Während nun nach dem Vorsitzenden Erwin Huber und der Generalsekretärin Christine Haderthauer auch Ministerpräsident Günther Beckstein zurückgetreten ist, ist Horst Seehofer der aussichtsreichste Kandidat auf den Posten des Ministerpräsidenten, nachdem er auch als Parteichef schon quasi feststeht. Gääääähn!!!!!
Das darf nun wirklich niemanden überraschen! Das Vorgehen erinnert in seiner Einfachheit doch sehr an das Vorgehen der SPD – auch die hat in Zeiten der Krise einfach überlegt, wer der beliebteste Mann an Bord ist und ihn vor die Partei gespannt. Warum die Mühe machen und überlegen, was inhaltlich falsch gelaufen ist? Hat schonmal jemand aus der Partei öffentlich hinterfragt, was inhaltlich falsch gemacht wurde? Nein! Stattdessen wird einfach der populärste Mann als neuer Chef präsentiert – in der Hoffnung, das sich dadurch der Mythos der Unbesiegbarkeit wiederherstellen lässt. Das finde ich etwas zu sehr durchschaubar. Das gleiche Bild bei der SPD – die kämpft allerdings um den Status als ällteste deutsche Volkspartei.
Das gilt übrings auch für die Linkspartei. Die schöpft neben dem Protestpotential auch enorme Kraft aus der Popularität ihrer Doppelspitze. Auch hier ist es billig – Lafontaine für den Westen, Gysi für den Osten. Sich um die Linkspartei zu sorgen ist jedoch Zeitverschwendung – nach dem Rücktritt der beiden Zugpferde aus der ersten Reihe der Partei werden sich die Wahlergebnisse auch ganz schnell wieder “normalisieren”. Bei SPD und Union muß man sich hingegen schon Sorgen machen, da es sich bei ihnen um den Kern des demokratischen Parteienspektrums handelt (ich wollte das allein durch Angela Merkel bereits inflationär gebrauchte Wort “Mitte” nicht verwenden). Wenn denen nichts besseres als das Präsentieren einer beim Volk populären Persönlichkeit zur Korrektur früherer Fehler einfällt, dann muß ich mir doch arge Sorgen machen, das uns bald etwas ähnliches passiert wie in Österreich.



[...] Carluv und das Perlenschwein, sowie der Jantarblog und natürlich Roman Möller. [...]
Nein, solange die Rechte hier keine charismatische Führungspersönlichkeit (der Begriff Führer erschien mir hier ein wenig unpassend…) präsentieren kann, sind wir von österreichischen Verhältnissen mit einem Drittel Wählerstimmen für Rechtsextremisten gottlob noch weit entfernt!
Ich sehe übrigens diesen Zusammenhang zwischen inhaltlichen Fehlern und schlechten Wahlergebnissen nicht, den Du hier, ebenso wie viele andere, anführst. Werden Wahlen denn etwa durch inhaltlich gute Politik (ein sehr seltenes Tier übrigens) gewonnen, oder eben nicht doch durch Popularität?
Du sgast es doch – die Linken entfalten ihre Zugkraft durch die Doppelspitze Lafontaine/Gysi. Mensch, Du selbst treibst hier geradezu einen Personenkult um Schröder und Müntefering!
Ich war als Jugendlicher zunächst von Helmut Schmidt (wenn auch mehr aus der Kindheitserinnerung), später dann von Joschka Fischer beeindruckt. Oh, und in den Neunzigern natürlich von Bill Clinton!
Wahlerfolge entstehen dann, wenn eine mit den Ansichten möglichst vieler Menschen vereinbare Ausrichtung (die darf zu diesem Zweck auch gerne schwammig oder vorgetäuscht sein) einer Partei an den Gesichtern von als charismatisch empfundenen Personen fest gemacht werden kann. (Dieses Charisma ist allerdings oft tagesformabhängig und wird natürlich durch parteiinterne Intrigen und die Medien mitgestaltet.) INHALTE braucht eine Partei nicht, nur ein Image und ein dazugehöriges Gesicht.
@MuGo: Völlig richtig. Zum Glück gibt es keine charismatische rechte Figur in Deutschland. Würde jetzt die NPD eine solche Persönlichkeit in ihren Reihen haben, dann würde mit ihr in etwa das Gleiche passieren können wie jetzt mit der Linkspartei. Ich wette, die werden nach dem Ende von Gysi und Lafontaine in Reihe 1 sicher ganz schnell wieder fünftstärkste Kraft im Parlament.
@Andi:
“Ich sehe übrigens diesen Zusammenhang zwischen inhaltlichen Fehlern und schlechten Wahlergebnissen nicht, den Du hier, ebenso wie viele andere, anführst.”
Ich muß unumwunden zugeben, das ich mit dem Programm der CSU nicht im Detail vertraut bin. Aber es fehlt eine klare Linie – das Hin und Her (Bsp. Pendlerpauschale) muß aufhören. Da kann der Huber gerne mal den Beck anrufen, der kann ihm das sicher genauer erklären.
“Du sgast es doch – die Linken entfalten ihre Zugkraft durch die Doppelspitze Lafontaine/Gysi. Mensch, Du selbst treibst hier geradezu einen Personenkult um Schröder und Müntefering!”
Das ist bei genauer und kritischer Betrachtung meiner Worte sicher nicht ganz falsch, muß ich zugeben. Aber das ich Müntefering und Steinmeier hochjubele, liegt doch daran, das ich die sympatisch finde (beide) und das ich mich mit der Sozialdemokratie und der Politik, für die Münte und Steinmeier stehen, eher identifizieren kann als mit einer zu sehr nach links ausgerichteten SPD. Das ist dann natürlich auch der Beweis für deine weiter unten angebrachte Aussage, das politische Ausrichtung und charismatische Persönlichkeit im richtigen Moment zusammentreffen müssen, damit eine Partei ihr maximales Wählerpotential ausschöpfen kann.