him Johnny.” – vorbildlich das Zusammenspiel vom Bass und natürlich der Flöte, die hier als Instrument alternativlos erscheint.

Lyrisches Highlight ist eindeutig “Back To The Family” – Anderson klärt uns auf, dass es vielliecht gar keine so gute Idee sein kann, sich wieder in die schützende Obhut der Familie zu begeben, wenn man vom selbstständigen Leben überfordert oder genervt ist (“Livin this life has it’s problems.”). Da Anderson schnell zu dem Schluß kommt, wieder auszuziehen, liegt die Frage auf der Hand, ob es hier nicht auch ein wenig autobiographisch zugeht. Mit “Look Into The Sun” folgt einer von Tull’s besten Akustiktiteln, der in Wirklichkeit sowas wie ein “Halbakustiktitel” ist, da ja auch die E-Gitarre stets präsent ist, dies aber eher im Hintergrund – ganz im Gegensatz zur akustischen Gitarre.

Es folgt “Nothing Is Easy” – im Gegensatz zu “Bourée” kommt die Flöte hier weniger strukturell und dafür heftiger zum Einsatz. Die E-Gitarre macht diesen Titel auch zu einem der härteren Titel auf dem Album. Am Flöteneinsatz muß es wohl auch liegen, dass ich, wenn ich mich für einen “schwächsten Titel” (freilich auf sehr sehr hohem Niveau!) entscheiden müsste, wohl “Nothing Is Easy” nennen würde.

Zweiter Titel mit indischem Einschlag ist dann “Fat Man” – musikalisch durchaus interessant, ist “Fat Man” lyrisch doch eher einer der schlechteren, ja wenn nicht peinlichen Texte des Meisters: “Don’t want to be a fat man, People would think that I was just good fun. [...] Too much to carry around with you, no chance of finding a woman who will love you in the morning and in the night time, too.” – selten hat Anderson so einen Blödsinn getextet. Highlight ist dann “We Used To Know”, aus dem verhaltenen melancholischen Beginn mit Dominanz akustischer Gitarre wird dann schnell eine echte Gitarrenperle: E-Gitarren heulen immer wieder aus dem Hintergrund auf, das Spiel steigert sich immer weiter. Gäbe es am Ende des Titels kein Fade Out – es könnte ewig so weiter gehen! Auch die Flöte ist hier wieder präzise und wird immer im genau richtigen Moment eingesetzt. Klasse!

Dann wird Anderson plötzlich romantisch! Der Titel “Reasons For Waiting” beginnt mit der Textzeile: “What a sight for my eyes to see you in sleep.” – wunderbar! Auch stellt der Titel unter Beweis, dass das Instrument Flöte durchaus Balladentauglichkeit besitzt. Zu geht das Album dann mit “For A Thousand Mothers” – E-Gitarre und teilweise wild eingesetzte Flöte machen den Titel zu einem passablen Rausschmeißer.

Das aus dem Album kein Titel in den Singelcharts ankam (außer “Bourée”), liegt wohl daran, dass um die Veröffentlichung herum eher auf Nicht-Album-Singles zurückgegriffen wurde: die bekannten Singles “Living In The Past” (GB #3), “Sweet Dream” (D #14, GB #7, AUT #13) und “Witches Promise” (D #28, GB #4, NL #23) landeten alle in den Charts und zählen zu den größten Single-Hits der Gruppe. Sie wurden später auf dem legendären “Living In The Past”-Sampler veröffentlicht. Was bleibt als Fazit: ein unter dem Strich geniales Album, vermutlich eines der zehn besten Alben, die ich jemals gehört habe.

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