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Archiv für die Kategorie ‘Plattenteller’

Ich bin noch immer der Meinung, das Steely Dan das Beste ist, was man überhaupt an Musik hören kann – aber Blood, Sweat & Tears sind stellenweise ziemlich nahe dran, diese Überzeugung zu widerlegen.

Noch ohne David Clayton-Thomas liefern Blood, Sweat & Tears meiner Ansicht nach mit dieser Scheibe ein erstaunliches bis deliziöses Debüt ab, das noch weniger vom Jazz, als vom Blues geprägt ist – wenngleich natürlich Trompete, Saxophon & Co. hier bereits häufig zum Einsatz kommen. Großer Pluspunkt im Vergleich zur schon mit dem zweiten Album beginnenden Clayton-Thomas-Ära ist auf jeden Fall, das dieses erste Album viel abwechslungsreicher und vielschichtiger ist.

Opener ist “Overture” – auch wenn das Lachen im Hintergrund etwas rätselhaft ist, so finde ich es schonmal sehr gut, wenn ein Album mit einem Titel namens “Overture” beginnt (und mit “Underture” endet). Da weiß man gleich: jetzt kommt keine Platte für den Dudelfunk, jetzt kommt möglicherweise etwas großartiges! Zweiter Titel ist Al Kooper’s Komposition “I Love You More Than You’ll Ever Know”, eine großartige Ballade – die Nummer ist zwar aufgrund des Textes und der Melodie durchaus eingängig und bleibt sofort im Gedächnis, aber trotzdem sophisticated genug, um nicht als belanglos durchzugehen, was sicher auch für das ganze Album gilt. Danach folgt “Morning Glory”, auf dem Steve Katz die Lead-Vocals singt und noch wesentlich optimistischer klingt als auf “Sometimes Im Winter”, welches auf der Folgeplatte als einziges Lied folgen sollte, auf dem nicht Clayton-Thomas die Lead Vocals singt – eine perfekte Nummer zum Aufstehen, um den Titel des Liedes Programm werden zu lassen. Dann folgt Kooper’s “My Days Are Numbered”, ein philosophischer Big Band-Lovesong. Klasse. Darauf folgt dann mit “Without Her” von Harry Nilsson komponiertes Easy Listening auf musikalisch allerhöchstem Niveau, bevor “Just One Smile” (geschrieben von Randy Newman) wieder hymnischer ausfällt: “Just One Smile to / Make my world worth livin’ / A little world to build my world upon” – kann man es besser ausdrücken als in so manchem Stück, das auf dieser Scheibe verarbeitet wird? Schwer.

Doch es kommt noch besser: “I Can’t Quit Her”, eine famose Herzschmerznummer von Al Kooper setzt dem bisher gehörten die Krone auf. Man weiß natürlich sofort worum es geht, der Titel sagt alles. Das Intro, Kooper beginnt zu singen, man hört ihm den Schmerz förmlich an: “But the hands of time / Keep tickin’ on my back / Cause it’s been so long / Since I had her back beside me”. Noch dazu die Metaphern: “I can’t quit her / Cause in my darkest night / She comes on like a light”, (alp)traumhaft! Als ob das noch nicht reichen würde, intoniert das kurze (rückwärts gespielte?) Gitarrensolo perfekt die Verzweiflung, die Kooper empfunden haben muß, wenn sich dieses Lied auf eine wahre Begebenheit bezogen haben sollte. Das ist nicht zu toppen und so hört sich das von Steve Katz komponierte und gesungene “Meagan’s Gypsy Eyes” trotz Katz’ mehr als brauchbarem Organ fast wie ein Kinderlied an. Dann nimmt die Platte mit “Somethin’ Goin’ On” wieder Fahrt auf, das Intro hört sich an, als ob jemand an der Kirchenorgel abgedreht ist: “Somethin’ goin’ on / And I don’t know what it is” – genau. Könnte die Überschrift meiner Rezension dieser fast durchgängig magischen Platte sein! Dann kommt “House In The Country”, welches ohne Bläser fast als Beat-Nummer der frühen 60er durchgehen und auch von Mandred Mann oder Herman’s Hermits stammen könnte. Klassisch-episch wird es dann mit “The Modern Adventures Of Plato, Diogenes And Freud” (was für ein Songtitel!), bevor die Platte mit “So Much Love / Underture” ausklingt.

Ich weiß nicht, welche Titel ich hervorheben soll! Warscheinlich fällt meine Wahl letztendlich dann doch zunächst mal auf die beiden Singles “I Love You More Than You’ll Ever Know” und “I Can’t Quit Her”, die in den Charts keinerlei Eindruck gemacht haben, was mir ein Rätsel ist. Obwohl die Platte mit positiven Kritiken überhäuft wurde, ist sie in den US-Charts nur bis auf Platz 47 gekommen. Sehr schade. Aber das sollte sich ja mit dem nächsten Album völlig ändern!

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Nach längerer Zeit geht es hier mal wieder mit einer Plattenrezension weiter. Nach “Takin’ It To The Streets” und “Stampede” ist nun zum dritten Mal ein Album der Doobie Brothers dran!

Bei der Rezension dieses Albums scheiden sich natürlich mal wieder die Geister – die Fans der Tom Johnston-Ära stehen der Michael McDonald-Phase der Gruppe bekanntermaßen sehr skeptisch gegenüber. Ich könnte mich auf Anhieb nicht entscheiden, welche Phase ich ingesamt besser finde – dem Michael McDonald stehe ich ja weitaus unkritischer gegenüber als so mancher Classic Rock Fan. Ich halte McDonald für einen guten Songwriter und noch besseren Keyboarder – nicht umsonst habe ich bei StudiVZ eine Gruppe namens “Michael McDonald – Großmeister des Mainstreamtastenspiels” gegründet, deren Mitgliederzahl sich bislang allerdings in sehr überschaubaren Grenzen hält.

Bevor ich mit der musikalischen Betrachtung fortfahre: ich finde das Cover einfach super, auf dem die Doobies in fast unübertrefflicher Lässigkeit posieren. Michael McDonald steht in der Mitte und schaut mit authentisch gespielter Gleichgültigkeit zur Seite – der Rest der Gruppe steht drumherum und macht dabei einen nicht weniger zugedröhnten Eindruck. Gut, das sieht alles sehr nach starkem Konsum aus – ich habe ungefähr zehn Leute befragt, wer von den Doobies auf dem Bild den breitesten Eindruck macht. Fast stets deutete die gefragte Person auf den links unten im Bild befindlichen Jeffrey “Skunk” Baxter, der mit seiner megamäßig getönten Brille in den Augen der Befragten offensichtlich etwas zu verbergen hat. Mit einem so deutlichen Ergebnis hatte ich nicht gerechnet, vor allem auch nicht zu Gunsten meines Lieblingsgitarristen!

Nun zur Musik – das Album driftet zugegebenermaßen gelegentlich einen Tick zu sehr ins seichte und kitschige ab, was auch gleich beim Opener “Here To Love You” (US #65) erstmals geschieht. Einen Song mit einem solchen Titel kann man einem Hard-Rocker wohl schwerlich servieren, aber das ist ja auch keine Heavy Metal-Scheibe, die ich hier rezensiere. Der Titel beginnt mit einem geradezu deliziösen Keyboardintro und steigert sich in einen Refrain, wie er mir sicher zu seicht ist – am Ende gehts aber wieder aufwärts mit “Just let me go on loving you / Don’t stop me now / While I’m feeling this way”-Chören, die sofort im Ohr hängen bleiben. Es folgt mit “What A Fool Believes” (US #1) der größte Singlehit der Gruppe, der wie auch das Album (US #1) die Pole Position in den USA eroberte. Die Nummer zählt jetzt nicht zu meinen Lieblingsnummern – ein Klassiker ist es trotzdem, Co-Autor war Kenny Loggins. Besser gefällt mir da schon der Titeltrack “Minute By Minute” (US #14), bei dem McDonald mit ganz großen Keyboard-Intro glänzt. Ein Favorit meinerseits ist dann “Dependin’ On You” (US #25) – ein herrlich charmanter Text: “Well there’s one thing that I know for sure / You gonna win life’s lovin’ cup”. Pat Simmons und Michael McDonald haben die Nummer laut Credits zusammen geschrieben – keine Ahnung, wer von beiden den Text beigesteuert hat. Ich würde hier aber eher auf Simmons tippen. Mit “Don’t Stop To Watch The Wheels” folgt dann die mit Abstand rockigste Nummer – schon das Gitarrenintro, das sich wie ein roter Faden durch den ganzen Titel zieht, ist davon ein deutlicher Beleg. Ganz klar keine McDonald-, sondern eine Pat Simmons-Nummer – Jeffrey Baxter und Michael Ebert sind als Co-Autoren angegeben.

Die zweite Hälfte des Albums beginnt dann mit “Open Your Eyes”, einer beim ersten Hören schmalzigen Nummer, die sich jedoch bei genauerem Hinhören schnell als Musterbeispiel für McDonalds Fähigkeiten am Tasteninstrument herausstellt – ganz stark! Dann kommt “Sweet Feelin’, mehr oder weniger ein Duett von Pat Simmons mit der viel zu früh verstorbenen Nicolette Larson (“Lotta Love”) – auch schön. “Steamer Lane Breakdown” ist dann die für Doobie-Alben schon fast obligatorische Instrumentalnummer, eine der Besten dazu. Es folgt “You Never Change” – eine weitere Simmons-Nummer, der man aber auch den Einfluß von McDonald auf die Gruppe (nicht zuletzt wegen seiner Background-Vocals) jederzeit anhört. Der Rausschmeißer “How Do The Fools Survive?” ist dann in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: geschrieben von Michael McDonald und Carole Bayer Sager enthalten die letzten circa zwei Minuten ein sensationelles Gitarrensolo von Jeffrey “Skunk” Baxter. In der englischen Wikipedia war mal von einem career defining guitar solo die Rede. Genau das ist es. Weiterer bemerkenswerter Aspekt ist für mich die Tatsache, das die Doobies für ihre Verhältnisse mal fast philosophisch werden: “Why do they come and ask for more? / They’ve got stars they don’t have wishes for / They’re just giving up their blame to me / How do the fools survive?”. Man sollte den Text mal mit dem von “Rockin’ Down The Highway” vergleichen – das ist lyrisch schon ein anderes Level.

Links zum Thema:
=> Plattenteller: Doobie Brothers – Stampede (1975)
=> Plattenteller: Doobie Brothers – Takin’ It To The Streets (1976)

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Die Reihe “Plattenteller” geht weiter mit einer Gruppe, die für mich immer wichtiger wird – “Disreali Gears” ist bereits das zweite Album von Cream, das ich hier rezensiere.

Warum wird Cream für mich als Band nun immer wichtiger? Auf jeden Fall ist ein Grund Eric Clapton – wer das Talent von Clapton überhört, hat nun wirklich keine Ahnung von Gitarrenmusik. Darüberhinaus markiert die Musik von Cream für mich eine Grenze – nämlich für meinen Geschmack die Obergrenze für die Härte der Rockmusik. Das klingt jetzt merkwürdig, ich weiß. Aber so manches Gitarrenriff ist bei aller Genialität auch hart an der Grenze, die für mich noch hörbar ist. Alles was darüber hinaus geht, ist mir also sozusagen “zu Heavy”. Ein weiterer offensichtlicher Fakt, der die Musik von Cream stark prägt, ist der ausschwefende Konsum verschiendenster Drogen – ich bin gegen Drogen, aber der Musik hat das zumindest offensichtlich nicht geschadet. Zu allem Übefluß trägt die Band das auch noch textlich offen zur Schau – mehrere Zitate enthalten Anspielungen darauf oder zumindest inhaltliche Abhandlungen, auf die man im nüchternenen Zustand nach meiner Einschätzung nur schwer kommen kann.

Opener ist der Singlehit “Strange Brew” (GB #17), der schonmal textlich durch eine Drogenanspielung auffällt (“Strange brew / kill what’s inside of you”), aber wie musikalisch fast alles von Cream über jeden Zweifel erhaben ist. Danach folgt einer der größten Hits der Gruppe – “Sunshine Of Your Love” (GB #25, US #5). Das Gitarrenriff ist eines der markantesten, das ich kenne. Ich habe das Album ja in der Grabbelbox eines großen Elektrofachmarktes für unfassbar günstige 5€ erstanden – allein das Riff ist das mehrfache des Preises wert. Was für ein Preis-Leistungs-Verhältnis!

Im nachfolgenden “World Of Pain”, das in seiner melancholischen Art durchaus zu gefallen weiß, sind vermutlich auch Drogen im Spiel gewesen – wie sonst kommt man auf die Idee, über einen Baum zu referieren, der draußen vor dem Fenster steht und nur einem selbst gehört? Der Titel des Songs sagt alles. Beim nachfolgenden “Dance The Night Away” steht die Gruppe gleich weiter voll im Stoff. “Gonna build myself a castle / High up in the clouds” – unwarscheinlich, dass das Tanzen im wortwörtlichen Sinne gemeint war. Egal, das Gitarrenintro ist klasse!

Dann folgt “Blue Condition” – ich will nicht zu jedem Titel die Drogenanspielung zitieren, aber ich könnte es. Musikalisch fällt der Titel etwas aus dem Rahmen, die Nummer könnte man fast auf dem Rummel als Hintergrundbeschallung nehmen. Dann kommt “The Tales Of Brave Ulysses”, der Text ergibt für mich keinerlei Sinn, aber das Gitarrenriff erinnert mich an einen anderen Titel – ich komme nicht drauf!

Neben den beiden Singlehits ist “Swlabr” dann für mich das dritte musikalische Highlight. Und textlich? Kleine Kostprobe: “So many fantastic colours / I feel in a wonderland / So many fantastic colours / Makes me feel so gooooood!” Dann folgt “We’re Going Wrong”, das psychedilischer nicht sein kann, was vor allem am was jammernden Gesang von Jack Bruce liegt – aber auch das kennt man von anderen Stücken der Gruppe. Dann gibt es wieder mehr E-Gitarre, auf “Outside Woman Blues”, aber der Titel des Stücks ist schon ziemlich, sagen wir mal “unkonventionell”. Auf hohem Niveau folgt dann “Take It Back”, bevor dann die Platte mit “Mother’s Lament”, offenkundig einer Art Volkslied, endet – das die Band solch einen Titel für ihr Rockalbum wählt, ist auch irgendwie bezeichnend.

Zusammenfassend kann man sagen: musikalisch über jeden Zweifel erhaben, textlich zwischen lustig und grenzwertig. Mit Eric Clapton. Die Scheibe gehört wie der Nachfolger (Link unten!) in jede gut sortierte CD-Sammlung!

Links zum Thema:
=> Plattenteller: Cream – Wheels Of Fire (1968)

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Meine Plattenteller-Kategorie bietet derzeit sicher mehr Überraschungen als jede CSU-Pressekonferenz – und deshalb sind jetzt die Pet Shop Boys an der Reihe!

Ich höre die Pet Shop Boys heute sicher nicht mehr so häufig wie früher, da sich mein Geschmack etwas mehr in Richtung Rock gedreht hat – doch früher habe ich die Jungs immer dann aufgelegt, wenn ich keine Lust auf Supertramp, Jethro Tull oder Steely Dan hatte. Aber das wird den Pet Shop Boys nicht wirklich gerecht. Bei der durchaus vorhandenen kommerziellen Ausrichtung sind die Pet Shop Boys doch keine normale Pop-Gruppe, da ihr Werk textlich und künstlerisch einen wesentlich höheren Anspruch hat und diesen zumeist auch erfüllt. Nicht umsonst haben die Jungs auf ihrer Best-Of-Compilation “PopArt” ihre größten Hits nach Pop und Kunst sortiert!

Also sage ich hier mal was zu ihrem Debüt-Album mit dem Namen “Please”, der Name ist ja schonmal witzig. Abgesehen davon, das alle ihre Alben nur mit einem Wort betitelt sind, hat dieses Album den Namen “Please” bekommen, damit man den Plattenladen seines Vertrauens aufsuchen kann um ihn zu fragen: “Excuse me, may I have the new Pet Shop Boys-record, please?”.

Opener ist dann “Two Divided By Zero”, der Titelsatz stammt von einem Taschenrechner, der bei einer Division durch null immer diesen Text gesprochen hat. Darauf muß man erstmal kommen, das in einen Song zu basteln! Der nächste Titel “West End Girls” (D #2, GB #1, US #1) ist nichts weniger als einer der großartigsten Titel der gesamten 80er-Jahre – das kann ich wohl behaupten, ohne zu übertreiben. Textauszug: “You think you’re mad, too unstable / Kicking in chairs and knocking down tables / In a restaurant in the West End town / Call the police! There’s a madman around” – bei solchen Textzeilen macht auch das Mitsingen Spaß! Nächster Kracher ist dann gleich “Opportunties (Let’s Make Lot’s Of Money)” (D #25, GB #11, US #10) – der Text hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt: “I’ve got the brain / You’ve got the look / Let’s make lots of money”. Da denke ich immer an Germany’s Next Topmodel und ähnliche strunzdumme Showveranstaltungen, bei denen die Kiddies ausgenutzt werden, bevor man sie wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Nützt ja nichts.

Dann kommt “Love Comes Quickly” (D #17, GB #19, US #62), ein ganz guter Song und sozusagen das inhaltliche Gegenstück zu ihrem Titel “Love Is A Catastrophe” aus dem Jahre 2002. Wenn auch der Refrain inhaltlich zutreffender kaum sein könnte, handelt es sich doch um einen der schlechtesten Reime, die ich je gehört habe: “Love comes quickly / Whatever you do / You can’t stop falling / Uhhh Uhhh” – aber wer so groß ist wie die Pet Shop Boys, hat Narrenfreiheit. Dann kommt “Suburbia” (D #2, GB #8), kennt sowieso jeder aus dem Radio – der Titel zählt allerdings nicht zu meinen absoluten Highlights, wenn ich ehrlich bin, und zwar weil der Titel zu sehr in Richtung Radiokompatibilität geht!

Die zweite Hälfte der Scheibe fällt dann etwas ab. Nach dem eigentlich überflüssigen “Opportunities (Reprise)”, das nochmal eine halbe Minute das Grundthema von “Opportunties (Let’s Make Lots Of Money)” wieder aufgreift, folgt das unauffällige “Tonight Is Forever”. Dann kommt “Violence”, wo mich sogar die Drums überzeugen und das als “Violence (Hacienda Version)” nochmal später aufgenommen und auf der B-Seiten-Collection “Alternative” veröffentlicht wurde. Dann kommt “I Want A Lover”: “I don’t want another drink or fight / I want a lover, tonight” – musikalisch ist der Titel Füllmasse. Dann noch eine positive Überraschung “Later Tonight” – der Titel überzeugt mit Unplugged-Klavierspiel. Sänger Neil Tennant meint zu “Later Tonight”: “This is such a sad song. This is the most gay song we’ve ever written, practically, and no one noticed it at the time.”. Verstehe ich nicht, weil der Titel doch zumindest musikalisch aus der Reihe fällt, das hätte doch jemandem auffallen müssen. Dann endet die CD noch mit “Why Don’t We Live Together?” – musikalisch auch irgendwie Füllmasse.

Tja, man muß die CD auf jeden Fall mal gehört haben. Der Fan von Pop-Musik muß sie aufgrund der Relevanz auf jeden Fall im Schrank haben, würde ich doch sagen. Mal sehen, ob ich zumindest die nächsten Alben der 80er Jahre auch noch bespreche.

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He, die Young Knives sind die erste Indie-Kapelle, von der ich hier zwei Alben rezensiere. Ist aber auch kein Wunder – ist die Gruppedoch für mich die Band der Stunde. Das hat Gründe – doch lesen sie selbst!

Das erste Album “Voices Of Animals And Men” aus dem Jahre 2006 ist für mich ja längst ein Klassiker. So ein typisches Erstlingswerk, das kaum noch zu toppen ist. Da hat man natürlich immer ein bißchen Angst, das der gerade erst entdeckte Insidertipp die zweite Scheibe versemmelt und gleich wieder in der Versenkung verschwindet. Dann kommt auch noch Sänger Henry Dartnall daher und sagt: “Wir werden ein zweites Album mit Scheiß-Songs herausbringen, wie jede andere Band auch.” Da bekommt man es erstmal ganz extrem mit der Angst zu tun, ist aber alles halb so wild. Die Jungs toppen das Erstlingswerk zwar nicht – aber sie halten mühelos das Niveau!

Gleich ein Highlight ist der Opener “Fit 4 U”, die ersten Sekunden erinnern mich irgendwie an eine alte Nummer von Madness, die ich vor Jahren mal im Musikfernsehen gesehen habe – kann ja nicht schaden. Den Text versteht mal wieder keiner – die im Mittelteil ständig wiederholte Frage “He runner, what are you running from? setzt sich jedoch sofort im Ohr fest. Dann folgt die erste Singleauskopplung “Terra Firma” (GB #43), als ich die zum ersten Mal gehört habe, wusste ich sofort: das geht gut mit dem zweiten Album! Gute erste Singlewahl! Wer Lust hat, den Text zu interpretieren – viel Spaß: “Fake rabbit / real snake / terra firma / terra firma”. Die zweite Singleauskopplung “Up All Night” (GB # 45) ist dann tatsächlich gut zum Durchfeiern geeignet (“We’re not sleeping / we are staying up all night”) – die Nummer ist mir dann aber ein bißchen zu krampfhaft auf gute Laune getrimmt.

Dann plötzlich macht es “Whoooo!”, die nächste Nummer ist “Counters” – Freunde, die Wahl zum Song des Jahres ist vorzeitig entschieden. Bitte reichen sie keine Wettbewerbsbeiträge mehr ein! Ein Song, nach dem ich verrückt bin und den ich mir bestimmt schon 20 bis 30 Mal angehört habe (in nur wenigen Tagen). Der Refrain vermittelt ein nie dagewesenes Gefühl von Freiheit: “Sitting on the front seat / Turning on the motor / Sucking on the hosepipe / Keep it turning over” – gut, man muß ein Freund des Lutschens an Gartenschläuchen sein, aber sonst? Bevor ich den Text näher untersucht habe, dachte ich eher an ein offenes Cabrio, das eine leere Landstraße entlangfährt. So kann man sich irren, aber bei den Young Knives weiß man ja textlich ohnehin nie, was Phase ist! Ich bin aber überzeugt, das die Nummer als Single auf jeden Fall in die Top20 gegangen wäre – ein perfekter Kompromiss auf Punk-Rock und Massenkompatibilität, yeah!

Die nächste Nummer “Light Switch” ist dann auch gleich der nächste Knüller, fragt mich nicht nach dem Text. Dann kommt die dritte Single “Turn Tail” (GB #148), die mit Streichern schon etwas komplexer ist, aber in den Charts völlig versagt hat. Bei “I Can Hardly See Them” war ich erst von den absichtlich übersteuerten Gitarren irritiert, aber nach dreimaligem Hören geht der Titel dann doch mächtig ab. Der Text ist mal wieder herrlicher Schwachsinn: “All the little children / Laughing in the half-light / They’re running down in circles / And I can hardly see them anymore” – was soll das denn für eine Veranstaltung sein? “Dyed In The Wool” ist dann auch wieder gut gelungen, “Rue The Days” haut bis auf das für mich doch leicht nervige “La, la la la la la” am Anfang auch mächtig rein.

Dann kommt “Flies”, eine kurze Nummer zum Durchschnaufen für zwischendurch (ähnlich wie “Tailors” auf dem Vorgänger) – den Text sparen wir uns lieber! Es folgt das für Knives-Verhältnisse doch ziemlich melancholische “Mummy Light The Fire”, das mit Streichern und sogar Horn-Arrangements beweist, das sich die Young Knives weiterentwickelt haben, sehr schön! Die letzte Nummer “Current Of The River” haut dann auch wieder so richtig rein, das heißt: vor allem der Refrain. Die Nummer war bereits als B-Seite auf “She’s Attracted To” und wurde nochmal neu aufgenommen. Als Hidden Track hängt dann (zumindest bei der Pressung, die mir vorliegt) noch “Long Cool Drinks By The Pool” hinten dran, ist dann nochmal was für die gute Laune!

Abschließend bleibt mir dann nur noch die Formulierung der alles entscheidenden Frage: Wann kommt das nächste Album? Ich kann es kaum erwarten.

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Weiter geht es mit (relativ) neuen Platten – diesmal ist die erste Platte von Hard-Fi dran, auf die ich bei Fussball-Manager zocken aufmerksam geworden bin.

Beim Fussball-Manager zocken? Ja, der Titel “Cash Machine” war nämlich Bestandteil des Soundtracks des Spiels “Fussball Manager 2006″, welches ich längere Zeit gespielt habe. Tja, Hard-Fi – im Grunde eine Band mit großem Potential, wenn einige Songs nicht so ihre Macken hätten. Obwohl der Sänger und Songwriter Richard Archer bereits 1973 geboren wurde, werden in den Texten fast ausschließlich Themen abgehandelt, die man doch rein instiktiv eher in den Zeitraum der Pubertät einordnen würde – manchmal wird das textlich mit einem Augenzwinkern dargestellt und funktioniert, manchmal geht es aber auch daneben.

Gut funktioniert es zum Beispiel beim bereits erwähnten Opener “Cash Machine” (D #75, GB #14), in dem ständige Geldprobleme thematisiert werden, das Ganze geht dann soweit, das es nicht mal mehr für Präservative reicht: “What am I going to do? / My girlfriends test turned blue / We tried to play it safe / That night we could not wait” – ganz amüsant formuliert. Witzig sind dann die “There’s a hole in my pocket”-Chöre am Ende. Danach kommt “Middle Eastern Holiday”, welches sich ziemlich unauffällig in das Album einfügt – ohne ein Highlight zu sein. Es folgt die erste Single “Tied Up Too Tight” (GB #15), die zwar mit einem krachigen Gitarrensolo für einiges entschädigt, aber schon durch unnötige “Na na na na na”-Background-Chöre einen durchwachsenen Eindruck hinterlässt. Dann kommt ein Highlight – “Gotta Reason”! Das Gitarrenmotiv hebt den Titel hier doch deutlich aus dem Mittelmaß heraus, das Gitarrensolo (“Let’s go!”) haut richtig rein, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber – das ständige Rumgestöhne (das zum Glück halbwegs in den Hintergrund gemischt ist) macht fast alles wieder kaputt, zudem ist der Text doch sehr einfach gestrickt: “Yeah you look so good / I want to eat you up like food / Baby lets generate some heat” – na ja, tanzbar ist es auf jeden Fall, so wie fast alle Titel auf dem Album schon ungeremixt zum tanzen animieren.

Dann kommt mit “Hard To Beat” (D #80, GB #9) der größte Singlehit des Albums, der dann wie “Gotta Reason” zu den Highlights zählt, aber auch wieder aufgrund der Lyrics Punkte verschenkt – ein Zitat schenke ich hier mal. Viel lieber möchte ich noch sagen, das mich der Titel irgendwie an “Move Your Feet” von “Junior Senior” erinnert – das war vor ein paar Jahren mal ein riesiger Dance-Hit, an den sich einige sicher noch erinnern können. Es folgt “Unnecessary Trouble”, die “Whoo whoo whoo”-Chöre am Anfang machen dem Songtitel alle Ehre. Dann kommt “Move On Now”, eine Klavierballade, die für meinen Eindruck doch sehr gelungen ist. Der Titel entlarvt die Band dann aber doch eher als kommerzielle Popgruppe und nicht als Indie-Band, denn ein Pop-Album erkennt man ja stets an der Herz-Schmerz-Ballade – und das hier ist eine, aber eine gute! Mit Herzschmerz geht es weiter – “Better Do Better” (GB #14) war ein Single-Erfolg und darf ebenfalls zu den musikalischen Highlights gezählt werden. Dann kommt “Feltham Is Singing Out”, das mir wie “Middle Eastern Holiday” eher wie Füllmasse vorkommt. Durchaus witzig zeichnet dann das wieder mal partytaugliche “Living For The Weekend” (GB #15) ein treffendes Bild der Party-Jugend:“Oh, I’ve been all week I’m tired / I’ve been working all week and I’m / Just livin for the weekend” – musikalisch finde ich den Titel auch durchaus gelungen, schön sind die Geigen im Hintergrund, der Refrain fetzt. Der textlich anspruchsvollste Text ist dann ausgerechnet der Rausschmeißer – “Stars Of CCTV” handelt von der ständigen Verfolgung durch Überwachungskameras (Closed Circuit Television) – doch die Jungs nehmen es mit Humor: “We’re the stars of CCTV / Making movies out on the street”. Musikalisch ist der Titel aber wohl nur Durchschnitt, ziemlich langweilig – außerdem singt mir Archer da stellenweise ein bißchen zu hoch.

Und das Fazit? Hard-Fi verschenken durchaus vorhandenes Potential in Songwriting und Instrumentalisierung durch teilweise allzu pubertäre Texte und Boygroup-Anleihen musikalischer Natur (“Na na na na”,“Whoo whoo whoo”,Rumgestöhne). Eine ganz große Band wird Hard-Fi vermutlich nie, dafür sind sie in England und übrings auch in Peru (drei Singles aus dem Nachfolger “Once Upon A Time In The West” in den Top 10) sehr populär – und die Musik macht Spaß!

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Weil es so schön war, lege ich gleich noch ein Album neueren Datums nach. Nach den Kaiser Chiefs folgt nun die Debüt-LP einer Band, die der breiten Masse noch nicht so bekannt sein dürfte: den Young Knives!

Wie war ich noch auf die Young Knives gestoßen? Ach ja, ich hatte kurz zuvor die hervorragende Seite Indiepedia entdeckt und mich ein bißchen von Band zu Band geklickt – ihr wißt schon: welche Bands sind ähnlich? Von welcher Band ist diese Band beeinflusst? Und so weiter. Ja, und dann war ich plötzlich bei den Young Knives. Da konnte und kann man sich dann den Titel “Weekends And Bleak Days (Hot Summer)” runterladen, was ich auch gemacht habe. Das reichte natürlich nicht lange, und so habe ich mir dann eine zeitlang den Titel und die drei weiteren Singles “Here Comes The Rumour Mill”, “The Decision” und vor allem das knackige “She’s Attracted To” auf der MySpace-Seite in Endlosschleife reingezogen. Dann habe ich noch ein bißchen überlegt, ob ich die Platte kaufe – aber bei vier solchen Kracher-Singles habe ich dann doch zugegriffen. Was soll ich sagen? Volltreffer!

Gibt es eine Gruppe, die einen passenden Bandnamen trägt? Die Gitarrenriffs klingen in der Tat messerscharf und völlig unverbraucht (also “young”) – nur an dem teils schrägen Gesang und den partiell sehr unkonventionellen Texten (das ist noch konventionell formuliert, wie wir gleich feststellen werden!) muß man sich gewöhnen, das ging bei mir allerdings schnell! Los geht es mit dem Opener “Part Timer”, der auch eine passable Single abgegeben hätte! Da heisst es erst “I had to take to work on a song / I flicked it up and down with my thumbs” und später “I was bored / I was bored” – es ist ja sooo langweilig, gute Songs zu schreiben. Falls das stimmen sollte (was ich nicht glaube!) ist es jedenfalls weitaus spannender, sie sich anzuhören. Dann die erste Single: “The Decision” (GB #60) mit lustigem Video und einem Text, den niemand versteht – schön finde ich allerdings: “I am the Prince of Wales / I am the Prince of Wales / And if all else fails / I am the Prince of Wales / That Decision was mine”. Nächster Titel mit dem nächsten herrlich schwachsinnigen Text ist dann die Single “Weekends And Bleak Days (Hot Summer)” (GB #35), der sich sozusagen “Free and easy / Easily freer” hört, sehr schön. Dann kommt das musikalisch nicht weniger gelungene “In The Pink”, in dem von “Dead peoples faces” die Rede ist: “Cut out faces / From the papers / Made a collage / Dead peoples faces” – aber sonst geht’s noch? Dann kommen “Mystic Energy” (was für die Indie-Disco!) und die weitere Single “Here Comes The Rumour Mill” (GB #36). Bis zu dieser Stelle wird ohne jegliche Pause oder auch nur ansatzbar erkennbare Schwäche durchgerockt! So was habe ich noch nicht erlebt – sensationell!

Danach gönnen sich die Young Knives eine kleine Pause – nicht qualitativ, das nicht. Die nächsten beiden Titel laden eher zum Verschnaufen ein, allerdings wiederum nicht textlich! In “Tailors” ist die Rede von fleißigen Schneidern: “Button, Button, Button / Needle, Needle, Needle / Cotton, Cotton, Cotton”, so ein Schwachsinn! In “Half Timer” (passend im Mittelteil des Albums angesiedelt!) geht es allen Ernstes (?) um Sellerie: “A celery / You need a celery / A celery / If you want to fit in”. Danach kommt meine Lieblings-Single “She’s Attracted To” (GB #38), in der wohl sowas wie ein Familientreffen abgehandelt wird (“Who are these people? / They are to stupid to be you real parents”), jedenfalls endet das Ganze dann in einer Art Schrei-Sprech-Gesang, wobei die Textzeile “You were screaming at your mum and I was punching your dad” zwölf mal wiederholt und durch ein “In his face” abgerundet wird – muß man einfach mal gehört haben!

Ja, dann geht das Album auf gewohnt hohem Niveau weiter mit “Dialing Darling”, “Another Hollow Line”, “Coastguard” und “Loughborough Suicide”, bevor es dann mit dem genialen “Tremblings Of Trails” endet. Musikalisch warscheinlich der beste Titel, gerade weil er nicht so laut ist wie die meisten anderen. Wenn sie das Niveau von “Tremblings Of Trails” mal auf ein ganzes Album ausdehnen können, dann gehören sie zu recht zu den ganz Großen!

Ansonsten ist es mir ein Rätsel, warum die Singles in mittleren Chart-Regionen hängen geblieben sind, auch das Album schaffte es in Großbritannien “nur” auf Platz 21 – mein Tip: einfach mal die Texte ausdrucken (leider sind im Booklet keine) und in Ruhe anhören. Ein großer Spaß! Das zweite Album “Super Abundance” ist gerade auf dem Postweg zu mir, uneingeschränkte Kaufempfehlung!

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Die nun vorliegende neue Ausgabe meiner Rubrik “Plattenteller” ist durch zwei Überraschungen gekennzeichnet! Erstmal handelt es sich um die Rezension einer Platte, die weit nach der Jahrtausendwende aufgenommen wurde. Überraschung zwei: es ist eine Platte der Kaiser Chiefs!

Wie bin ich nun ausgerechnet auf die Kaiser Chiefs gekommen? Letztes Jahr lief bei einer Fußballübertragung aus Österreich im Abspann “Ruby” – da wusste ich sofort: die Scheibe musst du haben. Dann habe ich mir gleich das hier besprochene zweite Album “Yours Truly, Angry Mob” besorgt. Doch der Funke wollte zunächst nicht überspringen. Als Hörer solch gitarresker Bands wie den Arctic Monkeys, der Dirty Pretty Things oder den Kings Of Leon erschien mir die Musik im Ersteindruck zu glatt und kommerziell – keine Ahnung warum das so war, kommen doch auch reichlich Gitarren zum Einsatz. Am Ende haben mich die Kaiser Chiefs jedenfalls doch noch überzeugt, was nicht zuletzt an Titeln wie “Ruby” liegt, die sich gnadenlos im Ohr festsetzen. Da hört man die Platte im Hintergrund und denkt sich nichts dabei – ein paar Stunden später erwischt man sich dann selbst beim Nachpfeifen einer Melodie eines Titels, den man beim kürzlichen Hören noch gar nicht wirklich wahrgenommen hat.

Auftakt der Platte ist ja dann der, ich möchte fast sagen, Mega-Hit “Ruby” (GB #1, D #11), der mich wie gesagt auf die Gruppe gebracht. Meine Befürchtung war bei einem derartigen Riesenhit, das der Rest der Platte nur Füllmasse ist, wie man das ja häufig bei so genannten One-Hit-Wondern hat – doch zum Glück hat sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet. Auf den bisher zwei erschienenen Alben hätte man praktisch jeden Titel als Single veröffentlichen können – ganz starke Leistung! Danach folgt “The Angry Mob” (GB #22), wobei die Chiefs hier beweisen, das sie auch textlich relevant sein können: “We are the angry mob / We read the papers every day / We like who we like / We hate who we hate / But We’re also easily swajed” – ganz große Textzeilen! Die gehen ohne weiteres als kompakte Beschreibung für die gesamte westliche Gesellschaft durch. Auf Grundlage des Titels haben die sich dann sicher auch den nicht weniger geistreichen Titel des Albums einfallen lassen. Ohne wesentlichen Qualitätsabfall folgen dann “Heat Dies Down” und “Highroyds”. Dann kommt eine Ballade – ja, das können die Kaiser Chiefs auch, funktioniert bestens, wieder so ein genialer Titel, der die Band von anderen Gruppen abhebt: “Love Is Not A Competition (But I’m Winning)” (GB #112) . Danach nimmt die Platte wieder Fahrt auf, und zwar mit “Thank You Very Much”, dem sehr ohrwurmgeeigneten “I Can Do It Without You” und “My Kind Of Guy”, wo man dann im Suff oder so auch prima mitgröhlen kann. Eine weitere Single ist dann “Everything Is Average Nowadays” (GB #19, D #99), wobei mir die Singlewahl hier nicht sehr gut gefällt, der Titel wird mir bei zu häufigem Hören doch leicht über – jede der zuvor gewählten drei Titel wäre eine bessere Wahl gewesen. Genauso wie der nachfolgende Titel “Learnt My Lesson Well”, der schon irgendwie kurios ist: in Wirklichkeit besteht der Titel nämlich aus zwei Nummern. Der erste (geniale) Klavierteil ist eigentlich ein eigenständiger Titel mit Namen “Boxing Champ”, erst dann folgt “Learnt My Lesson Well” – beide Titel sind klasse, ergeben zusammen aber leider überhaupt keinen Sinn. Warum man auf fast allen Fassungen des Albums beide Titel zusammengefasst findet, ist mir ein Rätsel. Ich hätte gerne die Möglichkeit, spontan zu “Learnt My Lesson Well” abzurocken, aber dabei ist “Boxing Champ” (1:31 Minuten lang) eher störend. Umgekehrt will ich auch mal nur “Boxing Champ” hören – sehr merkwürdig.

Das war es aber noch nicht, mit “Try Your Best” kommt der nächste Kracher gleich hinterher, langsam geht die Nummer los und endet dann in spektakulärem Gitarrengeschrammel. Dann ein Riesenschreck!!! Der letzte, nicht weniger gelungene, Titel heisst “Retirement”. Was??? Abschied? Abgang? Ruhestand? Was bitte? Das soll es schon wieder gewesen sein mit den Kaiser Chiefs?

Aber ich war dann schnell wieder beruhigt – die englische Wikipedia klärt mich auf, das die Chiefs durchaus eine dritte Langspielplatte im Sinn haben. Aber war ja auch klar: wer sein Album “Yours Truly, Angry Mob” nennt, ist auch mühelos zu solchen Scherzen in der Lage. Da ist die Vorfreude jetzt aber umso größer!

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