Die folgenden Sätze müssen unbedingt noch vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg raus. Vielleicht stehe ich dann ja nachher als Prophet da – kann ja nicht schaden. Also los …
Ich habe mich jahrelang darüber aufgeregt, dass unsere Kanzlerin Angela Merkel sich nicht festlegt, nur rumeeiert und rumlaviert, ausweicht oder sich gar blitzschnell zu Beratungen zurückzieht. Heute wissen wir, dass war noch vergleichsweise durchdacht, denn:
1.) Merkel hat keine Vision, kein Idee, kein Projekt. Wo hat sie denn versucht, was “anzupacken”? Gähnende Leere! Sie hat es am Anfang als Klimakanzlerin versucht – das kann selbst Norbert Röttgen besser. Ihr zentrales Projekt in der ersten Merkel-Legislatur soll ja angeblich die Gesundheitsreform gewesen sein – guter Witz.
2.) Seit Merkel sich festlegt, hat sie ihr politischer Instinkt verlassen (der nur darin bestand, nichts zu sagen, um so nicht mit negativen Entwicklungen in Verbindung gebracht zu werden). Was sie auch anpackt, geht in die Binsen. Ein paar Beispiele.
Bedingungslose Guttenberg-Treue
Ziel der Übung war es, den “Guttenberg-Fanclub” (nahezu deckungsgleich mit der BILD-Reichweite) auf der Seite der Unions-Wähler zu halten. In der kümmerlichen Hoffnung, dass Guttenberg diese Affäre überlebt, stützte sie den Minister bedingungslos und übersah dabei, dass er am Ende nicht haltbar war. Das hat sie ebenfalls beschädigt. Das Guttenberg Ehrlichkeit und Urheberrecht nicht sonderlich wichtig sind, färbt nun (wenn auch leicht abgeschwächt) auch auf sie ab.
Atom-Schlingerkurs mit klarem Ziel
Ziel von CDU und FDP war es immer, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern – das beweist im Grunde jeder Schritt von Merkel in der Atomfrage. Das ewige Hin und Her dient nur der Verschleierung der Tatsache, dass auch nach dem Moratorium natürlich nicht das Ende der Kernenergie eingeläutet wird. In dem Punkt ist das Handeln von Merkel ausnahmsweise konsequent: da die Kernkraftwerke im letzten Jahr sicher waren, sind sie natürlich auch nach während der Japan-Katastrophe sicher. Die Denkweise hat nur einen kapitalen Fehler: kein Kernkraftwerk ist sicher!
Die Libyen-Frage
Die Entscheidung einer Enthaltung zu einem Libyen-Einsatz zeugt von fehlendem Mut, sich in einer wichtigen Frage festzulegen und offenbart ferner, das innenpolitische Beweggründe diese Entscheidung motiviert haben. Die Aussage, den Einsatz darüber hinaus zu unterstützen, macht das Chaos komplett. In Afghanistan sieht man nun, wie es wirklich gemeint war: der Einsatz von Awacs-Aufklärungsflügen zur Entlastung der Bündnispartner kommt einer indirekten Unterstützung in Libyen gleich. Die Entscheidung mag sorgfältig abgewogen sein – nur leider nicht in der Sache.
Die Einheit des Landes vorantreibend
Unglaublich: Merkel, die ihren Wahlkreis selbst in Mecklenburg-Vorpommern hat, lässt sich in Anbetracht eines offenbar immer stärker werdenden BaWü-Nervenflatterns auf das unsägliche Niveau herab, auf Wahlkampfveranstaltungen unterschiedliche Bundesländer gegeneinander auszuspielen – der Versuch, sich auf erbärmliche Weise bei den Menschen in Baden-Württemberg einzuschleimen, in dem sie die Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern schlecht macht, markiert den (vorläufigen?) Tiefpunkt ihrer Regierungsarbeit.
Merkel ist politisch am Ende!
Und nun zu meiner Prognose: Kurt Beck bleibt in Rheinland-Pfalz Ministerpräsident, Mappus in Baden-Württemberg zum Unbehagen von Merkel leider nicht. Während Westerwelle je nach Reißen der 5%-Hürde der FDP seinen Parteivorsitz abgeben müssen könnte, wird Merkel unabhängig vom Ergebnis weiter an ihrem Stuhl kleben. Das wird dem Land nichts nützen (im Gegenteil!), aber einen anderen Effekt haben: mit jedem Tag, den Merkel als “lahme Ente” weiter im Amt bleibt, wird sich in der Rückschau der Eindruck verstärken, dass die Kanzlerschaft von Angela Merkel die schlechteste seit gefühlten Ewigkeiten war.
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