Jedes Jahr so um die Weihnachtszeit, wenn es an das Kaufen der Geschenke geht, frage ich mich: warum mache ich das eigentlich? Ich bin da auch ehrlich zu mir selbst und muß mir eingestehen: ich habe keine Ahnung. Ich schlage dann nach und erfahre: im Großen und Ganzen geht es um die Geburt Jesu Christi. Ich gehe tief in mich und denke darüber nach, dass ich doch ungläubiger Atheist bin und frage mich ferner, warum ich dann seine Geburt zelebriere. Habe ich überhaupt das Recht, Geschenke anzunehmen?
Die Frage ist natürlich viel globaler zu betrachten: wie viel Prozent der Beschenkten wissen überhaupt noch, warum sie sich sinnlos mit Glühwein besudeln und sich obendrein auch noch mehr oder weniger reich beschenken (lassen)? Ist dieses Weihnachtsfest nicht ein riesiges substanzielles Luftschloss?
Ich weiß: man hat sich gern und tut sich gern eine Freude. Aber warum gerade zu Weihnachten? Ich finde, die größten Geschenke sollten einzig und allein dem Geburtstag der jeweiligen Person vorbehalten sein. Und was spricht dagegen, nicht auch mal zwischendurch die eine oder andere kleine Aufmerksamkeit an den Mann oder eben an die Frau zu bringen? Das ist weniger gekünstelt und kommt irgendwie authentischer, ehrlicher rüber. Aber nein: Scharen von Menschen strömen teilweise noch am Vormittag des heiligen Abends in die Konsumtempel, um wie ferngesteuert ihr sauer verdientes Geld hochkonzentriert in den Handel zu bringen. Genauso gut könnte man sich am Tage der deutschen Einheit mit Geschenken überhäufen – für mich als Atheist ist das der ungleich wichtigere Anlass zu gedenken, für Geschenke allerdings ist er im Kern genauso sinnlos zu gebrauchen wie die Geburt Jesu Christi.
Die Wahrheit ist: das Weihnachtsfest ist inzwischen eine einzige Konjunkturspritze für die Wirtschaft. Die Menschen wissen nicht, warum sie Weihnachten feiern. Die Menschen strömen in die Einkaufsgelegenheiten und fragen sich gar nicht, warum sie das tun. Sie tun es einfach. Eine Abschaffung des Weihnachtsfestes steht aber auch in Zukunft nicht zu befürchten – eben genau weil das Fest zu einem regelrechten Wirtschaftsfaktor geworden ist. Und auch als Atheist muß ich vermuten – das war nicht im Sinne Jesu Christi.




…und die Medienmaschinerie sorgt dafür, dass das auch so bleibt. In jeder zweiten Nachrichtensendung wird kundgetan, dass “der Einzelhandel zufrieden mit dem Geschäft” sei, und man meint das kollektive Aufseufzen – Na, dann ist ja alles in Ordnung mit der Wirtschaft – regelrecht zu hören.
Das Positive an Weihnachten ist, dass man, einen halbwegs normalen Job vorausgesetzt, ein paar Tage lang mal Ruhe hat. Das genieße ich auch als Atheist. Ob das nun mit dem irrsinnigen Konsumterror, der religiösen Verbrämung und der verlogenen Moralkeule in den Wochen vorher erkauft werden muss, lasse ich mal dahingestellt.
In diesem Sinne: Schönes Weihnachtswochenende!
Ein Fest hat üblicherweise immer einen ANLASS – keinen GRUND.
Ich denke, Feste feiern ist prinizipell etwas Positives, auch wenn man über die exakte Ausgestaltung und etwaigen pseudomoralischen Ballast natürlich kritisch nachdenken darf.
Wenn aber Menschen sich auf ein Fest freuen, dann hat dieses Fest auch eine Daseinsberechtigung. Und wenn sich Menschen über Geschenke freuen, dann haben auch diese eine Daseinsberechtigung. Wenn das nicht so ist, wenn der Feiertagsstress im Vordergrund steht, dann macht man natürlich etwas falsch.
Eigentlich ist Weihnachten das Wintersonnenwendfest – man feiert, dass die Tage wieder länger werden. Das ist für mich ein absolut legitimer Anlass zu feiern. Weihnachtsmänner, Christkindchen und die Heuchelei vom Frieden auf Erden können mir hingegen gestohlen bleiben.