Ach, was sind das für fantastische Worte, die man im Zuge seines Europabesuches von Barack Obama gehört hat! Anders als sein unsäglicher Vorgänger hält Obama eine freie Welt ohne Atomwaffen für möglich:
Vor den immer wieder jubelnden Zuhörern wandte sich der US-Präsident gegen die Annahme, die Verbreitung nuklearer Waffen könne nicht gestoppt werden: “Solch ein Fatalismus ist ein tödlicher Gegner”, sagte er. “So wie wir im 20. Jahrhundert für die Freiheit eingestanden sind, so müssen wir zusammenstehen für das Recht der Menschen, im 21. Jahrhundert überall frei von Furcht zu leben.” Man müsse denen widersprechen, die Welt zu ändern.
Selbst die Notwendigkeit, das insbesondere die USA bei derartigen Überlegungen eine Vorreiterrolle übernehmen muß, hat Obama erkannt:
Als “einzige Atommacht, die jemals Atomwaffen eingesetzt hat”, hätten die USA, “die moralische Verpflichtung zu handeln”, sagte Obama unter Bezug auf die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am Ende des zweiten Weltkriegs.
Man kann wohl ohne große Übertreibung sagen, das Obama da große Worte ausgesprochen hat, die man von Bush und manchem Amtsvorgänger so nicht gehört hätte – und ohne jetzt dem von Obama gegeißelten Fatalismus zu fröhnen: leider wird dies nur ein Wunschtraum bleiben! Obama wurde vielfach dafür kritisiert, das er “ganz nebenbei” erwähnt hat, das die USA ein Arsenal an Atomwaffen zur Abschreckung behalten werden, solange es noch andere Atomwaffen auf der Welt gibt. Was mancher als Mogelpackung bezeichnet, ist nur normal. Gleichzeitig liegt darin aber auch der Kern des Problemes: wer soll den Anfang machen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, das eine atomare Macht es anders als Obama macht und zuerst abrüstet. Immerhin will Obama den Dialog mit Russland intensivieren und auf eine Ratifizierung des internationalen Verbots von Atomwaffentests drängen, was der US-Senat ja seit Jahren blockiert. Immerhin. Gerade aus der von Obama erwähnten speziellen Verantwortung heraus könnte er ja eigentlich den Schluß ziehen, das die USA zuerst komplett abrüstet – aber das ist natürlich unrealistisch.
Doch was wäre nun, wenn beispielsweise die USA und Russland komplett abrüsten würden? Vor dem Hintergrund, das ich es für höchst unwarscheinlich halte, das eines der beiden Länder jemals (bei der USA: wieder) Atomwaffen zum Einsatz bringt, würde das vermutlich insbesondere Schurkenstaaten kaum davon abhalten, ihre Forschungen auf atomarem Gebiet abzubrechen, bzw. ebenfalls abzurüsten. Daher bleibt die von Obama geäußerte Idee von einer Welt ohne Atomwaffen eine sehr edle, wenn auch vermutlich utopische Idee. Jetzt bin ich doch wieder dem Fatalismus verfallen! Oder nicht?
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Printausgabe vom 6. April 2009, Titelseite




So einen ähnlichen Post wollte ich auch verfassen – da Du mir die Worte aus dem Mund nimmst, spare ich mir wohl die Arbeit…
Leider ist es nicht bloßer Fatalismus, denn eine Abschaffung aller Atomwaffen dürfte – selbst wenn die Großmächte kooperieren – an Israel scheitern, das sein Atomwaffenarsenal als Lebensversicherung ansieht.
Dennoch tat es gut, so etwas von einem US-Präsidenten zu hören – und wenn der Vorstoß zu einem signifikanten Abbau der Arsenale führt, ist das ja auch schon was.
Der letzte, der sich mit den atomaren Waffen und einem möglichen Atomkrieg so auseinandergesetzt hat, war wohl Kennedy. Ein paar Jahre her
Auch Kennedy konnte nicht verhindern, dass die Aufrüstung vorangeschritten ist, damals aus politischen Gründen gegenüber Russlands (angeblicher) Aufrüstung.
Heute ist es doch im Prinzip genauso, nur dass (angeblich) eben andere Länder atomar aufrüsten – und nicht Russland.
@Dr.No:
“Dennoch tat es gut, so etwas von einem US-Präsidenten zu hören – und wenn der Vorstoß zu einem signifikanten Abbau der Arsenale führt, ist das ja auch schon was.”
Ganz meine Meinung! Wenn es auch effektiv nur wenig bringen wird, wie ich fürchte.
@fufu: Na ja. Heute sind es neben den Staaten selbst auch extreme, gewaltbereite Gruppen (Taliban etc.), die ebenfalls atomar aufrüsten. Die Wirkung ist jedoch in der Tat identisch.
Obama erinnert mich sowieso sehr an Kennedy… ich hoffe nur, die Ähnlichkeit geht nicht zu weit…
Och nööö, bitte keine neue Attentatsgefahrdebatte!
Obama macht “seine” (unsere?) Sache bisher “nicht schlecht” (oder “ganz gut”). Allein den weltweiten Verzicht auf A-Waffen als Möglichkeit offen auszusprechen und von einer amerikanischen Erstverantwortung zu sprechen: Chapeau!
Allerdings: Den Rüstungshaushalt a la Clinton wesentlich zu beschneiden das verpasst Obama (noch?) – und stellt die weiter steigenden US-Rüstungsausgaben auf entsprechende Arsenale für asymetrische Kriegsführung ein – ich meine: Ein potentiell schlechtes Zeichen!?
Am 15.03. gab`s ne interessante Sendung auf SWR 2 Aula (immer So.-morgens, 08:30 h – i.d.R. sehr interessante Beiträge, dann 09:30 h DLF Essay und Diskurs, dto.). Titel: Der Westen braucht mehr Demut! Der Weg zum nachhaltigen Weltregieren Link: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=4462528/t27bg3/index.html – zum Anhören oder Ausdrucken.
In diesem Sinn sehe ich allerdings Obama, unterm Strich, auf dem richtigen Weg. Hoffe, er hält den Kurs die nächsten acht Jahre!
Beste Grüße
Vogel
Auch bei der konventionellen Rüstung sind erste Schritte in die richtige Richtung erkennbar. Zwar kann Obama kaum sofort mit der Kettensäge den Verteidigungshaushalt auslichten, sondern muss Rücksicht auf den mächtigen militärisch-industriellen Komplex nehmen – aber immerhin werden die ersten Hitech-Spielzeuge aus der Reagan-Bush-Ära gestrichen. Das lässt hoffen.
Ich gebe dir recht. Das klingt alles wirklich gut. Das er den Rüstungshaushalt nicht kürzt – da genau stößt er an seine Grenzen, da kommt wieder der Einfluß der Rüstungsindustrie zum Tragen, die sich ja auch noch über jede militärische Intervention der USA gefreut hat. Das er da nicht kürzt kann natürlich ein Vorbote davon sein, das sich letztendlich doch nichts ändern wird. Aber wenn er es schafft, die atomare Abrüstung zumindest voranzutreiben, dann ist er sicher schon allein deshalb einer der besseren Präsidenten. Ich wünsche ihm dabei viel Glück und hoffe das Beste!
PS: Deine Radiotipps sind für mich sehr hilfreich. Deutschlandfunk habe ich gelegentlich auch mal laufen – der beste deutsche Radiokanal.
@ Roman
Bitte, bitte. Kann beide Sendungen nur wärmstens empfehlen (vorher im Netz ins Programm gucken). Willkommener Nebeneffekt: Ich hab` auch noch `was vom Sonntag
@ Dr. No
Iss ja richtig, a b e r:
Es geht also z. Z. sowieso nich gegen den militärisch-indistruellen-Komplex – da passiert erst`mal gar nix, die Ausgaben steigen für dieses Jahr (!) – es geht darüber hinaus auch noch um die Qualität der Umschichtung des Etats, beispielhaft: Gegen High-tech Flieger (nebenbei: unbezahlbar!), für Drohnen (billig!); gegen schwer bewaffnete (herkömmliche) Einheiten, für kleine, bewegliche, “fortschrittlich” (!!) bewaffnete Einheiten – also für die Fähigkeit besser auf asymetrische Kriegführung (Symptom) reagieren zu können statt an Ursachen heran zu gehen.
Auch für Obama gilt: Augen und Ohren auf! – wenngleich gute Hoffnung angebracht ist! “Yes we can!” Weiter so!
Beste Grüße
Vogel
Der Rüstungshaushalt ist halt gewissermaßen eine dauerhafte amerikanische Abwrackprämie… Wenn die meisten militärischen Güter von amerikanischen Firmen hergestellt werden, bleibt das dafür ausgegebene Geld sogar im eigenen Land. Auch wenn ich mich mit der amerikanischen Wirtschaft nicht näher auskenne, gehe ich doch davon aus, dass die Rüstungsunternehmen dort noch deutlich stärker Schlüsselindustrie sind als die Automobilhersteller bei uns, und in der Wirtschaftskrise ist eine Kürzung der Rüstungsausgaben alleine schon deswegen wohl schlicht unmöglich.
Völlig korrekt, Andreas!
Nebenbei: Die Rüstungsindustrie iss Uncle Sam mindestens so heilig wie der 45-er (“peacekeeper”!!) im Haus – gegen Fremde, die nach `ner Adresse fragen. Wir werden ja sehen, ob EADS nun zum zweitenmal den Auftrag für die neue Generation Tankflugzeuge kriegt. Eher nich! Merke: “Alles iss frei, so lang wie mir de Ufftrach krische. Dess iss ja bei de EU ach nedd anners, gelle!”
Its always the same ol` story: Homo homini …
Beste Grüße
Vogel
Mag sein, dass es erstmal danach aussieht, dass sich nichts Grundsätzliches ändern wird, wenn der Gesamtetat im nächsten Jahr sogar noch zunimmt. Dennoch geht mE eine Signalwirkung davon aus, dass vor allem die aberwitzig teuren Projekte wie F22 und B2 eingedampft werden.
Natürlich werden sich die USA die Überlegenheit ihrer Truppen immer einiges kosten lassen. Es kommt aber auch darauf an, wem man mit gewissen Rüstungsvorhaben ans Bein pieselt – und bei den jetzt zusammengestrichenen Projekten wären das im Wesentlichen die anderen Großmächte, lies: Russland und China gewesen. Und da gerade jetzt eine neue Rüstungsspirale droht, scheint es mir ein wichtiges Zeichen zu sein, wenn Obama ein bisschen den Schwung herausnimmt.
Wie gesagt: Es stimmt mich hoffnungsvoll. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Obama hat ja erstmal recht, weil er der Realität ins Auge sieht.
Die Zeiten, in denen eine A-Versicherung tatsächlich eine Versicherung war, sind vorbei. Jetzt, wo selbst das hungernde Nordkorea im Besitz der Technologie ist, kann von Abschreckung, Absicherung oder Überlegenheit keine Rede mehr sein. Alle haben die Bombe, insofern haben wir eine Pattsituation.
Die Gunst der Stunde hat Obama genutzt, um von der echten aggressiven amerikanischen Außenpolitik abzulenken, indem er sagt, was in den Stäben aller Lager längst bekannt ist: Atomwaffen sind aus der Mode, machen keinen Sinn mehr, sind einfach auch viel zu teuer…
Obama verpackt es so blumig, daß die Masse jubelt! Der Typ ist echt sein Geld wert!
Ihr laßt euch täuschen, wenn ihr in Obamas Prager Rede ein Zeichen der Entspannung seht. Denkt daran: Obama ist nur ein neues Gesicht für eine alte Garde. Eine alte Garde, die nach neuen Lösungen sucht – aber für die immer gleichen Ziele.
… und jetz will Obama noch `mal 83 Mrd$ für neue Flitzebogen! Auch als großer Fan des neuen Messias: “Augen auf!”
Beste Grüße
Vogel
Leider hast du Recht. Obamas Einsatz gebührt Bewunderung, aber sein Ziel bleibt wohl utopisch. Eine totale Abrüstung würde Lücken für Schurkenstaaten eröffnen, wie du es ganz richtig geschrieben hast.
Hätte die UN genügend Macht und könnte eine global überwachte Abrüstung überwachen, wäre Obamas Traum realisierbar. Aber dies ist wohl nicht möglich.
Der Hofnarr schrieb: “Eine totale Abrüstung würde Lücken für Schurkenstaaten eröffnen.”
Die Bezeichnung “Schurkenstaaten” läßt mich immer wieder leise wiehern, hahahaha! Ein ganzer Staat voller Schurken?
http://de.wikipedia.org/wiki/Schurkenstaat
Stammt diese diskriminierende Bezeichnung doch aus der Bush-Ära und heißt auf Deutsch übersetzt nichts anderes als “Haltet den Dieb!”
Will heißen, daß man diese Bezeichnung immer dann gerne einsetzt, wenn man die Bevölkerung gerne von eigenen Schurkereien ablenken möchte. Dabei sind doch die USA der eigentliche und größte Schurkenstaat, den es jemals auf dieser Erde gegeben hat. Daran ändert auch der neue “Nigger im weißen Haus” nichts, da sollten wir uns trotz aller Euphorie keine falschen Hoffnungen machen.
Ein Vogel schrieb: “Obama macht “seine” (unsere?) Sache bisher “nicht schlecht” (oder “ganz gut”).”
Nun gut, falls es sich bei diesem Vogel um einen US-Bürger handelt, so gebe ich ihm völlig recht, denn Obama wird weder “grüne”, noch europäische, sondern AMERIKANISCHE Politik machen. Das ist sein politischer Auftrag und genau dafür wurde er als Präsident gewählt.
Illusionslose Grüße vom Mino an alle Vögel und sonstigen Hofnarren.
Wir wissen natürlich, was Hofnarr Florian mit dem Wort “Schurkenstaaten” gemeint hat! Der Begriff ist, wie du schreibst, sehr bedenklich. Ich habe mir den von dir verlinkten Wiki-Beitrag durchgelesen und dachte dabei warscheinlich das Gleiche wie du: “Moment mal! Was erdreistet sich ein Land überhaupt, eine Liste mit Schurkenstaaten zu führen??” Wenn du schreibst, das die USA damit von eigenen Schurkereien ablenken möchte, trifft das mehr als den Kern der Sache.
Nun kann man ein Land wie die USA sicherlich nicht mit dem Iran gleichsetzen – dazu sind die Länder in Sachen Geschichte, Menschenrechten, Gleichberechtigung, Demokratie etc. doch viel zu weit auseinander – aber ich gebe dir recht: wenn ein Land einen Staat auf angreift, weil es den Verdacht hat, das dieses vielleicht Massenvernichtungswaffen haben könnte, dann gehört es aus meiner Sicht auch auf die Liste der Schurkenstaaten. Daran darf kein Zweifel bestehen.
Von deiner Bezeichnung “Nigger im weißen Haus” möchte ich mich hier ganz klar distanzieren – ich finde, Barack Obama macht bislang (abgesehen von neuen Rekordschulden) eine wesentlich bessere Figur als sein unsäglicher Vorgänger und damit schon fast automatisch eine gute Figur. Ich finde, man sollte ihm erstmal zwei Jahre (oder vielleicht auch eine ganze Amtsperiode) Zeit geben und dann Bilanz ziehen. In Bezug auf uns wird sich aber vermutlich nicht unbedingt viel ändern, auch da gebe ich dir recht.
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