Ich gebe es zu: von den ganzen Dingen, die um uns herum geschehen und die wir je nach Geschmack als „Euro-Rettung“ (optimistisch) und „Finanzkrise“ (pessimistisch) zusammenfassen, habe ich so viel Ahnung wie Ronald Pofalla von gepflegten Umgangsformen – nämlich gar keine! Ich vermute weiterhin, dass ich damit nicht alleine stehe und es eine Mehrheit in der Bevölkerung gibt, die das ebenso wenig versteht. Dank der „vorzüglichen Kommunikation“ verschiedener politischer Verantwortungsträger steht diese Mehrheit ungleich sicherer als zum Beispiel die Kanzlermehrheit von schwarz-gelb, wie ich vermute. Ich bin in meiner Unwissenheit bereits so verzweifelt, dass ich fast anfangen könnte, eine Art verhaltene Sympathie für Wolfgang Bosbach zu empfinden – ein nicht ganz ungefährliches Zeichen.
Eines ist mir jedoch völlig klar: wenn die Euro-Zone einem Land hilft, das in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, dann ist das nicht nur eigennützig (hätte doch ein Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft nicht unerhebliche Folgen auf den gesamten Euro-Raum) sondern auch zutiefst solidarisch. Auf den Euro-Rettungsschirm, so wie er derzeit praktiziert wird, trifft das jedoch aus zwei Gründen nicht zu: 1.) Es finden keine ausreichenden strukturellen Veränderungen statt, um Griechenland die Möglichkeit zu geben, irgendwann wieder ohne Finanzhilfen existieren zu können (sehe ich derzeit überhaupt nicht). Wenn man einem Land nur „scheinbar hilft“ in dem man das Problem vor sich her schiebt und noch vergrößert, dann schadet man dem Land, anstatt ihm zu helfen. 2.) Die strukturellen Veränderungen, die stattfinden, beschränken sich weitestgehend auf Sozialabbau. – Diese beiden Punkte reduzieren meine Sympathie für den Euro-Rettungsschirm, der wie gesagt auf dem Papier eine durchaus solidarische Maßnahme ist, auf ein kaum spürbares Minimum.
Langfristig ist ja jetzt überall zu lesen, dass jeder Schritt zurück Europa in Gefahr bringt. Man liest überall, dass wir mehr Europa oder sogar eine gemeinsame Wirtschaftsregierung brauchen. Richtig ist aus meiner Sicht: wenn wir eine gemeinsame Währung haben, dann ist es auch sinnvoll, die Finanzpolitik zu koordinieren. Utopisch ist es allerdings zu glauben, dass man allen Euro-Mitgliedsstaaten eine gemeinsame Regierung oder auch ganz allgemein (dann auf EU-Ebene) eine gemeinsame Politik aufzwingen könnte – zu unterschiedlich sind die nationalen Interessen. Es ist ganz nebenbei bemerkt gefährlich zu glauben, dass Staaten, die sich ein Mindestmaß an Souveränität bewahren wollen, zwingend gegen europäische Interessen verstoßen oder gar anti-europäisch agieren. Das ist schlicht und einfach normal.
Die großen Stärken von Europa sind Freiheit und Frieden. Das sollten sich alle Agierenden stets bewusst sein. Diese Errungenschaften Europas dürfen nicht leichtfertig auf’s Spiel gesetzt werden. Wenn aber eine gemeinsame Währung dauerhaft nur möglich ist, wenn die Politik der Euro-Länder so koordiniert werden muß, dass dies von den Einzelstaaten nicht getragen werden kann, dann drängt sich doch die umgekehrte Konsequenz geradezu auf. Auch mal eine „verbotene Frage“ zu stellen, ist mir dann doch lieber, als zuzusehen, wie die Euro-Finanzblase immer größer wird, die uns irgendwann um die Ohren fliegt: warum sollte ein Europa in Frieden und Freiheit eigentlich nicht ohne gemeinsame Währung funktionieren??




Schreib mal was über die IM ERIKA! (pls google!) aus MaC-Pom
Der Euro ist nicht das Problem, Roman. Das Problem ist, dass Staaten sich über den Finanzmarkt auf Pump mit Hilfe von Anleihen finanzieren, während sie sich gleichzeitg weigern, ihre Zahlungsfähigkeit auf die einzige funktionierende Art sicher zu stellen, nämlich durch eine angemessene Besteuerung derjenigen, die einen immer weiter wachsenden Anteil des Volksvermögens besitzen. Sparprogramme im Sozialbereich verursachen lediglich Kosten an anderer Stelle und würgen die Binnennachfrage ab. Und die Exportüberschüsse, mit denen wir es gewohnt sind, unsere Gewinne zu erwirtschaften, sind gerade unmittelbar die Ursache dafür, dass Länder, welche diese Überschüsse mit ihrer Handelsbilanz ausgleichen, in die Pleite getrieben werden!
Letztlich lässt sich die gesamte Finanzkrise ohne Wahrheitsverlust auf diese Aussage reduzieren: DIe Finanzwirtschaft plündert den Staat aus, und dieser unternimmt nichts dagegen, weil unsere politischen Vertreter eng mit ihr verbandelt sind. Alles andere ist lediglich Vernebelung eines eigentlich simplen, offen zu Tage liegenden Sachverhalts.
Ich bin mir sicher, daß der Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft ungefähr so enorme Auswirkungen auf den gesamten Euroraum haben wird, die die griechische Inflation in den vergangenen Jahrzehten: Null.
Ich krieg seit einem Jahr ads kotzen wenn ich wieder über herabstufung von staaten und schuldenkriese etc. höre.
(vorher hatte ich noch hoffnung das vllt. irgendwann mal regulierung kommt)
Wir können das spiel nicht nach ihren regeln spielen und gewinnen. Aber:
Sie können es nicht nach UNSEREN Regeln gewinnen (wenn wir den welche beschließen würden). Wie kann man so unendlich dämlich/verstockt/ferngesteuert sein wie die Regierungen der Welt.
JA die Schulden müssen weniger werden(weltweit) und Regulierung ist nicht(mehr) alleinige lösung des Problems, aber solange keine Regulierung stattfindet ist alles langfristig zum scheitern verurteilt. Dafür brauche ich kein abgeschlossenes BWL studium (vermutlich ist es im Gegenteil eher hilfreich kein BWL-studium zu haben)