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Archiv für die Kategorie ‘Plattenteller’

Das neue Album meiner Lieblings-Indie-Band ist da! Die Musiksaison ist eröffnet. Ob das dritte Studioalbum die Erwartungen erfüllen kann, das klären wir jetzt!

Ich weiß noch, wie ich vor ca. 3 Jahren das zweite Studioalbum “Superabundance” zum ersten Mal auflegte (und wenig später auch rezensierte) und fast panische Angst hatte, dass meine Lieblings-Indie-Band ihren zweiten Longplayer verpatzt – zu gut erschien mir das Debüt “Voices Of Animals And Men” – zu groß war die Befürchtung, das die Knives das nicht wiederholen konnten. Die Angst war unbegründet – denn das zweite Album war im Rahmen einer gesunden Weiterentwicklung das Album des Jahres 2008. Doch: die gleiche Angst beschleicht mich auch dieser Tage wieder, als ich die dritte Platte erstmalig auflege und gespannt den Klängen lausche, die mich erwarten. Was die Young Knives neben messerscharfen Gitarren vor allem ausgezeichnet hat, waren offenkundig hirnrissige Liyrics – auf diesem Album vollzieht sich die größte Veränderung im textlichen Bereich. Die Texte sind zwar kryptisch gelieben, doch sind sie nicht mehr völlig bescheuert – wer also darauf wartet, dass die Knives wieder darüber singen, Collagen aus Gesichtern von toten Menschen zu fertigen (“In The Pink”) oder am Gartenschlauch zu nuckeln (“Counters”), der kann lange warten. Irgendwie ist das schon schade – denn diese Texte gehörten bislang stets zum Markenkern der Formation.

Nun ins Detail: der Opener “Love My Name” ist auch die erste Singelauskopplung und handelt, wie man weiß, davon, dass wir uns unser ganzes Leben über verändern, doch lediglich unser Name bleibt – als Singleauskopplung und Opener des Albums ist der Track die goldrichtige Wahl – denn der Gitarrenteppich haut wenigstens rein wie damals bei “Terra Firma” (der ersten Singleauskopplung des Vorgängers!). Dann folgt “Woman” – und der Hörer ist zum ersten Mal völlig überrascht und vielleicht auch ernüchtert – denn neben Gitarren (wie immer auf den Punkt gezupft) wird dieser Song auch von Horn-Einsatz (!) und weiblichen Background-Vocals (!!) geprägt – das muß erstmal sacken! Bei mehrmaligem Hören wird jedoch klar, dass dieser Titel die Weiterentwicklung der Knives symbolisiert und genau die Abwechslung zwischen harten Gitarrenriffs bringt, die das Album braucht, damit es nachher nicht heisst, dass sich die Jungs nur noch selbst wiederholen und keine neuen Einfälle mehr haben – dank (wie eigentlich auf dem ganzen Album) Melodien, die sofort im Ohr bleiben, wird die Nummer jedes Mal größer. Genauso wie “Woman” könnte der dritte Titel “Everything Falls Into Place” die nächste Singleauskopplung werden – die Gitarre ist wieder da, der Refrain bleibt sofort hängen, animiert gar zum Mitsingen.

Nach dem Opener ist “Human Again” dann für mich das zweite absolute Highlight. Zackige Gitarren als Intro, dann ein Klangteppich mit Keyboard à la Kaiser Chiefs – und schon geht’s los! Im Text könnte es um Geschlechtsverkehr gehen (“Throw your bones up against the wall / In the morning you will feel human again / Loose yourself in the eye of the storm / In the morning you will feel human again”) – vielleicht, denn sicher ist gar nichts bei den Young Knives, auch nicht auf dem dritten Album! “Running From A Standing Start” hat ein Intro wie ein Kaiser Chiefs-Hit (von Mark Ronson abgemischt!) und klingt ab Vokaleinsatz und insbesondere im Refrain (“Running from a standing start / Trying to get to the line”) klingt wie ein Oasis-Song aus besseren Tagen, was positiv zu verstehen ist. Der melodisch am wenigsten fröhliche Song folgt dann mit “Sister Frideswide” – auch hier gibt’s allerdings wieder einen Refrain, der sofort hängen bleibt. Wo haben die Jungs nur auf einmal die ganzen Killer-Refrains her?

Obwohl “Vision In Rags” dann etwas elektronischer klingt und damit eigentlich Abwechslung reinbringen sollte, handelt es sich hier irgendwie um Füllmasse, den einzigen Ausreißer ins leichte Mittelmaß und damit zum schwächsten Song des Albums. Die Strophe ist langweilig und der Refrain ist irgendwie zu beliebig und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Zum Glück geht’s dann mit “Go To Ground” wieder steil aufwärts! Intro sind hier wieder die zackigen Gitarren, die der Nummer auf die Beine helfen. Nach der Strophe und kurzem “Oh ho ho ho ho!” folgt die nächste Refrain-Killer-Melodie. Über den Text (“If we don’t go to ground / together we may drown”) mag dann jeder philosophieren, wie es ihm beliebt. Der Refrain ist jederzeit eingerahmt von stilsicherem Gitarreneinsatz. “Silver Tongue” eröffnet mit dem “frechsten” Gitarreneinsatz des Albums – großes Kino! Auch hier hört man wieder weibliche Background-Vocals – alles halb so schlimm.  “Go To Ground” und “Silver Tongue” – beides heisse Single-Kandidaten. “Storm Clouds” ist dann sowas wie ein verlängertes Fade-Out, das etwas an “The Current Of The River” vom Vorgänger erinnert – die einzigen Textzeilen: “What have you done now? / Look what you’ve done now / Storm clouds come and rain on me”. Das kann alles heissen und das soll es möglicherweise auch. Mit “Glasshouse” geht das Album solide, aber nicht überragend und unter Verwendung des politisch nicht korrekten Wortes “fuck” zu Ende.

Was ist nun das Fazit? Die textliche Veränderung bleibt als größter Wermutstropfen, die musikalische Veränderung ist zu verkraften. Das Problem, was der Hörer der ersten Stunde hat, ist natürlich, dass das Album mit den beiden Vorgängern verglichen wird und daher manchem auch weniger gefallen könnte. Wäre “Ornaments From The Silver Arcade” das erste YK-Album und hätten die Jungs das auch noch 2006 rausgehauen, wären sie möglicherweise so groß wie die Kaiser Chiefs. Mindestens. Beste Indie-Band – Titel verteidigt!

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Jetzt endlich – Jahre nachdem ich es mir vorgenommen habe – komme ich endlich zur ersten Rezension eines Jethro Tull-Albums im Rahmen meiner unregelmäßigen Kategorie “Plattenteller“! Aber spät ist ja bekanntlich besser als nie.

Bevor ich zu den einzelnen Titeln komme – was im Booklet steht und was natürlich zusätzlich für einen “Sympathie-Effekt” sorgt: Ian Anderson war gerade in den USA und frühstückte in einem Hotel. Da hat ihn niemand geringeres als Joe Cocker angerufen und ihm gesagt, dass “Stand Up” in Großbritannien durch die Decke gegangen und in den Albumcharts auf Platz 1 gelandet ist. “Stand Up” sollte das einzige Album von Jethro Tull bleiben, das in der Heimat den Platz an der Sonne erobert – die nachfolgenden Alben erreichten alle “schwächere” Positionen. Das deckt sich im Grunde auch mit meinen Tull-Hörvorlieben, denn für mich ist “Stand Up” das beste Album der Band – das ist an sicht kein großes Wunder, wo mir doch grundsätzlich “die erste Phase” der Band (bis einschließlich des “Aqualung”-Albums) am meisten zusagt.

Opener ist das krachige “A New Day Yesterday”, das weniger mit Flöteneinsatz als vielmehr mit krachenden Gitarren daher kommt. Ein kleiner Hardrocker, das Ding. Anderson wird philosophisch und erklärt uns den Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft: “It was a new day yesterday – but it’s an old day now.” – einleuchtend! Erster von zwei Titeln mit indischem Einschlag ist dann “Jeffrey Goes To Leicester Square”. Man fragt sich, warum Anderson im Hotelzimmer nicht von George Harrison kontaktiert wurde. Dann ein absoluter Geniestreich: “Bourée” (D #37, NL #4). Die Komposition ist im Original von Johann Sebastian Bach, oder wie Anderson sagen würde: “Friends call him Johnny.” – vorbildlich das Zusammenspiel vom Bass und natürlich der Flöte, die hier als Instrument alternativlos erscheint.

Lyrisches Highlight ist eindeutig “Back To The Family” – Anderson klärt uns auf, dass es vielliecht gar keine so gute Idee sein kann, sich wieder in die schützende Obhut der Familie zu begeben, wenn man vom selbstständigen Leben überfordert oder genervt ist (“Livin this life has it’s problems.”). Da Anderson schnell zu dem Schluß kommt, wieder auszuziehen, liegt die Frage auf der Hand, ob es hier nicht auch ein wenig autobiographisch zugeht. Mit “Look Into The Sun” folgt einer von Tull’s besten Akustiktiteln, der in Wirklichkeit sowas wie ein “Halbakustiktitel” ist, da ja auch die E-Gitarre stets präsent ist, dies aber eher im Hintergrund – ganz im Gegensatz zur akustischen Gitarre.

Es folgt “Nothing Is Easy” – im Gegensatz zu “Bourée” kommt die Flöte hier weniger strukturell und dafür heftiger zum Einsatz. Die E-Gitarre macht diesen Titel auch zu einem der härteren Titel auf dem Album. Am Flöteneinsatz muß es wohl auch liegen, dass ich, wenn ich mich für einen “schwächsten Titel” (freilich auf sehr sehr hohem Niveau!) entscheiden müsste, wohl “Nothing Is Easy” nennen würde.

Zweiter Titel mit indischem Einschlag ist dann “Fat Man” – musikalisch durchaus interessant, ist “Fat Man” lyrisch doch eher einer der schlechteren, ja wenn nicht peinlichen Texte des Meisters: “Don’t want to be a fat man, People would think that I was just good fun. [...] Too much to carry around with you, no chance of finding a woman who will love you in the morning and in the night time, too.” – selten hat Anderson so einen Blödsinn getextet. Highlight ist dann “We Used To Know”, aus dem verhaltenen melancholischen Beginn mit Dominanz akustischer Gitarre wird dann schnell eine echte Gitarrenperle: E-Gitarren heulen immer wieder aus dem Hintergrund auf, das Spiel steigert sich immer weiter. Gäbe es am Ende des Titels kein Fade Out – es könnte ewig so weiter gehen! Auch die Flöte ist hier wieder präzise und wird immer im genau richtigen Moment eingesetzt. Klasse!

Dann wird Anderson plötzlich romantisch! Der Titel “Reasons For Waiting” beginnt mit der Textzeile: “What a sight for my eyes to see you in sleep.” – wunderbar! Auch stellt der Titel unter Beweis, dass das Instrument Flöte durchaus Balladentauglichkeit besitzt. Zu geht das Album dann mit “For A Thousand Mothers” – E-Gitarre und teilweise wild eingesetzte Flöte machen den Titel zu einem passablen Rausschmeißer.

Das aus dem Album kein Titel in den Singelcharts ankam (außer “Bourée”), liegt wohl daran, dass um die Veröffentlichung herum eher auf Nicht-Album-Singles zurückgegriffen wurde: die bekannten Singles “Living In The Past” (GB #3), “Sweet Dream” (D #14, GB #7, AUT #13) und “Witches Promise” (D #28, GB #4, NL #23) landeten alle in den Charts und zählen zu den größten Single-Hits der Gruppe. Sie wurden später auf dem legendären “Living In The Past”-Sampler veröffentlicht. Was bleibt als Fazit: ein unter dem Strich geniales Album, vermutlich eines der zehn besten Alben, die ich jemals gehört habe.

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Endlich wieder Plattenteller, diesmal mit einer Kapelle, die jeder schon ewig aus dem Radio kennt, ich auch. Aber wirklich “entdeckt” habe ich sie erst kürzlich: Hall & Oates. Sachen gibt’s!

Mein Blog ist kein Mainstream-Blog – so ist es unter anderem auch zu erklären, wie ich auf die unfassbare anmaßende Idee kommen konnte, Lady Gaga zu verreißen! Ungeheuerlich! Aber mancher wird sich nun fragen: was soll ich denn stattdessen hören? Wie wäre es denn zum Beispiel mit Hall & Oates?

Wobei: die waren ja insbesondere in den früheren Achtzigern mal mächtig Maintream, da verging keine MTV-Sendestunde ohne Hits wie “Maneater”, “Kiss On My List” oder “Out Of Touch”. Sechs Nummer 1-Hits hatten die in den USA. Aber ich dachte hier vorrangig gar nicht an die Hitzeit, die es ja gab. Obwohl mir schon immer aufgefallen ist, das die Hits von Hall & Oates bei allem Mainstream und den Texten mit stets gleichem Inhalt musikalisch eine Substanz hatten, die sie von anderen Pop-Acts ihrer Zeit positiv abhebte – ich denke da zum Beispiel an das Intro von “Out Of Touch”, in dem ein mehr als sauberer Bass zu hören ist. Überhaupt gilt ja für mich der Grundsatz, das Songs, die mit einer klaren Basslinie beginnen, gute Songs sind. Weiterhin gilt, dass gute Acts auch daran zu erkennen sind, dass Mitglieder von Toto auf ihren Platten spielen. Wenn auch nicht auf dem hier besprochenen Album – auf Alben von Hall & Oates haben unter anderem Jeff und Steve Porcaro gespielt. Das ist schon immer ein mehr als gutes Zeichen!

Ich habe mir also mal die Biographie bei Wikipedia durchgelesen – da wurde ich neugierig und fing an, die älteren Alben probezuhören. Und ich wurde nicht enttäuscht. Für mich unverständlich ist das Album “War Babies” in den US-Charts auf Platz 86 hängen geblieben. Singles machten in den Charts keinen Eindruck.

Einordnen kann man die Platte im Grunde als eine Art Classic Rock mit Soul und Blueselementen – das mit den Soul- und Blueselementen ist ja mitunter bei Classic Rock ein Wagnis, funktioniert aber – allem voran, weil Daryl Hall die passende Stimme dafür hat. Was auch bemerkenswert ist auf diesem Album, das sind die Texte – die üblichen Love-Texte von Hall & Oates, die ja im Grunde jeden Single-Hit prägen, haben auf dieser Scheibe nur wenig Platz. Opener ist “Can’t Stop The Music (You Played Much Too Long)”, gute Popmusik. Dann kommt “Is It A Star” und groovt schonmal ziemlich. Dann das erste Highlight: “Beanie G. And The Rose Tattoo”. Ein Monstergroove – gelegentlich heult die Gitarre aus dem Hintergrund auf, was man zum Beispiel aus den Radiohits so nicht gewohnt ist. Chillig beginnt dann “You’re Much Too Soon” – Yacht Rock at it’s best! Klare Drums, klarer Bass – und dann wieder die Gitarre, die hier und da aus dem Hintergrund aufheult – das ist schon alles ziemlich gut.

Dann das zweite Hightlight!!! “70s Scenario” beginnt mit einem unschlagbaren Keyboard im Duett mit einer klaren Basslinie – Wahnsinn! Das hätte Isaac Hayes nicht besser hinbekommen – dazu verausgabt sich Daryl Hall am Mikrofon, einer der besten Gesangsleistungen auf dieser LP! Es folgt “War Baby Son of Zorro”, das mit Fliegeralarmsirenen (?) beginnt – wer hätte das von Hall & Oates gedacht? Die Nummer fügt sich harmonisch in das Gesamtkonzept der LP ein, die Gitarre heult auch wieder auf, zwischendurch sind nochmal “Kriegsgeräusche” (Funkgeräusche?) zu hören. “I’m Watching You (A Mutant Romance)” beginnt irgendwie lahm, legt dann aber mit Keyboard und (mal wieder) herrlich aufheulender Gitarre noch richtig los.

Darauf folgt “Better Watch Your Back” – optimale Sommer-Pop-Musik mit einem Refrain, der sofort ins Ohr geht. Natürlich mit feinem E-Gitarrensolo! Der vorletzte Titel ist dann vielleicht das Highlight des Albums: “Screaming Through December”!! Ich lehne mich sogar aus dem Fenster und sage: um diesen Titel könnten einige Progressive Rock-Bands Hall & Oates beneiden! Vielleicht ist es sogar der beste Hall & Oates-Song überhaupt! Ähnlich wie auf “70s Scenario” verausgabt sich Daryl Hall am Mikrofon – in solchen Momenten liefert er nicht selten seine besten Gesangsleistungen ab! Der Song beginnt mit nicht weniger dramatischer Keyboardlinie – nach ungefähr drei Minuten wird aber ein Groove daraus, der auch für einen eigenen Song gereicht hätte, die Gitarre heult, wie sie es muß. Das geht ungefähr anderthalb Minuten, bevor es langsam wieder zu dem alten Keyboardmotiv und Hall’s dramatischem Gesang zurück geht. Klasse! Die Platte endet dann mit “Johnny Gore And The C Eaters”, dem wohl rockigsten Song auf dem Album, der aber nach “Screaming Through December” keine Steigerung mehr darstellt.

Tja, was soll man sagen. Das Hall & Oates musikalisch Substanz haben, das war mir wie gesagt auch schon bei den Single-Hits klar – aber hier heult in jedem Song die Gitarre auf, der Bass ist klar zu hören. Die LP ist abwechslungsreich, da sich Gitarren- und Keyboard-Parts abwechseln. Daryl Hall hat eine Ausnahmestimme und kann vor allem in den dramatischen Momenten brillieren. Ein insgesamt wirklich gutes Album.

Weitere Ausgaben der Reihe “Plattenteller” gibt es hier.

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Rare Earth – eine Band, die mir bis vor kurzem völlig unbekannt war und die ich bei Last.FM gefunden habe, als ich nach Bands suchte, die vermeintlich Ähnlichkeit mit Blood, Sweat & Tears besitzen.

Mhmm, das Cover! Das sieht irgendwie aus, als wenn Bon Scott das im Jenseits gepinselt hätte, also irgendwie nach Hard Rock. In Wirklichkeit sind Rare Earth aber eine Rockband, die einen Plattenvertrag bei einem Motown-Sublabel hatten (jedenfalls damals), das auch noch ihren Namen zierte. Und ich muß sagen, da wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes hellhörig – denn Classic Rock mit Motown-Einflüssen hört sich für mich nach einer selten optimalen Kombination an! In der Tat – die Jungs spielen Classic Rock und singen dazu wie eine Motown-Kapelle. Wunderbar! Für mich steht außer Frage, das die mehrere gute Alben eingespielt haben – aber ich habe repräsentativ “Ecology” gewählt, weil das Herzstück des Albums aus zwei famosen Coverversionen besteht. Doch der Reihe nach!

Den Auftakt macht “Born To Wander” – damit GEHT es sozusagen los, im Grunde noch das Lied, das die positivste Stimmung versprüht: “I Was Born To Wander, And It’s Time For Movin’ On” – auch textlich ein ziemlich perfekter Opener. Zwischendurch ein Flötensolo, eine schmissige Gitarre. Was will man mehr? Erstes kleines Highlight ist dann “Long Time Leavin’”, wo die Band den Refrain im Chor singt, was dann erstmals die stimmlichen Qualitäten der Band voll zum Tragen kommen lässt. Außerdem hört sich die Platte hier auch zum ersten Mal ein bißchen nach Motown an. Aber dann gibts auch schon ein schönes Orgelsolo im Mittelteil – und so geht es dann ständig hin und her! Klasse! Zum Ende hin folgt ein Rhythmuswechsel (“Searchin’ for my dream…”) und die Nummer klingt mit einem Saxophonsolo aus. In dem Song ist wirklich alles drin. Dann folgt die erste Coverversion, die ich oben ansprach: “(I Know) I’m Losing You)” (US #7) – gecovert werden hier die Temptations, deren Version im Vergleich geradezu einschläfernd daher kommt. Überhaupt: das Problem zahlreicher Motown-Gesangskapellen (die Temptations sind da ein Paradebeispiel!) ist, das die Instrumentalisierung stets ähnlich, weil zu minmalistisch ist. Im Grunde werden die Songs zumeist von den ohne Zweifel überragenden Stimmen der Intepreten getragen, was natürlich funktioniert, aber auf Dauer auch schnell langweilig wird.

In der Version Rare Earth ist stimmlich alles dran, was man warscheinlich bei den Temptations suchen und finden wird. Doch dazu kommen noch krachige Gitarren, Orgelspiel und auch sonst ausschweifende Soli’s diverser Instrumente, die das gute Original veredeln. Mit knapp elf Minuten fällt die Version von Rare Earth dann auch keine Sekunde zu lang aus. Ein offenbar nahezu unbekanntes Meisterwerk! Auf gleichem Niveau folgen dann “Satisfaction Guaranteed” (könnte der passende Werbespruch zur Platte sein!) und “Nice Place To Visit”. Das folgende “No. 1 Man” ist dann textlich sozusagen der Prolog zu “(I Know) I’m Losing You”: “Now I’m Tryin’ To Do The Best I Can, Just To Proove My Love Is Real. Now I’m Tryin’ To Do The Best I Can Got To Show You Just The Way I Feel.” und beginnt mit indischen Gitarrenklängen, die rockige Gitarre zieht sich wie ein roter Faden durch den Song. Wenn man so will, ist “No. 1 Man” auf der Platte der Hardrocker!

Letzter Song ist dann “Eleanor Rigby”, eine Coverversion der Beatles, der ich im Original wenig Beachtung geschenkt habe – und das trotz des nachdenklichen, mehr als tiefgründigen Textes. Unabhängig von der Tatsache, das ich die in den Himmel gelobten Beatles für überschätzt halte, handelt es sich natürlich um eine Songwriting-Glanzleistung, an der Paul McCartney wohl den größten Anteil gehabt hat. Gesanglich und instrumental allerdings fällt die Version der Beatles deutlich hinter der Version von Rare Earth zurück. Wie kann man diesen Song besser authentisch rüberbringen, als mit Kirchen-Chor-Anleihen und Motown-Gesang? Gar nicht. In der dritten Strophe (Rigby’s Beerdigung) läuft mir jedes Mal wieder ein kalter Schauer den Rücken herunter.

Insgesamt fällt das Fazit eindeutig aus: bei “Ecology” handelt es sich um eine Platte die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte und die bei höherer Popularität wohl tatsächlich als Meisterwerk gelten würde.

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Meine bereits traditionsreiche Reihe Plattenteller, die mir übrings trotz oder gerade wegen der derzeitigen Dominanz des Themas Politik auf meinem Blog sehr am Herzen liegt, wird mit dem fünften Studioalbum von Steely Dan fortgeführt. Waren die ersten vier Alben schon besser als so ziemlich alles, was ich zuvor gehört habe – die beste Phase beginnt 1976 mit “The Royal Scam”!

“The Royal Scam” ist ein gutes Album für Einsteiger. Ich würde es sogar eher empfehlen als diverse Best-Of-Compilations, die meistens einige für den Einsteiger doch weniger eingängige Nummern enthalten. Auf “The Royal Scam”, das ist mein subjektiver Eindruck, ist die Musik etwas eingängiger als zum Beispiel auf dem Vorgänger “Katy Lied” – während ich “Katy Lied” erstmal eine Zeit lang im Regal liegen hatte, sprang der Funke bei “The Royal Scam” sofort über. Ich weiß noch genau, wie ich nach Lieferung die ersten beiden Titel vor völliger Begeisterung immer wieder abwechselnd hören musste, weil sie mir so gefielen. Dabei habe ich den Jazz-Gitarrengott (das könnte Jeffrey Baxter sein!) angefleht, er möge mir doch für den Rest des Tages, ach was, den Rest meines Lebens, einen Ohrwurm von einem der beiden Titel bescheren. Das klingt jetzt vielleicht völlig abgehoben, verdeutlicht aber dann doch nur die Begeisterung, die ich diesem Album entgegenbrachte und noch immer entgegenbringe.

Auftakt des Albums ist das fantastische “Kid Charlemagne” – in den Charts landete es nur auf hinteren Positionen (US #82) – völlig unverständlich, enthält es doch das legendäre Gitarrensolo von Sessionmusiker Larry Carlton, welches der Rolling Stone seinerzeit als drittbestes Gitarrensolo aller Zeiten krönte. Lustig: ich habe irgendwo gelesen, das sich die Kritiker einig sind, das “Kid Charlemagne” auch die schlechteste Textzeile eines Steely Dan-Songs enthält: “Is there gas in the car? / Yes, there’s gas in the car.” Ist witzig, hat aber auf die Bewertung des Albums keinen Einfluß! Danach das wunderbare “The Caves Of Altamira” – der textsichere Hörer muß da einfach mitsingen: “I recall when I was small / How I spend my days alone / The busy world was not for me / So I went and found my own / I would climb the garden wall / With a candle in my hand / I’d hide inside a hall of rock and sand” – einfach traumhaft gereimt. Außer Becker und Fagen weiß kein Mensch, was das bedeuten soll. Aber wen kümmerts? Gute Laune abseits des Mainstream.

Dann “Don’t Take Me Alive” – ein weiterer Song, bei dem ich keinerlei Ahnung habe, was er bedeuten soll. Aber warscheinlich geht es wie eigentlich immer entweder um Drogen, Sex oder Impotenz. Als ich den Song das erste Mal hörte (das war nicht am Tag des Erwerbes, weil ich erstmal vor Begeisterung die ersten beiden Titel in mich aufgesaugt habe!) kam mir das Gitarrenintro für Steely Dan-Verhältnisse ungewöhnlich hart vor – da kann ich mich noch genau dran erinnern. Es folgt “Sign In Stranger”, das getragen wird von einer wunderbaren Keyboard-Linie, die auch gleich den Unterschied zu “Don’t Take Me Alive” deutlich macht. Super Frage: “You zombie / Be born again my friend / Won’t you sign in stranger?”. Daran schliesst sich “The Fez” an – auf sehr hohem Niveau einer der schwächeren Dan-Songs. Irgendwie zu sehr auf Disco gemacht und immer das Gleiche – trotzdem wurde die Nummer als Single veröffentlicht und erreichte immerhin Platz 59 in den US-Charts! Das es bei wenig Lyrics auch wesentlich besser geht, beweist auf eindrucksvolle Art und Weise das dann folgende “Green Earrings”:  zwei Mini-Strophen und ein Refrain, der mich immer an Frauen erinnern, die in Sachen Styling ein bißchen über’s Ziel hinaus geschossen sind: “Green earrings, I remember / The rings of rare design / I remember / The look in your eyes / I don’t mind”. In Wirklichkeit soll es wohl um einen Juwelendieb gehen. Passt auch gut. Aber bei Dan-Texten, die dem gewöhnlichen Hörer nur selten sinnvoll erscheinen, stellen sich eben manchmal ganz abenteuerliche Assoziationen ein! Die Nummer hat jedenfalls Schmiß für das ganze Album – mindestens. Yeah!

Aber dann: “Haitian Divorce” (GB #17). Nicht nur der größte Single-Hit in Großbritannien, sondern auch textlich ein absolutes Highlight. Allein die ersten Textzeilen: “Babs and clean Willi where in love they said / So in love, the preachers face turned red” – dafür musste es schon einen Grammy geben! Super!! Aber dann trifft Babs zum Leidwesen von Willi ja leider Charlie (with the lotion and the kinky hair) und die Dinge nehmen ihren Lauf. Dann kommt “Everything You Did” – da geht es eindeutig ums fremdgehen (“Turn up The Eagles, the neighbours are listening”) – die Eagles haben sich dann später in “Hotel California” revanchiert: “The stab it with their steely knives”. Wunderbar! Zwei Ausnahme-Kapellen spielen sich die Bälle zu. Wie ich gelesen habe, ging es darum, das Steely Dan mit den Eagles in den gemeinsamen West Coast Rock-Topf geworfen wurden und Donald Fagen da wohl immer eine Art Running Gag draus gemacht hat. Die Platte endet mit dem längsten und auch namensgebenden Titel: “The Royal Scam” – ein Keyboard wieder. Hört mir auf! Wenn ich den Text mal abwandeln darf, dann würde ich eine Botschaft an alle zum Besten geben, denen diese Platte noch unbekannt ist: Hear the glory of the royal scam!

Was für eine Scheibe! Walter Becker und Donald Fagen in der Hochzeit ihrer Karriere. Doch es ging noch besser – der Nachfolger “Aja” legte noch einen drauf. Kaum zu glauben, bei dem was dem geneigten Hörer auf “The Royal Scam” entgegen schallte. Die Reihe wird fortgesetzt!

Weitere relevante Rezensionen:
=> Plattenteller: Steely Dan – Katy Lied (1975)
=> Plattenteller: Steely Dan – Pretzel Logic (1974)
=> Plattenteller: Steely Dan – Countdown To Ecstasy (1973)
=> Plattenteller: Steely Dan – Can’t Buy A Thrill (1972)
=> Plattenteller: Donald Fagen – The Nightfly (1982)

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Bewegung in meiner Rubrik “Plattenteller” – mit dem vierten Album von Blood, Sweat & Tears, meiner im Moment absoluten Lieblingskapelle!

Okay, meine derzeit absolute Lieblingskapelle. Und Blood, Sweat & Tears ist auch endlich mal eine Formation, die man realistisch als Kapelle einschätzen könnte – wenngleich ich “Kapelle” auch schon mal bei Rockgruppen verwende, bei denen das per Definition nicht wirklich passt, denn “Kapelle” ist für mich ja so eine Art qualitätives Gegenstück von “Castingband” im weitesten Sinne. Auch das passt bei B,S&T! Was man auch erwähnen muß: mir ist keine andere Band (mal abgesehen von Steely Dan und Toto) bekannt, die sich aus derart vielen Ausnahmemusikern zusammensetzt. Ich hatte zuerst Chicago kennen gelernt, was nahe liegt, wenn man sich von der kommerziellen Seite herantastet – aber B,S&T sind klar besser. Die haben im Grunde ein Kracher-Album nach dem anderen rausgehauen (bis “No Sweat” gilt das aus meiner Sicht uneingeschränkt), ohne kommerziell zu werden. Auch das gibt es bei nur ganz wenigen Bands. Ich kann es also nur in jeder Rezension auf’s neue sagen – wir haben es hier mit einer der besten Bands überhaupt zu tun. Jahre lang galt Steely Dan für mich konkurrenzlos als das Maß der Dinge, B,S&T kann da mühelos mithalten.

Wo wir gerade bei David Clayton-Thomas sind: das hier ist sein letztes Album vor seinem vorübergehenden Ausstieg, nachdem dann Jerry Fisher (finde ich im Gegensatz zu manch anderem Hörer Clayton-Thomas ebenbürtig!) den Gesang übernahm. Auch eine Premiere: “DCT” spielt zum ersten Mal ein Instrument! Auf dem Opener “Go Down Gamblin’” (US #32) spielt er Gitarre, und das hört sich dann wundersamerweise auch an, als hätte er nie etwas anderes gemacht! Ein sehr guter Opener, der dank des Gitarrenspiels auch mühelos als (leider viel zu unbekannter) Rock-Klassiker durchgeht! Nicht umsonst kündigt Clayton-Thomas die Nummer auf dem North Sea Jazz Festival 1993 mit folgenden Worten an: “I know this ist the Noth Sea Jazz Festival, but are you ready for some Rock’n'Roll?” Wie passend! Ganz nebenbei auch ein fantastischer Song für alle, die gerne All-In gehen!

Und wenn ich mir das Album mal wieder auf LP anhöre, so muß ich doch feststellen, das die A-Seite eine der besten Albumseiten überhaupt ist, was nicht zuletzt an den zwei folgenden Nummern liegt: “Cowboys And Indians” (endet großartig mit: “Looking back, it’s no surprise to find / Lots of people kept on playing cowboys / Killing Indians”) und “John The Baptist (Holy John)”, einer Komposition von Al Kooper, bei der es sich ebenfalls lohnt, die Schlußsekunden akustisch zu inhalieren! Es wird nie langweilig auf diesem Album. Dann kommt “Redemption”, ebenfalls herrlich. Man schenke dem Drum-Intro (Bobby Colomby!!!) und dem Piano-Break nach der ersten Strophe besondere Beachtung. So hört sich Perfektion an! Dann folgt “Lisa, Listen To Me” (US #73), eine perfekte Jazz-Pop-Ballade, eine weitere Nummer, die aufzeigt, was Bobby Colomby doch für ein Ausnahmedrummer ist. Sofort fällt mir hier auch das perfekte Zusammenspiel zwischen Drums und Bass auf. Seite A endet mit einem knapp einminütigen Piano-Stück “A Look To My Heart” von Fred Lipsius, das viel zu kurz geraten ist und im besten Sinne an Erik Satie erinnert!

Seite B beginnt mit “High On A Mountain”, von Steve Katz geschrieben und Clayton-Thomas gesungen. Und da ist wieder dieses Gefühl. Man hört die ersten Textzeilen: “High on a mountain / Where the sun still shines / And the water runs a little lazy”. Man hat sofort das Gefühl, man ist hier bei etwas ganz großem dabei. Wer könnte heute noch sowas großartiges texten? Warum Katz den Song nicht selbst singt, ist mir ein Rätsel – würde das Stück doch durchaus zu seiner Stimme passen. Aber Katz bekommt seinen obligatorischen Song doch noch: “Valentine’s Day” – und wenn man sich das so anhört und noch an “Sometimes In Winter” oder “The Battle” aus den Vorgängeralben denkt, fragt man sich: warum in Gottes Namen haben die den nicht häufiger an’s Mikrofon gelassen? Klar, Clayton-Thomas ist der Boss gewesen – aber Katz’ Stimme ergibt einen herrlichen Kontrast du DCT’s. Wie zum Beispiel bei Supertramp (Rodger Hodgson und der von mir höher eingeschätzte Rick Davies) hätte das prima funktioniert, Clayton-Thomas hätte ja trotzdem alle Single-Auskopplungen singen können! Ein anderer Makel fällt mir bei dieser Scheibe aber auch nicht ein. Ein Luxusproblem, in der Tat!

Dann kommt mit “Take Me In Your Arms (Rock Me A Little While)” eine Coverversion aus dem Motown-Bereich, die ja später die Doobie Brothers bis auf 11 der US-Charts (#29 in UK) coverten! Auch hier will ich nochmal meine Lieblingstextzeile zitieren: “I tried my best to be strong / But I’m not able / I’m like a helpless child / Left in a cradle” – Clayton-Thomas winselt das fast ins Mikro und klingt damit noch glaubwürdiger als Tom Johnston von den Doobies! Dann kommt mit “For My Lady” eine Art zweites “High On A Mountain”, gefolgt von dem amüsanten “Mama Get’s High”: “Mama get’s high when a good man in the morning / Gives her tea and takes her milk and apple pie” Viel Spaß bei der Intepretation! Ausklang findest das Album dann mit “A Look To My Heart (Duet)”, einer Art Teil zwei von “A Look To My Heart”, diesmal um melancholische Blaskapelle erweitert.

Also – die Jungs musizieren weiter auf allerhöchstem Niveau. Nach der LP, die in den Staaten nochmal auf Platz 10 landete, verließ Clayton-Thomas die Band, um eine Solokarriere zu starten, was ihm meiner Meinung nach mehr geschadet hat als der Band (obwohl diese sich aus obersten Charts-Regionen verabschieden konnte). Denn wie bereits oben erwähnt halte ich seinen zwischenzeitlichen Nachfolger Jerry Fisher für einen gleichwertigen Ersatz. Mehr noch – ich bin ein absoluter Fürsprecher von Jerry Fisher. “DCT, Almost sorry!” Doch dazu später mehr.

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Nach längerer Pause geht es auch mit meiner Kategorie Plattenteller weiter – und zwar mit dem dritten Album von Blood, Sweat & Tears, das sinnigerweise den Namen “3″ trägt.

Wie alle drei Alben aus der ersten Ära mit David Clayton-Thomas trägt das Album den Bandnamen zuzüglich Nummerierung, was ja zum Beispiel auch Chicago gemacht haben und was ich irgendwie ziemlich langweilig finde. Aber natürlich ist das auch nebensächlich, denn auf “3″ befinden sich einige meiner Lieblingstitel von Blood, Sweat & Tears – auch wenn ich keiner der Hörer der Band bin, die sich für oder gegen einen der beiden prägensten Sänger (Clayton-Thomas und/oder Jerry Fisher) entscheiden können. Auffällig ist in jedem Fall, das die Band sich auf diesem Album häufig für Fremdkompositionen entschieden hat, was aber in keinster Weise negativ ins Gewicht fällt, weil Clayton-Thomas ohnehin die meisten Singlehits geschrieben hat und weil die Band auf bestes Material zurückgreifen konnte. Im Windschatten des grammy-prämierten Vorgängers konnte sich auf “3″ ebenfalls auf Platz 1 der amerikanischen Albumcharts platzieren.

Opener ist der Singlehit “Hi-De-Ho” (US #14), der von Gerry Goffin und Carole King geschrieben wurde, die ja zusammen etliche Hits für andere Künstler geschrieben haben – sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Der Titel ist bei Last.FM nicht umsonst als “Nonsense Lyric” getaggt, aber irgendwie hört es sich doch hoffnungsvoll an, wenn Clayton-Thomas beschwingt singt: “Hi-De-Ho, Hi-De-Hi / Gonna get me a piece of the sky / Gonna get me some of that old sweet roll / Singin’ Hi-De-Hi-De-Hi-De-Hi-De-Hooooo” Dann das erste Highlight – “The Battle”, ein melancholischer Song über den Krieg und seine ganze Grausamkeit, die Stimme von Steve Katz (auch Writing-Credits mit Dick Halligan) scheint wie gemacht, um die Stimmung des Titels perfekt einzufangen und akustisch wiederzugeben (kennen wir von “Somethimes In Winter”!). Katz singt: “Standing on my balcony / I watch the battle run / Yes the war is never over / But the day is never done” Einfach großartig! Gedacht habe ich an diese Zeilen, und das ist nicht ironisch gemeint, an Antonia Rados, wie sie in Bagdad über Saddam Hussein berichten muß. Aber auch ingesamt schildern nicht nur diese Zeilen, wie der einfache Bürger unter Krieg zu leiden hat, denn der Machthaber liegt natürlich in Sicherheit und kann ganz in Ruhe schlafen: “While the king and queen lie sleeping / And their daughters smile so nice / Brothers wait through windows / And peasents die for rice” – absolut ergreifend! Dann kommt “Lucretia MacEvil” (US #29), gefolgt von “Lucretia’s Reprise (I quite love the piano in the beginning!) – und die ist ja wirklich böse: “Devil got you Lucy under lock and key / Ain’t about to set you free”. Oh ha! Lucy, you just so damn bad!! Hell yeah! Die Nummer ist irgendwie auch ein Macho-Text, denn Lucy ist keine, die kriminell ist wie zum Beispiel die “Evil Woman” vom Electric Light Orchestra – Lucy macht die Männer verrückt, eine echte “back seat delilah”. Da kann auch nur David Clayton-Thomas drauf kommen!

Dann kommt “Fire And Rain”, eine großartige Komposition von James Taylor, der erst die Stimme von Clayton-Thomas (der wie Taylor zu klingen versucht, das perfekt passt!) und das Piano von Dick Halligan den letzten Feinschliff verleiht. Ganz groß! “Lonesome Suzie” ist irgendwie Füllmasse, wenn auch auf hohem Niveau. Der Versuch, “Sympathy For The Devil” von den Stones in eine kleine Sinfonie zu verwandeln (als “Symphony For The Devil”), ist meiner Ansicht nach jedoch nur leidlich geglückt. Irgendwie ist mir die Nummer zu sperrig, und da ich die Rolling Stones eh nie zu meinen Favoriten zählte (sie gar für stark überschätzt halte), drücke ich schonmal die Skip-Taste. Dann geht es weiter mit “He’s A Runner”, einer Komposition von Laura Nyro, die nicht nur bereits mit “And When I Die” beste Songwriter-Dienste geleistet hat, sondern nach dem Abgang von Clayton-Thomas sogar kurzzeitig als neue Frontsängerin im Gespräch war. Schönes Easy Listening! Die Platte klingt dann aus mit “Somethin’ Comin’ On” (von Joe Cocker und Chris Stainton) und dem fantastischen “40,000 Headmen” von Steve Winwood, das für mich dann nochmal ein echtes Highlight darstellt.

Um ein kurzes Fazit zu geben: es war schwer, das Vorgängeralbum nochmal zu reproduzieren – doch “3″ fällt vom Niveau keinesfalls ab, sondern kann selbiges halten und beschert dem geneigten Fan einen weitere Top-LP mit einer Reihe von weiteren Klassikern der Band. Hi-De-Ho!!!

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Nach dem ersten Album “Child Is The Father To The Man” mache ich gleich weiter mit dem zweiten Album, das etwas irreführend den Namen der Band trägt.

Bei genauerer Betrachtung (oder: genauerem Hörgenuß) macht die Namensgebung des Albums jedoch durchaus Sinn. Denn nach dem Abgang von Al Kooper und dem Zugang David Clayton-Thomas änderte sich der Einfluß etwas weg vom Blues und noch etwas weiter hin zu Jazz, was schon eine relativ deutliche Veränderung ist, wenn man die Platten mal miteinander vergleicht. Funktioniert hat es auf jeden Fall: mit Clayton-Thomas hatte die Band nicht nur einen charismatischen Frontmann an Bord, sondern auch noch einen, der die Mehrzahl der folgenden Hits für die Gruppe schreiben sollte. Es ging auf jeden Fall so richtig die Post ab: das Album landete an der Spitze der amerikanischen Charts und drei Singles erreichten den zweiten Platz in den amerikanischen Single-Charts. Das Album gewann dann auch noch einen Grammy als Album des Jahres – perfekte Ausbeute! Das klingt jetzt alles so furchtbar kommerziell – das eigentlich Großartige ist jedoch, das damals noch ein Album mit einer derart hohen musikalischen Qualität, wie zumindest ich es selten gehört habe, so erfolgreich sein konnte. Ich muß doch sehr anzweifeln, dass dies auch heute noch so möglich wäre. Leider!

Doch nun zur Musik: Opener ist “Variations On A Theme By Erik Satie (1st and 2nd Movements)”, wenn man so will ein Cover von Erik Satie’s Komposition “Trois Gymnopédies”. Der erste ruhigere Teil gefällt mir dabei wesentlich besser als der zweite hektische Teil. Dann kommt “Smiling Phases”, das sich zwar in das hohe Gesamtniveau einfügt, aber dennoch nicht zu meinen Lieblingstiteln zählt. Der dritte Titel “Sometimes In Winter” ist dann das erste absolute Highlight – die einzige Nummer auf dem Album, bei dem nicht David-Clayton Thomas singt, sondern Steve Katz, der den Titel auch geschrieben hat. Auch wenn Clayton-Thomas’ raue Stimme sich perfekt mit den Bläsersätzen ergänzt, die das ganze Album auf angenehme Weise dominieren, hätte Katz meiner Ansicht nach doch ruhig zwei oder drei Titel singen können, denn seine Stimme passt auch sehr gut zum musikalischen Gesamtkonzept der Gruppe, auch oder gerade weil sie wesentlich weicher und nicht so kratzig ist wie die von Clayton-Thomas.

Nach “More And More” folgen dann die Titel “And When I Die” und “God Bless The Child”, die für mich dann den absoluten Reiz des Albums ausmachen. “And When I Die” (US #2) wurde von Laura Nyro geschrieben, die nach dem Abgang von Al Kooper auch als Sängerin in Betracht gezogen wurde – und ich muß sagen, “And When I Die” ist wirklich einer der besten Lyrics, die ich kenne. Zum Beispiel: “I swear there ain’t no heaven / And I pray there ain’t no hell / I never know by livin’ / Only my dyin’ will tell” – das ist doch einfach großartig, oder? Also mir geht da förmlich das Herz auf. Oder: “All I ask of livin’ is to have no chains on me / All I ask of dyin’ is to go naturally” – fantastisch. Da wird wohl jeder zustimmen. Oder der Refrain: “And when I die / And when I’m gone / There’ll be one child born in this world to carry on” – perfekte Lyrics, einfach klasse. Ich krieg mich gar nicht wieder ein!! Es schliesst sich das nicht minder Großartige “God Bless The Child” an, deliziöse Bläsersätze. Fantastisch! Und “You can help yourself / But don’t take too much” erinnert mich irgendwie immer ein bißchen an Klaus Zumwinkel. Das kennt Zumwinkel warscheinlich auch: “And when you got money / You got a lot of friends / crowdin’ round your door”. Dann kommt der warscheinlich bekannteste Titel von B,S&T: “Spinning Wheel” (US #2), was für ein Groove, was für ein kryptischer und doch schmissiger Text, was für ein Gesang von Clayton-Thomas!

Dann folgt mit “You’ve Made Me So Very Happy” (US #2) der dritte Single-Hit! Clayton-Thomas singt samtweich, die Nummer ist Pflicht auf jedem Edel-Love-Mixtape! Dann kommt die fast zwölf Minuten lange Nummer “Blues – Part II”, der sinnigerweise kein “Blues – Part I” vorausgegangen ist. Wäre als Single ungeeignet, weil zu lang, zu progressiv. Aber die Nummer hat für sich genommen durchaus seinen Reiz und arbeitet vor allem im textlichen mit Relationen zu anderen Titeln auf dem Album. Und dann sind mir da zwei Stellen aufgefallen, die mich an zwei Cream-Songs erinnern: die Basslinie bei etwa 8 Minuten ist im Grunde das markante Gitarrenriff aus “Sunshine Of Your Love”, das sich anschließende Riff bei 8:39 ist das Gleiche wie in “Spoonful”. Irgendwie komisch. Als Autor des Titels steht im Booklet jedenfalls die gesamte Band. Als Rausschmeißer folgt dann nochmal “Variations On A Theme By Erik Satie”, diesmal nur mit dem “1st Movement”, was mir ja wie oben angeführt besser gefällt – man hat irgendwie sofort eine duftende Blumenwiese im Frühling vor Augen. Herrlich!

Als abschließendes Fazit würde ich sagen, dass man zwar Zeit aufbringen muß, um dieses Album lieben zu lernen. Nach einmaligem Hören wird mancher das alles als zu sperrig und zu wenig zugänglich empfinden. Aber im Optimalfall (wie bei mir geschehen), kann dieses Album dem Classic-Rock-Fan neue Perspektiven in Richtung Jazz und Klassik aufzeigen. Ich muß mir zum Beispiel mal was von Erik Satie besorgen, den ich vorher gar nicht kannte. Ganz abgesehen davon ist das ohne Übertreibung wirklich eines der besten Alben, die ich jemals in die Hände gekriegt habe.

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