Jetzt ist es also amtlich – im Hamburger Senat wird es das erste Bündnis aus CDU und den Grünen (hier: GAL) geben – jetzt wird natürlich munter über Veränderungen in der 5-Parteien-Landschaft diskutiert und ob es ein solches Bündnis auch auf Bundesebene geben könnte. Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber (was hat der eigentlich damit zu tun – in Bayern braucht die CSU doch niemanden als Mehrheitsbeschaffer?) sagt:
„Das mag in einer Großstadt wie Hamburg funktionieren, ist aber kein Modell für die Zukunft.“
Wolfgang Gerhardt (FDP) meint:
„Schwarz-Grün wird mit Sicherheit nicht in Mode kommen.“
Die Debatte geht jedoch an programmatischen Gesichtspunkten mal wieder völlig vorbei. Die eigentliche Frage ist jedoch eine ganz andere: Wofür stehen die Grünen eigentlich im Jahre 2008? Haben die Grünen ihren Namen überhaupt noch verdient? Ich habe mal einen Blick in das Grundsatzprogramm geworfen und bin dort auf folgende Passage gestoßen:
„Als Teil der Natur kann der Mensch nur leben, wenn er die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt und sich selbst demgemäß Grenzen setzt. Der Schutz der Natur und ihrer Lebensformen ist auch um ihrer selbst willen geboten. [...] Unsere Vision ist eine Welt, in der die natürlichen Lebensgrundlagen geachtet und bewahrt werden.“
Wenn ich jetzt lese, das man die Entscheidung über den Bau eines Kohlekraftwerkes „der zuständigen Behörde“ überlässt und es nichtmal schafft eine eindeutige Aussage diesbezüglich in den Koalitionsvertrag zu schreiben, dann wird mir bezüglich der Grünen doch ein bißchen nostalgisch zumute. Zweiter Punkt ist die Elbvertiefung – die reden von natürlichen Lebensgrundlagen und schlagen als Kompromiss eine Vertiefung um einen halben statt eines ganzen Meters vor? Als ob das ein weniger starker Eingriff in die Natur wäre!
Grade fing ich an, die Grünen als ökologische Alternative zu der SPD zu sehen – aber wenn man jetzt aus Machtgeildheit alle Prinzipien über Bord wirft, dann habe ich mich wohl getäuscht!





Tja. Ich hatte ja seit den Actzigern gehofft, dass die Grünen die überflüssige FDP in unserer Parteienlandschaft ersetzen würden – aber doch nicht, indem sie diese in punkto (beliebiger) Programmatik kopiert!
Ich bin entsetzt und desillusioniert.
Andereseits sehen wir das Ganze vielleicht aus der falschen Warte. Von wem gehen denn heute überhaupt noch Denkanstöße und der Wille zur Veränderung aus? Von der Linken!
Sind die zur Zeit eine seriöse oder gar regierungsfähige Partei? Nicht wirklich (obwohl das in Berlin ja ganz gut zu funktionieren scheint). Nur – das waren die Grünen ursprünglich ja auch nicht! Auch die Grünen waren einst ein Sammelbecken für radikale, populistische und idealistische Strömungen, ein zerstrittener Haufen, der eigentlich nur dadurch geeint wurde, wirklich etwas bewegen zu wollen (auch wenn man sich nur schwierig einig werden konnte, in welche Richtung denn eigentlich genau).
Vielleicht ist das ja der normale Lebenszyklus einer Partei, die frischen Wind bringt: Erst sind sie unseriöse Idealisten, mit denen keiner so recht will. Dann beginnen die großen Parteien aus Machtkalkül dami, sie zu zähmen. Als nächstes gelingt es ihnen, ihr Programm zumindest punktuell in den politischen Mainstream zu integrieren, während sie selbst sich diesem Mainstream anpassen, um regierungsfähig zu werden. Und am Ende ist vom Idealismus nichts mehr übrig und wir haben eine weitere, austauschbare, nur auf Regeierungsbeteiligung versessene Partei in Deutschland.
Ja, die Linken scheinen einen ähnlichen Weg zu gehen. Berlin ist ein Zeichen, dass Phase zwei eingeleitet wurde. Der Umstand, dass die CDU in den letzten Jahren ihre soziale Ader entdeckt hat, ein weiterer Hinweis. Ich gebe ihnen maximal zwei Bundestagswahlen, dann werden die Linken auch auf Bundeseben ein noch ein wenig unbequemer, aber verlässlicher Regierungspartner sein, genau so wie einst die Grünen.
Und genau so wie diese werden sie sich selbst dann durch programmatische Beliebigkeit wieder überflüssig machen. Vielleicht ist das aber die einzige Art, auf die Bewegung in der Parteienlandschaft möglich ist: Der Druck muss immer von einer erfolgreichen, populistischen neuen Partei ausgehen, die sich aber bei dem Vorgang, ihre Vorstellungen teilweise durchzusetzen, selbst abnutzt.
Irgendwie schade um die Grünen. Aber der Marsch durch die Institutionen wurde offenbar zum Bumerang und die Grünen nun selbst zur Institution. Wer die letzte Angel-Staffel gesehen hat, kennt dieses Prinzip ja…
„Von wem gehen denn heute überhaupt noch Denkanstöße und der Wille zur Veränderung aus? Von der Linken!“
Ich finde es ist zu einfach, die Linkspartei mit den Grünen zu vergleichen. Die Linkspartei bezieht ihr Potential aus überzogenen populistischen Forderungen und Protestwählern. Ich würde der Partei also maximal noch indirekt Denkanstösse zur Veränderung unterstellen, den Willen allerdings nicht. Man kann es auch nicht direkt als Gestalten bezeichnen, wenn zum Beispiel die SPD ein bißchen nach links driftet – aus Angst, das sie zu viele Stimmen an die Linkspartei verliert. Die Linkspartei gestaltet also nicht – sie beeinflusst die anderen Parteien indirekt mit ihrer Existenz.
Ich finde daher, das auch aus der Linkspartei nicht mehr Ideen kommen, als aus den anderen Lagern.
„Der Druck muss immer von einer erfolgreichen, populistischen neuen Partei ausgehen, die sich aber bei dem Vorgang, ihre Vorstellungen teilweise durchzusetzen, selbst abnutzt.“
Wenn deine Theorie stimmt, kann es sich hier aber um nichts wirklich neues handeln, sondern viel mehr um den erneuten Aufguß einer alten Idee – denn für soviele politische Grundausrichtungen ist auch nicht Platz, als das sich alle 10 bis 20 Jahre eine Neue etablieren könnte.
Waren die Grünen denn in Gründerzeiten ähnlich populistisch wie die Linkspartei heute?
Und was jetzt noch kommt, ist vielleicht ziemlich düster: ich glaube auch, das sich die politische Grundordnung der BRD so langsam ein bißchen abgenutzt hat, so daß der Wähler insgesamt offener/anfälliger ist für Protestparteien. Früher war er wohl eher froh, das es nach dem Kriegsende wieder bergauf geht.
Würdest du mir da zustimmen?
Die NPD hat bereits in den 60er Jahren bestürzend gut Ergebnisse eingefahren, daher stimme ich Dir nicht zu.
Überhaupt denke ich,d ass man es sich zu einfach macht, wenn man die Linke NUR als populistisch bezeichnet – das ist sie vielleicht in ihren Formulierungen und teilweise unausgegorenen Vorschlägen (wo ist da der Unterschied zu den etablierten Parteien) und vor allem ihre Bereitschaft, das gesamte linke Spektrum in sich auszunehmen, einschließlich ewiggestriger Sozialisten, aber die Grundidee, dem Staat wiede rmehr Recht und Pflichte im ökonomischen Sektor zu geben, ist nicht wirklich populistisch, sondern schlicht in Wirtschaftskreisen unpopulär.
In der Politik gibt es ja selten harte Fakten, aber in den Naturwissenschaften zum Beispiel sieht man sehr schön, wie rasch jemand als Phantast bezeichnet wurde, der im Nachhinein mit seinen Ideen Recht behielt.
Das Problem der Linken ist eben, dass man von einer Partei, die seine Vorstellungen mit moralischen Argumenten (wie zum Beispiel der Verantwortung des Staates für das Wohlergehen seiner Bürger) begründet, auch erwartet, dass sie sich selbst moralischer verhält als die etablierten Parteien und zum Beispiel ehrlicher und sachlicher auftritt. Da Lafontaine und Co. das natürlich nicht tun, klafft eine zu offensichtliche Lücke zwischen ihrem Anspruch, die Republik verbessern zu wollen und ihrem Auftreten, den die etablierten Parteien natürlich genüsslich ausschlachten.
Nur – hätte denn eine Partei, die ausschließlich mit fundierten und detaillierten Sachargumenten Wahlkampf betreibt, auch nur den Hauch einer Chance, die 5-Prozenthürde zu erreichen?
Wir schimpfen immer gerne auf unsere Politiker (gerade Du immer wieder mit Deinen Worthülsen), aber letztlich bekommt der bundesdeutsche Wähler doch genau diejenigen Politiker, die er verdient hat.
Lafontaine schöpft sein Wählerpotenzial aus, und damit erfüllt er seine Pflicht. Ein wirkliches Urteil über die Regierungsfähigkeit der Linken kann man erst abgeben, wenn man sie regieren gesehen hat. Ohne behaupten zu wollen, dass ich mich intensiv damit beschäftigt hätte, sage ich jetzt einfach mal, dass sie das in Berlin auch nicht schlechter machen als jede andere Partei.
Lafontaine ist ein Nazi!
Entschuldigung, aber wenn mich etwas mehr aufregt als alles andere an der Linkspartei, dann die Tatsache, dass es anscheinend keinen intererssiert, dass Lafontaine auf Nazistimmenfang gegangen ist, wahrscheinlich um zu gucken, was man denn so alles als „linker“ Politiker darf. Seine Fremdarbeiter werde ich ihm nie verzeihen und eine Partei, die einen Nazi zu ihrem Fraktionsvorsitzenden macht, auch nicht. Es ist schon schlimm genug, dass sich die CDU so schwer mit den Rassisten in ihren Reihen macht, aber die Linkspartei ist moralisch schon jetzt verdorbener als es die Grünen je sein können.
Und jetzt zu den Grünen: Als Grünen-Stammwähler bin ich froh, dass sich die Partei bewegt hat und damit wieder Handlungsfähigkeit gewonnen hat. Plötzlich sind die Grünen wieder auf der politischen Bühne. Wohin sie wandern, nun, das wird sich zeigen; wenn Moorburg kommt, dann war’s das und die grüne Bewegung ist am Ende – bleiben sie aber hart, dann sind sie endlich das, was ich von ihnen erwarte: Die linke und ökologische Alternative zur FDP. Und auch wenn ich damit nicht die Mehrheit der Grünen-Wähler repräsentiere, möchte ich doch wissen, welches Profil die Grünen sonst ausfüllen sollen? Die Grünen sind eine bürgerliche Partei, sie wird von Akademikern und Bauern gewählt, nicht von Arbeitern; warum soll sie links sein? Diese Rolle wird von Linkspartei und SPD viel besser ausgefüllt.
Solange Moorburg nicht gebaut wird, stehe ich zu den Grünen und komme auch nicht in moralische Gewissensnöte. Eine CDU, die sich bewegt und die Grünen ernst nimmt ist mir immer noch lieber als eine SPD, die die Grünen als Gott gewollten Koalitionspartner ansieht.
Und noch ein Wort zur Elbvertiefung: Persönlich bin ich gegen eine Elbvertiefung, aber nun hatte ich letztes Semster zwei Fächer, die sich mit Häfen beschäftigen und dies führt mich in ein Dilemma. Ökologisch ist die Elbvertiefung eine Katastrophe, aber solange wir nicht unser Wirtschaftssystem von kontinuierlichem Wachstum auf Ressourcenorientierung und Nachhaltigkeit umstellen (und zwar genau heute),wäre alles andere wirtschaftlicher Selbstmord. Wir haben keine Alternative zum Containertransport und die Wachstumsraten sind immens. Es führt kein Weg daran vorbei, größere Schiffe in Hamburg anlanden zu lassen, wenn Deutschland sich nicht endgültig vom Welthandel abkoppeln möchte. Wie gesagt, mit einer anderen Wirtschaftspolitik ließe sich das vielleicht vermeiden, aber solange ist Hafenausbau die einzige Alternative.
Nachdem ich den Koalitionsvertrag überflogen habe, fühle ich mich grötenteils bestätigt.
Wenn ich von der Prämisse ausgehe, dass das Kohlekraftwerk als Zugeständnis für die Elbvertiefung nicht kommt, aus zustimmungstaktischen Gründen (Grüne UND CDU müssen zustimmen!) aber noch nicht festgeschrieben ist, dann ist der Koalitionsvertrag ordentlich und hat Zugeständnisse an beide Seiten. Bei den Studiengebühren wird ein vernünftiger Kompromiss getroffen, bei Straßenbahn, Kitas und Weltnaturerbe haben die Grünen punkten können. Wäre da nicht noch der Unsicherheitsfaktor Moorburg würde ich sagen: Schade, dass ich nicht in Hamburg wohne! Das wird sicherlich spannend…
Lafontaine als Nazi zu denunzieren ist in meinen Augen eine typisch deutsche Verarmlosung der Nazi-Verbrechen, an der sich strukturell der Großteil der deutschen Bevölkerung beteiligt hat. Die Reduktion des Nazismus auf einzelne ‘bose Politiker’, auf die ‘Unterschichten’ oder ‘Zukurzgekommenen’ ist eine typisch deutsche Verdrängungsleistung und entlastet in diesem Fall den ‘grünen’ Opportunisten von der sachlichen Auseinandersetzung mit Lafonatines Positionen.
In meinen Augen, die eines Nicht-deustchen, sind ganz andere als Nazi hierzulande zu betrachten, auch unter den sogenannten Grünen.
Okay, dann nehem ich das Wort Nazi zurück (das in der Tat nicht ziutreffend ist, es müsste Rassist heißen), aber ansonsten ändere ich an meiner Position nichts.
Lafontaine hatte seine Chance, er hat selber hingeschmissen und jetzt gibt er halt den Populisten. Mag sich irgendjemand mit Populisten inhaltlich auseinandersetzen, ich tue es nicht.
@Andi: Sicher gibt es Beispiele in der Naturwisse nschaft, die belegen, das Phantasten und belächelte Visionäre am Ende recht behalten haben. Aber die finanzielle und wirtschaftliche Entwicklung der BRD selbst in den letzten Jahrzehnten sollte uns doch gelehrt haben, das diese Erkenntnis sich nicht auf das Verkünden und dann auch Umsetzen von populistischen Vorschlägen im weitesten Sinne ummünzen lässt. Ich möchte lieber eine sichere Rente die mich nicht in die Altersarmut abrutschen lässt, als das ohnehin unhaltbare Versprechen von nicht finanzierbaren Rentenerhöhungen für einen Lebensabend in Luxus!
Ich glaube das eine sachlicher auftretende Linkspartei mit ihrem Moral-Kurs durchaus eine Chance hätte, über 5% zu kommen. Die SPD versucht das ja zumindest und liegt trotz dem derzeitigen Image eine „Chaos-Vereins“ noch bei über 20%. Die derzeitige Politikverdrossenheit wäre für die Linkspartei bei entsprechend seriösem Auftreten sogar eine noch größere Chance, als sie es ohnehin schon ist.
Das ich immer auf die Politiker mit ihren Worthülsen schimpfe, stimmt natürlich. In einigen Fällen mag ich die eine oder andere Aussage evtl. auch schon überspitzt dargestellt haben – aber wirklich verwerflich werden Aussagen von Politikern immer dann, wenn sie das Volk für dumm zu verkaufen versuchen.
Ein Wählerurteil über die Linken kann man sich in diversen Bundesländern ja schon machen (u.a. Berlin und auch hier bei uns in Meck-Pomm) – da sieht man dann doch ganz schnell, das viele Forderungen der Linkspartei utopisch sind und mit Realpolitik nur wenig zu tun haben.
@MuGo und salvo: Aus meiner Sicht ist Oskar Lafontaine auf keinen Fall ein Nazi – ihn als solches zu bezeichnen, stellt auch für mich eine Verharmlosung des Nazi-Regimes dar. Salvo sagt ganz richtig:
„Die Reduktion des Nazismus auf einzelne ‘bose Politiker’, auf die ‘Unterschichten’ oder ‘Zukurzgekommenen’ ist eine typisch deutsche Verdrängungsleistung [...]„
Da stimme ich ihm zu – allerdings ist es auch genauso eine Verharmlosung von ihm, wenn er sagt:
„In meinen Augen, die eines Nicht-deustchen, sind ganz andere als Nazi hierzulande zu betrachten, auch unter den sogenannten Grünen.“
Das ist doch das Gleiche! Für mich ist Oskar Lafontaine ein Mann mit gewissen politischen Zielen (die sich nicht mit denen eines Nazis decken!) – er versucht dafür, das größtmögliche Wählerpotential zu mobilisieren, wobei ihm auch Fischen am rechten Rand ein willkommenes Mittel ist, um eine höhere Wählerschaft zu mobilisieren.
Okay, ich mache es noch einmal ganz deutlich: Ich entschuldige mich für die Begriffswahl. Sie war falsch und ist durch nichts zu rechtfertigen.
Dennoch bleibe ich dabei, dass Lafontaine eine Figur ist, die schon mehrfach bewiesen hat, dass man ihr nicht trauen sollte, schon gar nicht in moralischen Fragen; wer keine Moral hat, kann auch keine Moral propagieren.!
Das ist eben die Frage: Hat Lafontaine KEINE Moral, oder nur ungefähr genau so viel oder wenig wie auch andere Politiker (und überhaupt die meisten Menschen)?
Gerade bei Politikern haben wir keinen Grund anzunehmen oder auch zu verlangen,d ass wir moralischer sind als der Durchschnitt der Menschheit – nach diesen Kriterien wählen wir sie ja auch nicht aus. Letztlich ist eben nur die Frage, ob sie bessere Politik machen würden als andere.
Ich wünschte mir ja moralischere Politiker. Ich wünsche mir vor allem eine moralischere Menschheit. Eine entsprechende Änderung, wenn sie denn überhaupt möglich ist, wird mit Sicherheit nicht von der Politik ausgehen!
Nein, nein, nein, das geht alles an dem vorbei, worum es mir geht…
Lafontaine hat bewusst(!) gegen Ausländer gehetzt um damit Srimmen zu gewinnen; das ist keine Frage mehr, ob ein Politiker moralischer sein muss als der Papst, das ist eine Frage, wen ein Politiker alles umwerben darf nur um der Stimmen will. Für mich ist Lafontaine deswegen unmoralisch, weil er sich als das linke Gewissen darstellt, dafür aber auch am rechten Rand auf Stimmenfang geht. Es tut mir Leid, aber damit hat er ein Tabu gebrochen, dass meiner Meinung nach jeden moralischen Anspruch zunichte macht. Das schlimme finde ich nur, dass ich anscheinend der Einzige bin, der sich an diese Episode erinnert…
Eigentlich hätte ich den Nazi-Vorwurf ja löschen müssen – aber ich fand es interessant (und wichtig), da weiter drüber zu diskutieren.
Wir kennen Oskar Lafontaine nicht privat und können uns deshalb kein abschließendes Urteil von ihm erlauben. Aber er muß sich auch im klaren sein, das sein doch etwas früher Rücktritt vom Amt des Finanzministers für den Wähler wie eine Flucht wirkt. Das er jetzt unter anderem die Dinge anprangert, die er früher selber in der Hand hatte, kommt eben nicht gut an. Und das bröckelt natürlich auch an seiner Glaubwürdigkeit. Aber das ist nur ein Beispiel. Sein „Fischen am rechten Rand“ habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht unbedingt im Bewusstsein gehabt – aber das ist natürlich moralisch verwerflich und selbstredend auch von ihm selbst eine Verharmlosung des Nazi-Regimes. Deshalb ist er aber natürlich noch kein Nazi.
Jaha, ich habs verstanden!^^
Wie oft soll ich mich denn noch entschuldigen? Ich war angetrunken, müde und angegriffen. Und da habe ich mich sehr (sehr, sehr, sehr) stark im Wort vergriffen. Es war unangebracht und Lafontaine steht für mich nicht in einer Reihe mit irgendwelchen nazischergen. Er ist einfach nur ein dumpfer Populist, der rassistische Klischees bedient, wenn er damit Erfolg zu haben glaubt. Nichts weiter.
Und für die Anwälte unter uns: Die Adresse für die Verleumdungsklagen findet sich in meinem Blog. Können wir das Thema jetzt damit beenden?^^
Ach Parteien hin oder her. Eine Partei ist nur die formelle Namensfassung einer Strömung innerhalb der Bevölkerung.
Somit muss man sich vielmehr mit der Bevölkerung auseinandersetzen als den Zielen einer Partei.
Jetzt schreien so manche Dünnbrettbohrer natürlich sogleich, dass da ja grundsätzlich etwas im Sozialsystem verkehrt laufen muss, wenn die Linke solche Erfolge verbuchen kann.
Jedoch muss man die Stammtischprosa in einen historischen vielleicht sogar persönlichen Kontext bringen. Nun sollte auch dem letzten Bildfanatiker klar werden, dass wir es mit einer Überzahl an Desillusionierten Personen zu tun haben, die schon dadurch vermeintlich an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden, da sie sich mit dem normalen Hartz IV Satz nicht die gleichen Statussysmbole leisten können wie Herr Ackermann. Mit Verlaub, in der Lage würde ich mich auch nicht besser fühlen.
Jedoch springt mir im Unterschichtenfernsehen doch immer wieder das gleiche Klientel ins Auge, welches es so ungerecht empfindet, dass es diese reichen Unternehmer gibt während man selbst mit einem stark beschnittenen Harzt IV Satz zurecht kommen muss, wobei doch schon die monatlichen Handygebühren das Geld fast aufzehren.
Die Beschneidung des Sozialstaates soll gerade keine Verböserung der Lebensumstände der deutschen Bevölkerung führen mithin in soziale Unruhe ausarten, wie dies insbesondere vom Sonnenkönig von der Saar propagandiert wird, sondern gerade für mehr Gerechtigkeit sorgen.
Sozial gerecht ist es, wenn derjenige, der 40 Stunden in der Woche arbeiten geht immer noch mehr in der Tüte hat als der fettbefleckte Sofaquerulant, der mosert, weil die Beschneidung der Fürsorge zu einem massiven Kaufkraftverlust im Teleshopping führt.
Der Grund-Irrtum scheint mir in der Idee zu bestehen, dass man durch Koalitionen und Kompromisse seine Identität verlieren würde. Wir tun täglich Dinge, die nicht mit unseren Zielen und Idealen übereinstimmen, um überhaupt etwas zu bewegen.
Bedauerlicherweise überschattet Hamburg die aktuellen inhaltlichen Entwicklungen der Partei mehr als nur ein wenig.
Wer ernsthaft ein Interesse am Thema hat kann ja mal bei mir reinschauen (Link oben) und insbesondere Leute die nun meinen die „Machtgeilheit“ der GRÜNEN sei Anlass der SPD die Stange zu halten sollten sich den Artikel „Kurt Beck halts Maul!“ (sorry für den Titel) reinziehen.
Bei den GRÜNEN geht es jetzt erst endlich richtig los.
@MuGo: Du brauchst dich nicht nochmal zu entschuldigen.
Das ist jetzt schon angekommen. Ich wollte nur nochmal aufzeigen, das ich mich von dieser Aussage distanziere – aber ich wollte den Kommentar nicht löschen, weil mir an einer Diskussion darüber sehr viel lag.
@Roy: Ein sehr wichtiger Punkt! Das erstarken der Linkspartei ist also nicht etwa ein Resultat der schwachen SPD – es ist ein geselleschaftliches Problem aller Parteien und der Gesellschaft selbst. Es gibt immer mehr Arme in Deutschland, ich muß Angst haben, das meine Rente zu klein ist, die Arbeitslosigkeit ist zu hoch, die Vorstände streichen für das totale Versagen üppige Abfindungen ein, von denen der „Normalbürger“ nur träumen kann – aber das Schlimmste: der Bürger hat (in großen Teilen zu recht) das Gefühl, das er nicht ernst genommen wird und das die Politik die Probleme nicht richtig bekämpft oder sie gar nicht erst erkennt. Oder der Bürger hat sogar das Gefühl, das er belogen und ausgenutzt wird von der Politik. Das ist ein Problem aller Parteien – wenn sich da jetzt eine Person X einer Partei Y hinstellt und sagt: „Das hat die SPD verbockt!“, dann verharmlost sie selbst den Ernst der Lage!
@Jörg: Wir tun dies aber im Normalfall, ohne unsere Ideale zu verraten oder unsere Überzeugung aufzugeben – genau dies tun die Grünen aber meiner Meinung nach im Falle des Hamburger Koalitionsvertrages.
@Roman:
Ah, okay, das Distanzieren sei dir natürlich ausdrücklich erlaubt.
[...] habe es schon auf anderen Blogs gesagt und ich wiederhole es gerne: Ich, Grünen-Stammwähler und grün sozialisiert, bin [...]