Inspiriert durch den Beitrag drüben bei Schwerin Schwerin und durch die Wahlplakate selbst, habe ich mir mal die Frage gestellt, welche Auswirkungen so ein Wahlplakat an sich überhaupt hat – außer einer riesigen Stadtverschmutung und die Motivation für ein paar Idioten, diese zu bemalen, zu bekleben oder ganz abzureißen? Was hat ein potentieller Wähler von Wahlplakaten? Was hat der Werbende von Wahlplakaten?
Eignet sich ein Wahlplakat zum Transportieren von Inhalten oder Programmpunkten? Eher nicht. Manche Parteien bringen zwar ernsthafte Botschaften rüber, aber äußern sich sehr unglücklich. Die Familienpartei möchte, das jeder 600 Euro Kindergeld bekommt, “für die Kosten, die ein Kind verursacht“. Aua! Ausgerechnet die Familienpartei sieht ein Kind als eine Kostenstelle, die Ausgaben verursacht. Aber immerhin ist ein Programmpunkt deutlich geworden, nämlich der, das für jedes Kind 600 Euro Kindergeld gezahlt werden sollen.
Die meisten anderen Parteien versuchen mit hohlen Phrasen offenbar zu erreichen, das der Wähler lieber erst gar nicht über das Geschriebene nachdenkt, sondern hoffen, das dieser es einfach als inhaltlich korrekt aktzeptiert. Die FDP zum Beispiel wirbt bei uns mit dem Slogan “Stark vor Ort”, was glatt gelogen ist – in der Schweriner Stadtvertretung sitzen derzeit 2 FDP-Kandidaten. Ich habe noch zu keinem Thema irgendwo eine FDP-Meinung gehört. Oder die CDU geht mit “Wir in Europa” auf Dummfang. Ich soll zusammen mit der CDU in Europa … ja, was denn? Koexistieren? Das tue ich jetzt schon. Dazu muß ich die Partei nicht mehr wählen. Die Linkspartei schreibt “Original sozial” – können wir gerne mal überprüfen (gerne auch mit Anrechnung der SED- und PDS-Zeit), ob die Partei länger existiert als die SPD. Die NPD (die Plakate hängen aus Angst vor Zerstörungsaktionen gaaaanz weit oben!) will ich jetzt gar nicht weiter ausführen – da sind die Phrasen noch hohler. Herrlich einfältig finde ich auch die FDP-Europawahlplakate mit Silvana Koch-Mehrin, die vermutlich deutschlandweit ausgehängt sind – Koch-Mehrin ist angesichts ihrer sicherlich vorhandenen Attraktivität ganz groß abgebildet, so das man den Slogan daneben entweder nicht liest oder liest und schnell vergisst. Peinlich!
Die beste Figur machen meiner Ansicht nach bei uns die Unabhängigen Bürger, die nur Kandidaten und keine Inhalte plakatieren – und damit komme ich zu meinem Fazit. Meines Erachtens haben Wahlplakate maximal den Nutzen, darüber zu informieren, das die Partei X oder der Kandidat Y überhaupt kandidiert. Wer dann mitbekommen hat, das da jemand kandidiert, der beim potentiellen Wähler Interesse hervorruft, ist aufgerufen, sich weitergehender über den Kandidaten zu informieren. Das die fünf großen Parteien kandidieren, wird niemanden überraschen. Das die NPD kandidiert, war auch zu erwarten. Meiner Ansicht nach helfen Plakate auch eher den kleineren Parteien – eben weil sie die Information übermitteln, das diese kandidieren, was ja bei der einen oder anderen Partei nicht selbstverständlich ist.




Schöner Beitrag, mit dem Du eine wirklich interessantes Theme ansprichst.
Ich denke aber, dass Personenplakate nur dann sinvoll sind, wenn der Kandidat vorher schon bekannt ist. Partei XY stellt z.B. einen bekannten Sportler auf.
Sonst halte ich Themenplakate für sinnvol.
Mit Plakaten gewinnt man aber keine Wähler. Wegen einem Plakat wird niemand zur Wahl gehen. Es ist tatsächlich nur ein Mittel um vorhandene(!) Wähler zu mobilisieren und ggf. darauf aufmerksam zu machen, dass man überhaupt antritt.
isja lustig. gerade haben wir in der redaktion genau dieses thema mit einem ziemlich ähnlichen tenor besprochen und werden dazu einen kleinen satirischen beitrag basteln. nächste woche auf aveo.tv
@Toralf Grau: Wenn Kandidaten schon vorher bekannt sein? Genau, denn bei einer Kommunalwahl muß man ja kein Medienstar sein, um einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht zu haben, der ausreicht, um genügend Stimmen zu bekommen.
Plakate sind ein Mittel, um vorhandene Wähler zu mobilisieren und besonders engagierte/interessierte Wähler dazu zu bringen, sich weitergehend zu informieren.
@Falk: Cool, ich bin drauf gespannt!
Die Frage, was Wahlplakate bringen, ist die Gleiche wie die Frage: Was bringt Werbung?
Sobald man seinen Kopf einschaltet, entlarvt man beinahe jede Werbung, sei sie nun für Parteien oder für Zahnpasta, als hohl. Das ist aber völlig egal!
Werbung wirkt (WENN sie wirkt, aber ich denke, das lässt sich nicht mehr anzweifeln, da müsste es wirklich genug Studien drüber geben) über das Unterbewusstsein. Es geht nicht darum, sich überzeugen zu lassen; es geht einfach nur darum, dass das Gehirn eine Information, die es möglichst oft und möglichst eingängig präsentiert bekommt, abspeichert und dann in einer geeigneten Situation, wenn man vor dem Regal im Supermarkt oder in der Wahlkabine steht, unterbewusst abruft, um die eigene Entscheidung mitzubestimmen. Es wird ja gerade viel darüber geredet, dass Menschen kaum rationale Entscheidungen treffen, sondern lediglich Bauchentscheidungen im Nachhinein rationalisieren, und Werbung beeinflusst eben diese Bauchentscheidungen.
Ich denke, dass Wahlplakte für die Wähler geeignet sind, um den Namen eines Kandidaten mit einem Gesicht und einer Partei verbinden zu können.
Seit 2001 habe ich drei mal mein Gesicht auf FDP-Plakaten gezeigt und werde immernoch mit dieser Partei in Verbindung gebracht, obwohl schon seit fünf Jahren kein Mitglied mehr bin. Nun kandidiere ich zum zweiten unter dem UB-Logo und werde immernoch als FDP-Mitglied angesprochen.
Ich denke, dass Wahlplakate für den Bekanntheitsgrad eines Politikers wesentlich wichtiger sind als Presseartikel oder Flyer. Ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte.
@Andi: Ja, richtig! Der Vergleich mit Werbung allgemein ist nicht von der Hand zu weisen. Ob es nun darum geht, das man sich für ein Produkt oder als Wähler für einen Kandidaten bzw. eine Partei entscheiden soll, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wer sich die Werbung ausdenkt, geht, glaube ich, in beiden Fällen sehr ähnlich vor. Auch der Teil mit dem Unterbewusstsein ist natürlich richtig – da können Wahlplakete bei Unentschlossenen sicherlich zu einer “Entscheidung” beitragen.
@Jan: Den Aspekt habe ich noch nicht betrachtet – die Verbindung eines Namens zu einem Bild. Das sehe ich auch so und das ist auch ganz wichtig, denn wie viele Leute sagen dirm, auf die Frage: “Kennest du …?” dann “Weiß ich nicht. Den müsste ich sehen.” Stimmt.
Mittlerweile habe ich gemerkt, das du bei den UB’s bist – aber mir ist noch immer gegenwärtig, das du mal für die FDP angetreten bist. Aber das ist genau das mit der Verbindung von Name und Bild – denn vor dem FDP-Plakat von dir warst du mir ehrlich gesagt überhaupt kein Begriff.