Meine Plattenteller-Kategorie bietet derzeit sicher mehr Überraschungen als jede CSU-Pressekonferenz – und deshalb sind jetzt die Pet Shop Boys an der Reihe!
Ich höre die Pet Shop Boys heute sicher nicht mehr so häufig wie früher, da sich mein Geschmack etwas mehr in Richtung Rock gedreht hat – doch früher habe ich die Jungs immer dann aufgelegt, wenn ich keine Lust auf Supertramp, Jethro Tull oder Steely Dan hatte. Aber das wird den Pet Shop Boys nicht wirklich gerecht. Bei der durchaus vorhandenen kommerziellen Ausrichtung sind die Pet Shop Boys doch keine normale Pop-Gruppe, da ihr Werk textlich und künstlerisch einen wesentlich höheren Anspruch hat und diesen zumeist auch erfüllt. Nicht umsonst haben die Jungs auf ihrer Best-Of-Compilation “PopArt” ihre größten Hits nach Pop und Kunst sortiert!
Also sage ich hier mal was zu ihrem Debüt-Album mit dem Namen “Please”, der Name ist ja schonmal witzig. Abgesehen davon, das alle ihre Alben nur mit einem Wort betitelt sind, hat dieses Album den Namen “Please” bekommen, damit man den Plattenladen seines Vertrauens aufsuchen kann um ihn zu fragen: “Excuse me, may I have the new Pet Shop Boys-record, please?”.
Opener ist dann “Two Divided By Zero”, der Titelsatz stammt von einem Taschenrechner, der bei einer Division durch null immer diesen Text gesprochen hat. Darauf muß man erstmal kommen, das in einen Song zu basteln! Der nächste Titel “West End Girls” (D #2, GB #1, US #1) ist nichts weniger als einer der großartigsten Titel der gesamten 80er-Jahre – das kann ich wohl behaupten, ohne zu übertreiben. Textauszug: “You think you’re mad, too unstable / Kicking in chairs and knocking down tables / In a restaurant in the West End town / Call the police! There’s a madman around” – bei solchen Textzeilen macht auch das Mitsingen Spaß! Nächster Kracher ist dann gleich “Opportunties (Let’s Make Lot’s Of Money)” (D #25, GB #11, US #10) – der Text hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt: “I’ve got the brain / You’ve got the look / Let’s make lots of money”. Da denke ich immer an Germany’s Next Topmodel und ähnliche strunzdumme Showveranstaltungen, bei denen die Kiddies ausgenutzt werden, bevor man sie wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Nützt ja nichts.
Dann kommt “Love Comes Quickly” (D #17, GB #19, US #62), ein ganz guter Song und sozusagen das inhaltliche Gegenstück zu ihrem Titel “Love Is A Catastrophe” aus dem Jahre 2002. Wenn auch der Refrain inhaltlich zutreffender kaum sein könnte, handelt es sich doch um einen der schlechtesten Reime, die ich je gehört habe: “Love comes quickly / Whatever you do / You can’t stop falling / Uhhh Uhhh” – aber wer so groß ist wie die Pet Shop Boys, hat Narrenfreiheit. Dann kommt “Suburbia” (D #2, GB #8), kennt sowieso jeder aus dem Radio – der Titel zählt allerdings nicht zu meinen absoluten Highlights, wenn ich ehrlich bin, und zwar weil der Titel zu sehr in Richtung Radiokompatibilität geht!
Die zweite Hälfte der Scheibe fällt dann etwas ab. Nach dem eigentlich überflüssigen “Opportunities (Reprise)”, das nochmal eine halbe Minute das Grundthema von “Opportunties (Let’s Make Lots Of Money)” wieder aufgreift, folgt das unauffällige “Tonight Is Forever”. Dann kommt “Violence”, wo mich sogar die Drums überzeugen und das als “Violence (Hacienda Version)” nochmal später aufgenommen und auf der B-Seiten-Collection “Alternative” veröffentlicht wurde. Dann kommt “I Want A Lover”: “I don’t want another drink or fight / I want a lover, tonight” – musikalisch ist der Titel Füllmasse. Dann noch eine positive Überraschung “Later Tonight” – der Titel überzeugt mit Unplugged-Klavierspiel. Sänger Neil Tennant meint zu “Later Tonight”: “This is such a sad song. This is the most gay song we’ve ever written, practically, and no one noticed it at the time.”. Verstehe ich nicht, weil der Titel doch zumindest musikalisch aus der Reihe fällt, das hätte doch jemandem auffallen müssen. Dann endet die CD noch mit “Why Don’t We Live Together?” – musikalisch auch irgendwie Füllmasse.
Tja, man muß die CD auf jeden Fall mal gehört haben. Der Fan von Pop-Musik muß sie aufgrund der Relevanz auf jeden Fall im Schrank haben, würde ich doch sagen. Mal sehen, ob ich zumindest die nächsten Alben der 80er Jahre auch noch bespreche.



“Mal sehen, ob ich zumindest die nächsten Alben der 80er Jahre auch noch bespreche.” – Das wäre schön…
Das liegt auch absolut im Bereich des Möglichen – mal sehen, wann es weiter geht!