Was hat die SPD nicht alles für coole Typen am Start: Franz Müntefering, Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück, Peter Struck. Vor vier Jahren Schröder. Und wen hat die CDU? Ronald Pofalla, Jürgen Rüttgers, Roland Koch, Günther Öttinger. Mit denen wird man keinen Beliebtheitspreis holen. Trotzdem hat die SPD bei der Bundestagswahl drastisch verloren, wohingegen die CDU zwar auch verloren hat, aber nun weiter an der Regierung ist. Was ist der Grund? Die ganzen oben genannten Vertreter der SPD, die ich als Personen tatsächlich allesamt ziemlich cool finde, stehen allesamt für die falsche Programmatik. Im Grunde fasst Stephan Bliemel, SPD-Direktkandidat des Wahlkreises 12 (Wismar, Nordwestmecklenburg, Parchim) das wunderbar zusammen, wenn er schreibt:
Wenn ich heute mit klarem Kopf an den intensiven, aufreibenden Wahlkampf und die vielen Gespräche mit den Wählerinnen und Wählern zurück denke, komme ich zu einem Schluss: Wir hatten zwar ein gutes sozialdemokratisches Programm, aber die Menschen haben uns nicht geglaubt, dass wir dieses umsetzen werden. Die SPD hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir brauchen daher einen ehrlichen inhaltlichen, strategischen und personellen Neuanfang. Dass die Parteispitze der SPD noch am Wahlabend vollendete Tatsachen in wichtigen Personalfragen schaffen wollte, halte ich für enttäuschend. Für einen Neustart ist dies das falsche Signal.
Genau. Und wenn ich gerne nochmal sage, das ich Frank-Walter Steinmeier für grundsympatisch halte und auch anerkenne, das er sich im Wahlkampf den Allerwertesten aufgerissen hat – als Architekt der Agenda 2010 ist eine Wahl seiner Person zum Fraktionsvorsitzenden das falsche Signal – und deshalb kann ich auch nicht verstehen, warum ihn die Fraktion mit 88% Zustimmung wählt!? Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel ist auch skeptisch und meint:
Diesen inhaltlichen Neuanfang erwarten wir auch von Frank-Walter Steinmeier, genauso wie eine ehrliche Aufarbeitung der Regierungszeit. Seine bisherigen Aussagen lassen uns daran zweifeln, dass er diesen Neuanfang verkörpern kann. Denn wer weiterhin die scheinbaren Erfolge der unsozialen SPD-Regierungspolitik hervorhebt, wird nicht glaubwürdig die zu erwartenden sozialen Einschnitte der zukünftigen Bundesregierung kritisieren können.
Und tatsächlich scheint Steinmeier die Zeichen der Zeit irgendwie nicht verstanden zu haben:
Die Agenda 2010 müsse endlich “selbstkritisch analysiert” werden. Eine Neufang gebe es für die SPD nur ohne die Agenda-Politiker Steinmeier, Steinbrück und Müntefering. Das war eine Kriegserklärung an Steinmeier. Steinmeier indes hatte im Willy Brandt Haus angedeutet, alles hinzuschmeißen, wenn die Agenda 2010 zurückgedreht wird.
Das macht doch klar, das Steinmeier programmatisch für ein möglichst geräuschloses “Weiter so!” steht, was letztendlich nur in ein erneutes Desaster führen kann. Was ich mir von der SPD im Optimalfall wünsche ist eine Politik, die der Linkspartei nicht unähnlich ist, dabei aber mehr auf Finanzierbarkeit und Haushaltskonsolidierung ausgerichtet wird. Deshalb bin ich dann letzten Endes auch Fürsprecher einer Öffnung zur Linkspartei, da meine Wunschpolitik in diese Richtung geht (jedoch ohne Populismus und Luftschlösser) und zudem die einzig realistische Machtperspektive für einen SPD-Kanzler darstellt. Konsequenterweise hätte ich mir eigentlich eine stärkere Einbindung von Klaus Wowereit gewünscht – er ist der mit Abstand populärste Politiker des linken Flügels der Partei.




Wenn die SPD den die linken themen etwas weniger links als die linke vertritt (mann eh, wasn satz!), dann kommt folgendes dabei raus:
Die von rechts sagen: das sind alles die selben spinner und die SPD bekommt die asympathien für die Linke auch nochma mit und von links kommt ein “die sind nich links, die tun nur so, wir sind die linken”, womit dann noch weniger sympathisanten übrig bleiben.
Ganz ehrlich, mir fehlt der vergleich zu vorher, was die Agenda 2010 angeht, da war ich noch zu jung, aber was ich mitbekommen habe war im prinzip: war für die betroffenen nicht schön, aber für D als gesamtes notwendig (Staatsverschuldung/Steuerbelastung etc.).
blöd nur das man dann wieder gewählt werden muss. vond em klientel dems schlecht geht.
Wowereit ok, solange mir die nahles gestohlen bleibt.
Die geht mir auf die Eier. Gabriel wär gut. Der hat wenigstens richtig wahlkampf betrieben. (und der holt noch n par stimmen bei den erzkatholiken^^)
Grundsätzlich teile ich deine Befürchtungen, die SPD ist ohnehin in einer schier unmöglichen Lage. Irgendwen wird man vor den Kopf stoßen, was man auch immer tut!
Aber was ich meine, ist nicht, sich so weit an die Linkspartei anzunähern, das man sich selbst überflüssig macht. Meiner Auffassung ist eine Annäherung an die Linkspartei unter Beachtung des Machbaren und der Konsolidierung noch ein ganzes Stück von der Linkspartei selbst entfernt.
Auch wenn Gabriel eher dem rechten Flügel zuzuordnen ist, muß ich doch anerkennen, das er einen guten Anti-Atom-Wahlkampf gemacht hat und damit meinen Nerv getroffen hat, da der Atomausstieg für mich im Wahlkampf Herzensangelegenheit Nr.1 war.
Keine Sorge, Wowi wird schon noch kommen. Es ist vermutlich auch schlau, nicht jetzt das Ruder zu übernehmen. Lasst die Wespenkoalition zwei Jahre lang ihr neoliberales Ding durchziehen, ohne dass es der alten Steinmeier-Truppe gelingt, als ernstzunehmender Gegenpol aufzutreten – dann ist die Zeit reif, und bis 2013 ist dann immer noch genug Zeit, die Chancen zu nutzen.
@Chickenfood: Dass die Wespenkoalitionäre die SPD mit der Linken bei jeder Gelegenheit in einen Topf werfen, wird sich eh’ nicht verhindern lassen. Zu gerne packen die Pofallas und Westerwelles dieser Welt die Kommunistenkeule aus. Da muss man drüberstehen und Inhalte entgegensetzen.
Gabriel ist/war a) umweltminister und b) liegt Gorleben in seinem Wahlkreis.
Außerdem ist er wahrscheinlich der für alle kompatibelste für alle.
und mal ehrlich, man könnte die außendarstellung und die innerparteiliche kommunikation deutlich stärken, d.h. man informiert zumindest vorher darüber was man sagt.
sonst werden die Journalistischen Hirnzwerge(c@Volker Pispers) wieder ne “Richtungsdebatte”/”innerparteiliche Führungslosigkeit” anzetteln, dem müsste man mal endlich vorbeugen. besser machen reicht nicht. besser darstellen muss auch sein.
Ganz Ehrlich: ich bin mehr für Tigerentenkoalition^^
Wowie wird kommen. Genau wie bei den schwarzen der Christian Wulff. der is jung genug Merkel auszusitzen
Das eigentliche Problem der SPD ist, daß sie sich mit dem Totalausstieg aus sozialdemokratischen Positionen und durch den Verrat an ihrer ureigenen Wählerklientel politisch total diskreditiert hat. Und dann fällt diesen Genossen nichts besseres ein, als ausgerechnet den obersten Totengräber der sozialen Demokratie in Deutschland erneut zu ihrem Parteivorsitzenden zu machen!
Ja sind die denn noch ganz bei Trost?
Richtig: Die Rede ist von Franz Müntefering.
Meiner Meinung nach geht dieses Wahldebakel allein auf seine Kappe und diese Lachnummer Steinmeier ist nicht viel besser als er.
Genau solche Typen sind daran schuld, daß die SPD heute ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Ein Glaubwürdigkeitsproblem, aufgrund dessen die LINKE überhaupt erst entstehen konnte.
Trotz mangelnder Fachkompetenzen die Union rechts überholen zu wollen, das konnte ja nur schief gehen!
Und heute jammern diese Gestalten damit herum, daß ihnen die LINKE die Butter vom Brot geklaut hat?
Dabei haben sie sich im Grunde SELBST überflüssig gemacht, sogar der dumme Wähler konnte das erkennen.
Es ist unglaublich! Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
Glücklicherweise hat die ehemalige Partei der sozialen Demokratie in Deutschland jetzt vier Jahre Zeit, sich in der Oppositionsrolle neu zu erfinden und im Hinblick auf die Chaoten der Linkspartei kann ich nur hoffen, daß sie diese Zeit auch wirklich nutzen wird. Für diese Chance sollten sie dem Wähler eigentlich dankbar sein, anstatt über das wohlverdiente Wahldebakel herumzujammern.
Allerdings müssen dazu erst mal viele alte Köpfe abgeschlagen werden. Köpfe, die für die unsozialste Politik stehen, die es in dieser Partei jemals gegeben hat. Hartz IV und die Agenda 2010 sind noch nicht vergessen!
Ein Neuanfang kann also – wenn überhaupt – nur mit einer völlig neuen, jungen und unbelasteten Führungsriege geschehen. Nur woher die bei der SPD nach der Ära Müntefering plötzlich kommen soll, das wissen die Götter.
Sicher ist nur eines: Wenn die Genossen es bis dahin nicht schaffen, die heutige SPD grundlegend zu renovieren und den heutigen politischen (und gesellschaftspolitischen) Erfordernissen anzupassen, dann können sie gleich einen Asylantrag bei den roten Socken der Linkspartei stellen. DAS ist nämlich die eigentliche Konkurrenz für die Sozialdemokratie! Nicht die Liberalen, wie immer wieder vermutet wird, denn die vertreten eine völlig andere Ideologie.
Göttliche Grüße vom liberalen Mino.
Müntefering wird ja nun zum Glück nicht wieder Parteivorsitzender und ich will für ihn auch nicht wissen, wie eine Abstimmung ausgegangen wäre.
Im Kern sind wir der gleichen Meinung – es muß einen wirklichen personellen Neuanfang geben. Und den gibt es auch mit Steinmeier im Fraktionsvorsitz nicht.
Glücklicherweise hat die ehemalige Partei der sozialen Demokratie in Deutschland jetzt vier Jahre Zeit, sich in der Oppositionsrolle neu zu erfinden und im Hinblick auf die Chaoten der Linkspartei kann ich nur hoffen, daß sie diese Zeit auch wirklich nutzen wird. Für diese Chance sollten sie dem Wähler eigentlich dankbar sein, anstatt über das wohlverdiente Wahldebakel herumzujammern.
Für die Partei ist das gut. Aber ich kann es nur nochmal wiederholen – für das Land nicht. Und das Land und seine Menschen sollten doch wichtiger sein als eine Partei, oder nicht?
Wowereit wird 2013 60 Jahre alt…so viel dann zum Thema “Verjüngung” und “Erneuerung”… Naja… Zugegebenermaßen wirkt er wesentlich jünger, dennoch…irgendwie passts nicht zusammen mit dem, was jetzt gefordert und gesagt wird (wie immer).
Verjüngerung und Erneuerung. Mhmm. Ich finde, das Wowereit (oder generell ein/e Politiker/in) mit 60 Jahren überhaupt nicht zu alt ist für das Kanzleramt. Geht es bei “Verjüngerung” und “Erneuerung” nicht auch vor allem mit um Inhalte?