Na Gott sei Dank hat Franz Josef Jung endlich Konsequenzen gezogen:
“Nun also doch. Eine Nacht hat Franz Josef Jung noch darüber geschlafen, dann endlich sah er ein, dass es für ihn keine Zukunft mehr im Bundeskabinett gab. Nach nur 30 Tagen räumte er seinen Posten als Arbeitsminister. Zu hilflos waren seine Erklärungsversuche am Donnerstagabend im Bundestag gewesen, zu erdrückend die Indizien, dass sein früheres Ministerium frühe Erkenntnisse über zivile Opfer bei dem verhängnisvollen Bombardement von Kundus am 4. September verheimlicht hat.”
Ob er ruhig schlafen konnte? Ich fand es einfach nur unsagbar peinlich, das ein Bundesminister auf dem Rücken von zivilen Opfern an seinem Amt klammert. Wäre es nicht das Mindeste, den Verstorbenen eine letzte Ehre zu erweisen? Nicht, in dem man sie verleugnet – sondern in dem man transparent mit ihrem Schicksal umgeht und um größtmögliche Aufklärung bemüht ist? Wie blauäugig ist es zudem zu glauben, einen Tanklaster hochzujagen und davon auszugehen, das keine Zivilisten von der Explosion betroffen gewesen sind? Die gesamten Vorgänge sind einfach nur eine Schande. Und was macht die ewige Kanzlerin? Sie lobt ihn noch als feinen Kerl:
In ihrer kurzen Erklärung lobte CDU-Chefin Merkel den 60-Jährigen als “geradlinigen Kollegen” und “feinen Kerl”. Sie habe seine Entscheidung mit “Respekt und Hochachtung” zur Kenntnis genommen. “Ich weiß, dass das für ihn ein menschlich sehr schwerer Tag ist”, sagte Merkel weiter. “Aber er hat wieder einmal gezeigt, dass der Dienst am Land ihm vor allem steht.”
Grausam! Jung hat als Parteisoldat mit diesem Skandal nicht dem Land zu dienen versucht – er hat versucht, den weißen Blazer die weiße Weste der Kanzlerin zu bewahren. Andererseits: es ist auch durchaus möglich, das Merkel wahrhaftig denkt, das Diener der CDU auch Diener des Landes sind. Das würde auch ihr leicht merkwürdiges Verhältnis zur “Mitte” erklären.
Und jetzt wird Ursula von der Leyen also von der Familienministerin zur Arbeitsministerin. Schäuble war Innen- und ist jetzt Finanzminister. Der neue Verteidigungsminister zu Guttenberg war vorher Wirtschaftsminister. Das beweist für mich irgendwie, dass die da alle vieles können, aber keine wirkliche Kernkompetenz haben. Da bleibt eigentlich zwangsläufig ein nebulöser, profilloser Eindruck zurück – Angela Merkel’s Mitte!



