Eröffnen möchte ich mit einem kleinen Zitat aus der Süddeutschen Zeitung aus einem Kommentar von Sebastian Beck:
„Die ersten Opfer werden zweifelsohne Huber und seine Generalsektretärin Christine Haderthauer sein, die gestern kurz nach 18 Uhr erstmals zwei Sätze hintereinander aufsagte, ohne dabei zu grinsen.“
Was zunächst wie ziemlich unsachliches Gerede klingt, offenbart in Wahrheit sehr schnell den Grund für die starken Verluste der CSU – das Personal. Die CSU hat, sowei ich das beurteilen kann, inhaltlich in Bayern sicher nicht alles falsch gemacht – es geht den Menschen in Bayern ja tatsächtlich besser als in manch anderen Bundesland.
Nein, der Hauptgrund war natürlich das Personal. Christine Haderthauer hat den Wahlkampf organisiert und nicht nur tatsächlich zu jedem ihrer (nicht immer übermäßig gehaltvollen) Statements in die Kamera gegrinst und so getan, als wäre sie die Spitzenkandidatin der Spaßpartei. Ich habe irgendwo gelesen, das die CSU im August tatsächlich „Sommer, Sonne, CSU“ plakatiert hat – um Gottes Willen! Wer kann denn auf so einen Slogan kommen?
Ich habe mir desweiteren Mühe gegeben, den Aussagen von Erwin Huber und Günther Beckstein etwas sinnvolles und für mich positives abzugewinnen. Das ging aber auch schwer bis gar nicht. So hat sich die CSU auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt und die Politik von Edmund Stoiber fortgeführt, was nicht ewig funktionieren konnte. Noch dazu hat sie dies mit Kandidaten in Spitzenämtern getan, die sicher nicht nur auf mich so aufregend wirken wie eine Doppelfolge Matlock.
Ich bin ganz klar der Meinung, das sich jetzt personell etwas tun muß. Nur wer soll für die oben genannten Protagonisten übernehmen? Die CSU hat praktisch niemanden, den sie gegen die bisherigen Leute austauschen kann! Horst Seehofer ist noch der weitaus Populärste, hat aber auch keine weiße Weste mehr. Danach kommen auch schon Markus Söder und Peter Ramsauer. Wenn Ramsauer statt Huber Parteichef werden würde, dann würde sich meiner Ansicht nach gar nichts ändern, bei Markus Söder als neuem (alten) Generalsekretär hätte sie politische Blogosphäre zumindest wieder häufiger jemanden, über den sie sich aufregen kann.
Aber es muß sich etwas ändern! Wer sich so abstrafen lässt und dann mit dem selben Personal weitermacht, dass das Ergebnis nicht nur verursacht hat, sondern dieses auch nicht wahrhaben will, verliert jede Glaubwürdigkeit!





Eigentlich muss sie nichts ändern – dann verliert sie bei der nächsten Wahl noch mehr und eine andere Partei kommt endlich mal dort an die Regierung. Und außerdem, was interessiert das hier in MV, was die Bayern-CSU macht…
Welche Glaubwürdigkeit hätte die CSU denn noch zu verlieren? Was weg ist, ist weg.
Am lustigsten fand ich übrigens die Äußerungen um den Verlust der Alleinherrschaft – welch ein Gestammel!
Der Hadertauer den schwarzen Peter in die Schuhe schieben zu wollen ist nur die Suche nach dem Bauernopfer.
Weiße Weste baucht man bei der CSU nicht zu haben, hatte bisher kaum noch ein Ministerpräsident. Da kann der Seehofer ruhig kommen, der ist der richtige Mann, den der Stammtischbruder wälen kann.
Und vergesst nicht den Joachim Herrmann, der neben Seehofer wohl die meisten Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten haben dürfte – falls dem Beckstein endlich jemand sagt, dass er gehen muss!
@Martin: Warum uns das hier in MV interessieren wollte? Wegen dem bundespolitischen Einfluß und der Bundespräsidentenwahl im nächsten Jahr. Unabhängig davon kann es auch nicht schaden, mal über den Tellerrand (bzw. Bundeslandgrenzen) hinauszusehen.
@buchstäblich: Ja, das Gestammel war furchtbar, insbesondere eben Frau Haderthauer kurz nach 18 Uhr und Herr Huber, der an seinem Stuhl klebt.
@StoiBär: Grundsätzlich ist es zu einfach, Frau Haderthauer schlecht zu reden. Andererseits bin ich bewusst auf eher personelle Aspekte eingegangen, da die Ursache der Wahlniederlage für mich ja viel eher in personellen als in programmatischen Problemen zu suchen ist.
Ich sehe die Dramatik der Situation nicht (okay, ich bin ja auch kein CSU-Mitglied). Deutlich über 40% Wählerstimmen? Worüber beklagen die sich eigentlich?
Vielleicht sollte man die Realität akzeptieren, dass die Zeit der Einparteienherrschaft in Bayern vorbei ist, und dieses Ergebnis im Kontext der normalen bundesdeutschen Parteienlandschaft, insbesondere auch unter der Berücksichtigung des Schwächeln der großen Parteien allgemein, sehen. Glaubt die CSU denn wirklich, dass es einen Weg zurück zu den 50+X gibt, egal mit welcher Strategie und welchem Personal?
Wisst Ihr, was ICH dramatisch finde? Die Ergebnisse in Österreich, dem Land, das nur zu gerne darüber hinweg geht, dass es maßgeblich am Ausbruch beider Weltkriege beteiligt war. Knapp 30% für rechts außen?
Ich habe Angst.
Für mich wirkten Huber und Beckstein wie zwei, die sich mitten in einem Orkan anschicken, ihren Regenschirm aufzuspannen. So viel Ratlosigkeit ist man sogar von der SPD nicht gewohnt! Das beide einfach erst mal weitermachen zeigt wie schwach die Opposition in der CSU ist. Horst Seehofer, dessen sozialpopulistische Rhetorik manchmal an die Linkspartei erinnert, ist wohl kaum der rettende Hafen.
@Andi:
„Worüber beklagen die sich eigentlich?“
Um diese Frage zu beantworten, müsste man etwas tiefer in die politische Geschichte des Bundeslandes Bayern eintauchen und feststellen, warum gerade in Bayern die CSU als Schwesterpartei der CDU existiert und warum sie seit Jahrzehnten so hohe Erfolge (weit höher als jeder andere CDU-Landesverband) einfährt. Das sollte ich vielleicht wirklich mal machen. Aber ganz abgesehen davon muß die CSU einsehen, das der Trend „weg von der Volkspartei“ und hin zu größerer Vielfalt im Parlament auch in Bayern nicht zu stoppen ist. Die Partei müsste sich selbst mal fragen, warum das so ist – ohne dies gleich nur auf das Erstarken der Linkspartei zurückzuführen und es sich so sicher viel zu leicht zu machen.
„Wisst Ihr, was ICH dramatisch finde? Die Ergebnisse in Österreich, dem Land, das nur zu gerne darüber hinweg geht, dass es maßgeblich am Ausbruch beider Weltkriege beteiligt war. Knapp 30% für rechts außen?“
Die CSU kann in der Tat froh sein, das sie mit den freien Wählern eine Art „konservative Protestpartei“ im Parlament hat, die (übrings wie die Linke) ein Erstarken des rechten Randes (aufgrund des Protestpotentiales, das die CSU zumindest in Bayern mehrheitlich verschuldet haben dürfte!) verhindert. Die Anlässe in Österreich geben in der Tat großen Anlaß zur Sorge. Man stelle sich vor, das NPD und DVU bei der Bundestagswahl antreten und jeweils 10% kriegen. Da wird mir mehr als leicht übel.
@MindSpy:
Ich kann dir nur zustimmen. Zu Beckstein und Huber (+ Haderthauer) hast du alles gesagt. Bei Seehofer bin ich auch der Meinung, das er nicht der Richtige ist (siehe die beiden verlinkten Beiträge von mir im Artikel selbst). Die CSU macht im Grunde das Gleiche wie die SPD – sie stellt einfach die im Volk populärsten Leute (vgl. Müntefering und Steinmeier) vor die Partei und hofft so, das die Umfragewerte steigen. Ein sehr durchsichtiges Manöver.