Weiter geht es mit (relativ) neuen Platten – diesmal ist die erste Platte von Hard-Fi dran, auf die ich bei Fussball-Manager zocken aufmerksam geworden bin.
Beim Fussball-Manager zocken? Ja, der Titel “Cash Machine” war nämlich Bestandteil des Soundtracks des Spiels “Fussball Manager 2006″, welches ich längere Zeit gespielt habe. Tja, Hard-Fi – im Grunde eine Band mit großem Potential, wenn einige Songs nicht so ihre Macken hätten. Obwohl der Sänger und Songwriter Richard Archer bereits 1973 geboren wurde, werden in den Texten fast ausschließlich Themen abgehandelt, die man doch rein instiktiv eher in den Zeitraum der Pubertät einordnen würde – manchmal wird das textlich mit einem Augenzwinkern dargestellt und funktioniert, manchmal geht es aber auch daneben.
Gut funktioniert es zum Beispiel beim bereits erwähnten Opener “Cash Machine” (D #75, GB #14), in dem ständige Geldprobleme thematisiert werden, das Ganze geht dann soweit, das es nicht mal mehr für Präservative reicht: “What am I going to do? / My girlfriends test turned blue / We tried to play it safe / That night we could not wait” – ganz amüsant formuliert. Witzig sind dann die “There’s a hole in my pocket”-Chöre am Ende. Danach kommt “Middle Eastern Holiday”, welches sich ziemlich unauffällig in das Album einfügt – ohne ein Highlight zu sein. Es folgt die erste Single “Tied Up Too Tight” (GB #15), die zwar mit einem krachigen Gitarrensolo für einiges entschädigt, aber schon durch unnötige “Na na na na na”-Background-Chöre einen durchwachsenen Eindruck hinterlässt. Dann kommt ein Highlight – “Gotta Reason”! Das Gitarrenmotiv hebt den Titel hier doch deutlich aus dem Mittelmaß heraus, das Gitarrensolo (“Let’s go!”) haut richtig rein, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber – das ständige Rumgestöhne (das zum Glück halbwegs in den Hintergrund gemischt ist) macht fast alles wieder kaputt, zudem ist der Text doch sehr einfach gestrickt: “Yeah you look so good / I want to eat you up like food / Baby lets generate some heat” – na ja, tanzbar ist es auf jeden Fall, so wie fast alle Titel auf dem Album schon ungeremixt zum tanzen animieren.
Dann kommt mit “Hard To Beat” (D #80, GB #9) der größte Singlehit des Albums, der dann wie “Gotta Reason” zu den Highlights zählt, aber auch wieder aufgrund der Lyrics Punkte verschenkt – ein Zitat schenke ich hier mal. Viel lieber möchte ich noch sagen, das mich der Titel irgendwie an “Move Your Feet” von “Junior Senior” erinnert – das war vor ein paar Jahren mal ein riesiger Dance-Hit, an den sich einige sicher noch erinnern können. Es folgt “Unnecessary Trouble”, die “Whoo whoo whoo”-Chöre am Anfang machen dem Songtitel alle Ehre. Dann kommt “Move On Now”, eine Klavierballade, die für meinen Eindruck doch sehr gelungen ist. Der Titel entlarvt die Band dann aber doch eher als kommerzielle Popgruppe und nicht als Indie-Band, denn ein Pop-Album erkennt man ja stets an der Herz-Schmerz-Ballade – und das hier ist eine, aber eine gute! Mit Herzschmerz geht es weiter – “Better Do Better” (GB #14) war ein Single-Erfolg und darf ebenfalls zu den musikalischen Highlights gezählt werden. Dann kommt “Feltham Is Singing Out”, das mir wie “Middle Eastern Holiday” eher wie Füllmasse vorkommt. Durchaus witzig zeichnet dann das wieder mal partytaugliche “Living For The Weekend” (GB #15) ein treffendes Bild der Party-Jugend:“Oh, I’ve been all week I’m tired / I’ve been working all week and I’m / Just livin for the weekend” – musikalisch finde ich den Titel auch durchaus gelungen, schön sind die Geigen im Hintergrund, der Refrain fetzt. Der textlich anspruchsvollste Text ist dann ausgerechnet der Rausschmeißer – “Stars Of CCTV” handelt von der ständigen Verfolgung durch Überwachungskameras (Closed Circuit Television) – doch die Jungs nehmen es mit Humor: “We’re the stars of CCTV / Making movies out on the street”. Musikalisch ist der Titel aber wohl nur Durchschnitt, ziemlich langweilig – außerdem singt mir Archer da stellenweise ein bißchen zu hoch.
Und das Fazit? Hard-Fi verschenken durchaus vorhandenes Potential in Songwriting und Instrumentalisierung durch teilweise allzu pubertäre Texte und Boygroup-Anleihen musikalischer Natur (“Na na na na”,“Whoo whoo whoo”,Rumgestöhne). Eine ganz große Band wird Hard-Fi vermutlich nie, dafür sind sie in England und übrings auch in Peru (drei Singles aus dem Nachfolger “Once Upon A Time In The West” in den Top 10) sehr populär – und die Musik macht Spaß!




Oh mann die CD habe ich auch! Gleich mal wieder raussuchen, so lange nicht mehr gehört! Schade eigentlich
Die Auswahl der Alben hier gefällt mir äußerst gut
Ich fand die Texte jetzt nicht ganz so debil, aber es schon Anspruchsvolleres…
Übrigens perfektes Timing für diesen Plattenteller, wo jetzt diese andere Band ein komplettes Video mit CCTV-Kameras gedreht hat…
Aber ich werde mich wohl Basti anschließen und beide Alben die Tage nochmal hören.
PS: von den Young Knives habe ich mir das Debutalbum zugelegt und auch von den Dirty Pretty Things – sehr gute Empfehlungen!
@Basti: Ja, mach das doch mal!
@JuliaL49: Bei den Young Knives (zweites Album läuft bei mir gerade hoch und runter – Kritik folgt!) und den Dirty Pretty Things (in Kürze erscheint zweites Album) freue ich mich sehr auf deine Kritiken!