Die Reihe “Plattenteller” geht weiter mit einer Gruppe, die für mich immer wichtiger wird – “Disreali Gears” ist bereits das zweite Album von Cream, das ich hier rezensiere.
Warum wird Cream für mich als Band nun immer wichtiger? Auf jeden Fall ist ein Grund Eric Clapton – wer das Talent von Clapton überhört, hat nun wirklich keine Ahnung von Gitarrenmusik. Darüberhinaus markiert die Musik von Cream für mich eine Grenze – nämlich für meinen Geschmack die Obergrenze für die Härte der Rockmusik. Das klingt jetzt merkwürdig, ich weiß. Aber so manches Gitarrenriff ist bei aller Genialität auch hart an der Grenze, die für mich noch hörbar ist. Alles was darüber hinaus geht, ist mir also sozusagen “zu Heavy”. Ein weiterer offensichtlicher Fakt, der die Musik von Cream stark prägt, ist der ausschwefende Konsum verschiendenster Drogen – ich bin gegen Drogen, aber der Musik hat das zumindest offensichtlich nicht geschadet. Zu allem Übefluß trägt die Band das auch noch textlich offen zur Schau – mehrere Zitate enthalten Anspielungen darauf oder zumindest inhaltliche Abhandlungen, auf die man im nüchternenen Zustand nach meiner Einschätzung nur schwer kommen kann.
Opener ist der Singlehit “Strange Brew” (GB #17), der schonmal textlich durch eine Drogenanspielung auffällt (“Strange brew / kill what’s inside of you”), aber wie musikalisch fast alles von Cream über jeden Zweifel erhaben ist. Danach folgt einer der größten Hits der Gruppe – “Sunshine Of Your Love” (GB #25, US #5). Das Gitarrenriff ist eines der markantesten, das ich kenne. Ich habe das Album ja in der Grabbelbox eines großen Elektrofachmarktes für unfassbar günstige 5€ erstanden – allein das Riff ist das mehrfache des Preises wert. Was für ein Preis-Leistungs-Verhältnis!
Im nachfolgenden “World Of Pain”, das in seiner melancholischen Art durchaus zu gefallen weiß, sind vermutlich auch Drogen im Spiel gewesen – wie sonst kommt man auf die Idee, über einen Baum zu referieren, der draußen vor dem Fenster steht und nur einem selbst gehört? Der Titel des Songs sagt alles. Beim nachfolgenden “Dance The Night Away” steht die Gruppe gleich weiter voll im Stoff. “Gonna build myself a castle / High up in the clouds” – unwarscheinlich, dass das Tanzen im wortwörtlichen Sinne gemeint war. Egal, das Gitarrenintro ist klasse!
Dann folgt “Blue Condition” – ich will nicht zu jedem Titel die Drogenanspielung zitieren, aber ich könnte es. Musikalisch fällt der Titel etwas aus dem Rahmen, die Nummer könnte man fast auf dem Rummel als Hintergrundbeschallung nehmen. Dann kommt “The Tales Of Brave Ulysses”, der Text ergibt für mich keinerlei Sinn, aber das Gitarrenriff erinnert mich an einen anderen Titel – ich komme nicht drauf!
Neben den beiden Singlehits ist “Swlabr” dann für mich das dritte musikalische Highlight. Und textlich? Kleine Kostprobe: “So many fantastic colours / I feel in a wonderland / So many fantastic colours / Makes me feel so gooooood!” Dann folgt “We’re Going Wrong”, das psychedilischer nicht sein kann, was vor allem am was jammernden Gesang von Jack Bruce liegt – aber auch das kennt man von anderen Stücken der Gruppe. Dann gibt es wieder mehr E-Gitarre, auf “Outside Woman Blues”, aber der Titel des Stücks ist schon ziemlich, sagen wir mal “unkonventionell”. Auf hohem Niveau folgt dann “Take It Back”, bevor dann die Platte mit “Mother’s Lament”, offenkundig einer Art Volkslied, endet – das die Band solch einen Titel für ihr Rockalbum wählt, ist auch irgendwie bezeichnend.
Zusammenfassend kann man sagen: musikalisch über jeden Zweifel erhaben, textlich zwischen lustig und grenzwertig. Mit Eric Clapton. Die Scheibe gehört wie der Nachfolger (Link unten!) in jede gut sortierte CD-Sammlung!
Links zum Thema:
=> Plattenteller: Cream – Wheels Of Fire (1968)




Vor dem virtuosen Können von Clapton und Co. ziehe ich respektvoll den Hut. Aber mögen mag ich die Musik trotzdem nicht – sie spricht mich nicht genug an, als dass ich mich begeistern könnte.
Ja, Cream waren wirklich einzigartig. Mit ihrem bluesigen, gitarrenorienierten und ein wenig experimentiellem Rock haben sie mit den Hits ‘Strange Brew’ und ‘Sunshine of your love’ richtige Klassiker geschaffen. Und wenn man bedenkt, das Eric Clapton damals erst 21 Jahre alt war…
Ein Highlight ist auch die großartige Schallplattenhülle, die ja eigentlich nur auf der Vinyl-LP so richtig “groß” rauskommt, denn CD Cover sind leider viel zu klein, um die Kreativität der Cover-Künstler zu zeigen…
Gruss von Rosie