Ein Sturm der Entrüstung fegt durch die Linkspartei! Altkanzler Helmut Schmidt hat Oskar Lafontaine mit Adolf Hitler und den französischen Rechtspopulisten Jean-Marie Le Pen verglichen. Genau sagte Schmidt:
„Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.“
Jetzt sind in der Linkspartei natürlich alle ziemlich angesäuert – der stellvertretende Parteivorsitzende Klaus Ernst kontert:
„Seine Worte sind ungeheuerlich. Da kann ich nur sagen: alterssenil.“
Helmut Schmidt ist natürlich nicht alterssenil! In der Linkspartei wird nur zu gerne übersehen, das Helmut Schmidt nicht die Person oder das Wirken von Oskar Lafontaine mit dem von Adolf Hitler verglichen hat. Schmidt hat ja lediglich gesagt, das beide charismatische Redner waren – und dem kann ja nun wirklich niemand widersprechen!
Helmut Schmidt wollte also sicherlich nicht die Greueltaten eines Adolf Hitler auch nur im Entferntesten mit der Arbeit von Oskar Lafontaine in Verbindung bringen, das wäre wirklich eine Ungeheuerlichkeit und man müsste dann wahrlich an seinem klaren Geisteszustand zweifeln. Da er das aber nicht tut, muß ich dem Satz von Schmidt, so wie ich ihn oben zitiert habe, zustimmen.
Eigentlich finde ich sogar, dass das Zitat von Klaus Ernst noch viel schwerer wiegt. Jemanden als alterssenil zu bezeichnen ist schon dicht dran an einer Beleidigung, noch dazu wenn man selbst nicht in der Lage ist, ein Zitat richtig zu interpretieren!




Man merkt, der Wahlkampf hat auch auf Bundesebene begonnen. Dank der ganzen anmaßenden Angriffe gegenüber der Linken, können die sich gewiss sein, zumindest ins Licht der Medien gerückt zu werden.
Vielmehr könnte das sogar die Popularität der Partei steigern.
Das ganze Quergeschieße gegen die Linkspartei und die Kommunismus-Sprüche der anderen Lager gehen mir ja auch auf den Geist – aber wenn man den Vergleich von Schmidt ausschließlich darauf bezieht, das alle drei charismatische Redner sind, dann hat er einfach recht.
Schmidt ist ein Haudegen von einem Taktiker. Der wusste genau, was er sagt, wie er es sagt, und was daraus gemacht werden würde. Deshalb ist sein Vorgehen nicht über Zweifel erhaben, es riecht ein wenig.
Rein analytisch betrachtet schon
Aber im gewissen Sinne sollte den Ausspruch schon nicht seinen Zweck verfehlen
Genau so ist es!
Die Sache ist doch die: Sobald in Deutschland IRGENDEIN Hitler-Vergleich gebracht wird, gehen doch alle auf die Barrikaden, auch wenn er – wie hier – eigentlich in dem Zusammenhang, in dem er gebracht wurde, vertretbat sein mag.
Wenn nun aber ein politisches Schwergewicht wie Schmidt einen solchen Vergleich bei Lafontaine wagt (und ich glaube NICHT, dass er alterssenil ist!), dann deutet er damit an, dass bei Lafontaine ein solcher Vergleich eher gerechtfertigt ist als bei anderen, und das ist schon eine ziemliche Ungeheuerlichkeit!
Dabei ist es eigentlich überhaupt nichts Negatives, ein charismatischer Redner zu sein. Lafontaine aber ist ein hemmungsloser Populist, und das IST etwas Negatives.
Nichtsdestotrotz zeugt das Feindbild, welches die SPD sich von der Linken aufbaut, nur noch von Hilflosigkeit.
Ich sage NEIN ZU OSKAR…
Aufgepasst: Eine Mitmach-Aktion von Padre!Kein anderer Politiker hat mir in den letzten Jahren derart Unbehagen in mein tolerantes Hirn getrieben. Wenn soviel populistische Energie und egomanischer Machthunger zusammentreffen, sträuben sich bei mir …
Wir sind alle Menschen, jeder einzelne Nazi war einzeln wohl genauso harmlos wie wir es sind. In der Gruppe wurden sie zu Bestien. Es gibt viele Alltagangelegenheiten, wo viele mächtige Persönlichkeiten aus ihrer Position der Macht heraus handeln, was oft verwerflich ist. Nazi/Hitler-Vergleiche sind oftmals Ausdrücke, wozu im Vorfeld normale Umgangsarten fruchtlos blieben. Es wird hoffentlich niemals wieder einen „Hitler“ geben, welcher in so vielen Sachen so radikal unmenschlich zu aggiern in die Lage versetzt wird. In kleinen Teilbereichen haben wir doch täglich kleine „Hitlerleins“. Dies wird politisch meistens geduldet. Die Personen welche die Vergleiche ziehen sind die Bösewichte, diejenigen welche verwerfliche Handlungen begehen sind dann die Opfer
Es gibt zahlreiche Hitlers, in Afrika, Asien, Südamerika… naja, und vor noch allzu langer Zeit zum Beeispiel auf dem Balkan… Hitler war nur einflussreicher, aber ich denke nicht, dass die Schwere der Verbrechen durch die bloße Anzahl der Toten bestimmt wird. Solche Unmenschlichkeiten waren und sind in der Welt an der Tagesordnung. Im privaten Rahmen sowieso.
„Unmenschliches“ Verhalten ist ein normales, wenn nicht sogar das typischste menschliche Verhalten.
@Andi: Ich finde überhaupt nicht, das die Aussage von Helmut Schmidt eine Ungeheuerlichkeit ist. Er sagt das, um zu provozieren und gehört zu werden und ihm ist klar, das es auch mißinterpretiert wird (also ist er nicht senil) – aber da er im Kern nur die Fähigkeit der charismatische Rede meint, finde ich die Aussage völlig in Ordnung!
@Georg: Böse Menschen sind einzeln immer hilflos und schwach. Das heisst aber nicht, das auch jeder Mensch das Böse in sich trägt.
Hm, ich sehe das nicht so klar wie du – natürlich ist Lafontaine ein brillianter Redner, wie auch Joschka Fischer oder es eben der nette Mann aus Braunau war. Aber Hitler-Vergleiche sind meiner Meinung nach doch eine anderes Kaliber als zum Beispiel ein Vergleich mit John McCain oder wegen mir Robert Mugabe, da bei Hitler immer „der größte Massenmörder des 20. Jahrhunderts“ mitschwingt. Ob das berechtigt ist oder dieser Titel genausogut Pol Pot, Stalin oder Mao zustehen würde, ist dabei für mich unerheblich – ich denke es und ich denke, dass viele andere Menschen es auch denken. Im Endeffekt ist es das selbe, wie damals, als Rumsfeld Deutschland in einem Atemzug mit Lybien und dem Iran (war es der Iran?) genannt hat: Der Vergleich mag oberflächlich gesehen absolut korrekt sein, aber die Tiefenwirkung ist eine andere. Und bei Hitlervergleichen ist die Tiefenwirkung meiner Meinung nach für den betroffenen schlimmer als für ein Land, dass in eine Reihe mit „Schurkenstaaten“ gestellt wird, weil es sich einem völkerrechtswidrigen Krieg verweigert hat…
Aber ich muss auch zugeben, dass ich sehr sensibel bin, was Nazivergleiche und-symbolik angeht…
Man kann sich eben von Helmut Schmidt provozieren lassen oder einfach nur die nackte Aussage betrachten, in der er sagt, das Lafontaine ein ähnlich brillanter Redner wie Hitler ist. Dem stimme ich zu.
Ich bin mir sicher, das Schmidt genau wusste, was er sagt, das ihm klar war, das er mit dieser Aussage polarisiert. Aber letztendlich wollte er nur die rhetorischen Fähigkeiten vergleichen.
Wenn Hitler nun der größte Massenmörder des zwanzigsten Jahrhunderts ist, so gibt es noch eine Reihe Persönlichkeiten, die als ähnlich oder gleich böse einzustufen sind, deren „Wirken“ allerdings nicht so viel Schaden angerichtet hat – das ist aber auch egal, jeder Tote oder auch bereits in seiner Freiheit eingeschränkte Bürger ist zuviel. Tut hier aber alles nichts zur Sache, da Lafontaine zu diesen Leuten ganz sicher nicht gehört. Wir dürfen uns ja immerhin noch aussuchen, ob wir seinem realitätsfernen Gerede zuhören und es glauben – oder eben nicht.