Starke Rückendeckung erhielt Bundespräsident Christian Wulff dieser Tage vom parlamentarischen Geschäftsführer der Union, Peter Altmaier. Dieser forderte, die Diskussion um den Präsidenten “wenigstens über die Weihnachtsfeiertage bis ins neue Jahr zu pausieren”. Während ich mich über diesen gar barmherzigen Satz noch immer amüsiere, komme ich nicht umhin, festzustellen, sehr froh zu sein, diesen Artikel noch am 2. Weihnachtsfeiertage publizieren zu können. Als Atheist erlaube ich mir, diesen Satz zu ignorieren, zumal er von dem Vertreter einer Partei kommt, die zwar das schöne Wort “christlich” (noch?) im Parteinamen trägt, aber sich inhaltlich längst meilenweit von selbigem entfernt hat.
Zunächst gehe ich tief in mich und frage mich angestrengt, was Wulff denn bislang unabhängig von der Kreditaffäre für unser Land “geleistet” hat. Mir fallen da zwei Dinge ein, an die ich mich erinnere. Zunächst einmal hat sich Christian Wulff gefährlich weit aus dem Fenster gelehnt und gesagt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Klar – in der CDU gehört Mut dazu und dennoch kommt mir das irgendwie so watteweich vor, dass ich befürchte, dass es niemand gehört hat. Die zweite Situation, an die ich mich erinnere, und die man wohl noch weniger als “Leistung” im eigentlichen Sinne bezeichnen kann, ist die Begrüßung des Papstes am Flughafen Erfurt. Geschmählert wird die fragwürdige Aktion noch dadurch, dass sich meiner Erinnerung nach zu urteilen, Kanzlerin Dr. Angela Merkel bei der Begrüßung sogar “vorgedrängelt” hat.
Und damit sind wir auch schon bei der Kreditaffäre – das ging ja schnell! Als die Sache mit dem Kredit bekannt wurde, hielt ich den Rücktritt für übertrieben. Das hat sich geändert, seit er in der Kreditaffäre praktisch der Lüge überführt ist. Sein gesamtes Verhalten in Bezug auf die Kreditaffäre macht auf mich den Eindruck, als wollte er Karl-Theodor zu Guttenberg in Sachen Dreistigkeit und Skurrilität überholen.
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel meint im Falle von Wulff’s Rücktritt stehe das Land nahe an einer Staatskrise – daher muß solle die Aufklärung der Affäre nicht den Rücktritt, sondern die Rückkehr zu einer angemessenen und glaubwürdigen Amtsführung zum Ziel haben.
Wenn wir im Falle des Rücktrittes nahe an einer Staatskrise stehen (und das sehe ich im Grunde so), dann tun wir das erst recht, wenn das Vertrauen in die Politik weiter erodiert und wir einer Wahlbeteiligung unter 50% immer näher kommen. Wir kommen einer Staatskrise auch immmer näher, wenn das Volk ihr eigenes Staatsoberhaupt nur noch für einen unehrlichen, käuflichen Grüßonkel hält. Wulff hätte schon vor der Weihnachtsansprache zurücktreten sollen – die wenigen Menschen, die sich für seine Ansprache überhaupt interessiert haben, dürften in Anbetracht seiner warmen Worte sauer bzw. wütend geworden sein oder ihn ausgelacht haben. Das hat mit würdiger Amtsführung gar nichts zu tun.
Im übrigen wäre eine Staatskrise nicht die erste in dieser Legislaturperiode. Wir hatten schonmal eine, als Deutschland zwischenzeitlich kein gültiges Wahlrecht hatte!




Zwischenzeitlich? Haben wir denn unterdessen wieder eines? Ich krieg aber auch nix mit…
Und natürlich haben wir eine Staatskrise, wenn Politiker dafür zurücktreten müssen, dass sie Politiker sind. Ist ja auch wirklich unfair, von ihnen zu verlangen, dass sie in einem Amt diejenigen Qualifikationen, welche sie in dieses Amt gebracht haben, plötzlich nicht mehr besitzen dürfen!
…und zum Thema “Grüßaugust” dürfte es vermutlich auch dem allerletzten Atheisten nicht völlig entgangen sein, dass unser Bundespräsident niemals eine andere Funktion hatte. Völlig egal, aus welcher Partei er ursprünglich stammte.
Und genau aus diesem Grunde gehört es u.a. zu seinen Obliegenheiten, bei Staatsbesuchen die Staatsoberhäupter anderer Staaten zu begrüßen.
An dieser Stelle möchte ich mir einen kleinen Hinweis für Atheisten erlauben: Der jeweilige Papst ist nicht nur das ideologische Oberhaupt einer religiösen Sekte, sondern zugleich das offizielle Staatsoberhaupt des Vatikanstaates!
Und genau in letzterer Eigenschaft wurde er von unserem (zumindest formalen) Staatsoberhaupt begrüßt. Jegliche unpassenden Seitenhiebe von SPD-Unterhosenträgern und anderen politischen Fanatikern erübrigen sich also somit.
Ebenfalls atheistische Grüße vom Mino.
Mir ist völlig klar, dass der Bundespräsident mangels Befugnisse und Macht das Begrüßen von Staats- und anderen Gästen zu seinen Hauptaufgaben zählt! Aber kann das alles sein? Ich erwarte von einem Staatsoberhaupt, dass er Respekt und Anerkennung bei der Bevölkerung geniesst, dass eine Persönlichkeit ist, das er das Land zusammenhalten kann mit einer Rede. Auf Wulff trifft überhaupt nichts zu. Da wünscht man sich ja Horst Köhler zurück – der hat sich wenigstens noch um sein Amt Gedanken gemacht. Dem Wulff ist alles egal.
Und was den Papst angeht: man kann ihn formal als Staatsoberhaupt des Vatikan betrachten. Muß man aber nicht. Betrachtet ihn irgendjemand als Staatsoberhaupt des Vatikan, wenn er nach Deutschland kommt? Die Menschen stehen aufgrund seiner religiösen Präferenzen Schlange, um ihn zu sehen. Gibt es irgendeinen vergleichbaren Hype, wenn ein Staatsoberhaupt eines anderen Landes nach Deutschland kommt??
Was soll eigentlich dieses ganze Gezeter?
Das Amt unseres Bundespräsi ist nunmal eben nicht mit mehr Machtbefugnissen ausgestattet und so bleibt ihm letzten Endes nur die Rolle des gutbezahlten Grüßaugust. Ob er nun Wulff, Köhler, Gauck oder sonstwie heißt, das ist in diesem Fall völlig unerheblich, die Befugnisse sind genau dieselben.
Ja, auch ich würde mir eine seriösere und vor allem glaubwürdigere Persönlichkeit in diesem Amt wünschen! Eine Persönlichkeit, von der ich mich als Bürger dieses Landes vertreten fühlen würde, aber den Bürger fragt ja bekanntlich eh niemand danach und wer weiß, wofür das gut ist (Stichwort: Stefan Raab und Dieter Bohlen).
Im Übrigen würde ich dieses Amt nicht nur als formales Staatsoberhaupt, sondern zugleich als eine Art “höchste moralische Instanz”, also gewissermaßen als obersten Notar unserer BRDDR betrachten und in dieser Hinsicht konnte noch kaum einer unserer dahingeflossenen “Staatsoberhäupter” wirklich glänzen.
MEINE Wunschkandidaten für dieses Amt wären ohnehin Margot Käßmann und Heiner Geißler gewesen, aber auch ich wurde bekanntlich nicht danach befragt.
Und so müssen wir eben mit solchen “Repräsentanten” wie Wulff leben. Ein vorzeitiger Rücktritt würde (außer zusätzlichen Kosten *) keinerlei praktischen Nutzwert für uns haben, denn auch sein Nachfolger würde von der jetzigen Regierungskoalition, sprich “Mutti” bestimmt werden.
*) Mit “zusätzlichen Kosten” meine ich die lebenslangen Bezüge jedes ehemaligen Bundespräsidenten bis zu seinem wohlverdienten Tode.
Konservativ sein, daß bedeutet bewährtes zu bewahren und weiter zu fördern. Damit positive, gewachsene Strukturen zum Wohle aller (Konservativen) erhalten und nutzbar bleiben. Was ist also falsch am Handeln Wulffs? Er pflegt bewährte Traditionen. Das macht doch jeder Verein, der länger besteht als 20 Jahre. Die Älteren unter uns kennen noch den König der Amigos: F.-J.-Strauß. Gegen Franz-Josef erscheint Italiens Bunga-Bunga-Greis wie ein Clown! Es gibt eine lange Liste von Traditionsfreunden, die bewährte Praktiken, wie „Zu Gast bei Freunden!“, Schmiergeld per Zinsnachlass und vieles mehr als Brauchtum bewahren möchten. Aus dem Füllhorn der konservativen Traditionen zur Vorteilsgabe wurden und werden sicher viele gespeist. Da fallen mir spontan viele Traditionsbewahrer der noch nicht zur bildenden Kunst erhobenen Schmiergeldverschleierungskunst ein. Geber und Nehmer. Geber – so ganz spontan: der Industrielle Flick, der Bäderkönig Zwick, der Makler Schreiber.
Auf der gegenüberliegenden Seite sind die Zeitungsarchive voll mit den heren Bewahrern der Tradition der Bestechung im Amt, die fast so etwas wie einen Hegering der deutschen Füllhörner aufrecht halten! Da fallen mir, ohne weiter nachzudenken Streibel und Kohl ein. Also gute deutsche Namen. Da wäre Wulff doch in guter Gesellschaft! Oder?
Irritierend ist nur, daß die Presse sich über normale Praktiken immer öfter aufregt. Bestechung und Vorteilsnahme fängt mindestens bei kommunalen Ausschreibungen für die Errichtung von Ampelanlagen an und endet irgendwo bei Bunga Bunga. Völlig normal. In ALLEN Parteien.
So wird das Volk mit Scheinproblemen beschäftigt. Offensichtlich gibt es nicht mehr genügend Scheinprobleme, so daß man auf so einen Scheiß zurückgreifen muß: der BP bekommt Kredit von der Frau eines… bla bla bla. Das ist so lächerlich, daß auch jede Beschäftigung mit dem Thema lächerlich ist. Wulff als BP ist doch schon lächerlich genug. ‘Sowenig Würde hat das Amt?’, ging mir bereits bei seiner Kandidatur durch den Kopf…
ja, genau das ist es: die würde des amtes wurde politischer wohlfährigkeit geopfert ….
was soll denn bitte jetzt noch die ganze diskutiererei ….. ????
wulff ist einfach out … schluss damit … von haus aus wär’s besser gewesen.
FINITO Herr Wulff … bitte gehen sie, und BITTE SCHNELL !
dieser mann hat vom ersten anfang an, also von seiner kandidatur her schon, das amt des bundespräsidenten beschädigt ….. gerufen als sowas wie ein atlatus von frau merkel …. gewählt in auftrag und auf betreiben von frau merkel …. brav, willfährig, glatt … endlich auch das staatsoberhaupt getrimmt auf kanzlerin-linie ….
au backe, was waren da ein Herzog oder gar ein von Weizsäcker doch für PERSÖNLICHKEITEN …. von “Papa Heuss” mal gar nicht erst zu reden ….. menschen mit rückgrad, mit ansehen, mit richtung ….. eben KEINE FUNKTIONÄRE ….
nicht die “Macht” prägt das amt, sondern die PERSÖNLICHKEIT !
ich hab keine ahnung ob denn Gauck ein guter Präsident geworden wäre …. aber er wäre wenigstens ein mann gewesen mit PERSÖNLICHKEIT … nicht einer, der glatt und reibungslos FUNKTIONIERT und sich sonnt und wohlfühlt in glitterigem glanz und pekuniärer gloria seiner millionärs-freundschaften, so dubios, heftig angegriffen und umstritten deren manche auch sein mögen …
Herr Wulff, wenn sie noch einen funken von anstand haben (und auch von selbstachtung), dann BITTE GEHEN SIE, je schneller, je glatter, je stiller, desto besser …..
das ansehen des amtes ist ruiniert …. abgrundtief und in aller breite im urteil des (restlichen) politisch doch immer noch engagierten volkes ….
was kann da jetzt denn noch kommen ???
gibt es noch irgendwo einen gerade amt-suchenden oder amts-müden, aber doch ganz gewiss braven partei-mann, der nun über den scherbenhaufen gehen kann ?
oder findet sich ein deutscher kopf, eine PERSÖNLICHKEIT, die diesem amt neues Rückgrad geben könnte ?
fatal: mir fällt niemand dazu ein ….. weit und breit keine frau, kein mann. die oder der als höchste repräsentanz deutschlands dem amt wieder PROFIL und RICHTUNG geben könnte … schon allein vom persönlichen ANSEHEN her ….
…. so weit also ist es gekommen mit dem spektrum räsonabler PERSÖNLICHKEITEN in diesem land … oder mangelt mir nur die rechte eingebung ? ….. oder hab ich einfach überhaupt die falsche brille vor meinen gedanken ????
mal sehen, womit wir überrascht werden ….
so “fcz’s ganz private meinung”
(MEINung kommt von MEIN …. und es mag gern jede(r) ihre/seine SEINung haben)
Ich bin ja dafür das wir aufhören Berufspolitiker zum BP zu wählen.
Die juristischen Rechte die er hatte hat doch keiner ernst genommen oder?
im zweifel wird doch eh vor dem BVerfG geklagt.
Man sollte sich viel mehr die Frage stellen: Von welcher Person möchten wir gerne das sie uns nach außen Repräsentiert? Quasi als ein moralsche Instanz(so abgenudelt das Wort auch ist).
Ein Berufspolitiker kann dafür nicht die richtige wahl sein(ich seher derzeit keinen. Ich kann mich nicht bewusst daran erinnern, aber Rau kam im meiner Verwantschaft so rüber und auch in dem was man über ihn liest. die berliner Reden waren und sind exzellent. auch der hat einen skandal, aber sowas hat man automatisch wenn man 40 J Politiker war).
Gauck hat ja fragwürdige Positionen z.B. zur Occupy bewegung geäußert (die fände er schlecht weil sie zu Sozialistisch wären wtf? wo ist der eigentlich hängen geblieben), aber er kann aus seiner persönlichen geschichte, der kampf gegen unterdrückung und für meinungsfreiheit dieses Bild gut wiedergeben.
Ich find auch nicht alles gut(s.o.) aber man kann sich ja alle 5 Jahre einen neuen wählen und jede Meinung kannd er PB garnicht repräsentieren.
Personen die in alle Richtungen gleich neutral sind will man ja eben nicht, weil man da bei unendlich fabrlosen gestalten endet. Das wird immer jemanden ärgern. aber noch mehr ärgert es mich das der BP 5 Jahre nur ein abziehbild der Wahlversammlung zum zeitpunkt der Wahl ist das man dann 5 Jahre rumschleppt.
@fcz.private.meinung: Ich wüsste Personen die ich für geeignet halte D zu repräsentieren. Die Frage ist ob sie es auch wollen würden. und ob man die wählen würde.
Mission Accomplished!
Ich finde es schade, dass er weg ist. Ein kleiner Gauner, dem das Format für richtige Verbrechen fehlt und der, nachdem er erwischt worden ist, jetzt herumjammert, dass er ein Opfer der Verfolgung durch die Medien sei und der nur das eingesteht, was man ihm ohnehin schon längst nachgewiesen hat.
Wer könnte diesen Staat und diese Gesellschaft besser repräsentieren als so einer?
Es wird ziemlich schwer sein, einen ähnlich geeigneten Nachfolger zu finden…