Heute: Tarek Al-Wazir (Bündnis90/Die Grünen)
“Ich denke, für Politiker gilt allgemein, dass die Aussage, einen Weg für falsch zu halten, ihn aber trotzdem mitzugehen, wenig verständlich ist.”
Wie schon wäre es, wenn dieser Satz auch nur ansatzweise der Realität entsprechen würde. Doch leider bleibt diese nur eine schöne Wunschvorstellung – den Gegenbeweis tritt Al-Wazir noch im selben Interview an:
“Ich halte Frau Metzgers Entscheidung zwar für falsch, aber man muß sie aktzeptieren.”
Müsste Tarek Al-Wazir nicht eine Menge Lob für Dagmar Metzger und ihre Entscheidung übrig haben – erst recht wo er doch weiß, das sein obenstehender Grundsatz bereits weit mehr als nur einmal zu reinem Wunschdenken degradiert wurde??
Quelle: Süddeutsche Zeitung (Wochenend-Printausgabe)



Ja, mit Logik hat das, was der Mann da sagt, nicht viel zu tun, denn nach seinem ersten Satz muss er die Entscheidung ja für richtig halten.
Und damit hat er auch ein kleines Glaubwürdigkeitsproblem – das aber immerhin angenehmerweise für ihn nicht so groß wie das von Kurt Beck ist!
Hehe, ist mir gar nicht aufgefallen…
Hattest du das Interview auch gelesen? Tarek Al-Wazir ist es vermutlich auch nicht aufgefallen – wo er doch extra seine unantastbare Glaubwürdigkeit hat raushängen lassen!
Ehrlich gesagt, kann er ja wohl die Entscheidung immer noch als falsch ansehen, weil er die Beweggründe nicht teilt bzw. zu einem anderen Schluss kommt. Er diese Entscheidung aber akzeptiert, was aus seinem ersten Zitat resultiert. Schauen wir uns andere Beispiele an, wo PolitikerInnen aus der Fraktionsdisziplin ausgebrochen sind, so ist das nicht die “normale” Reaktion der SPD oder anderer Parteien (nächtliche Anrufe, Abschalten vom Fraktionscomputer etc. etc. p. p.)
@Silke Gebel: Ich freue mich sehr, das ich mal jemanden von einer Partei selber hier auf meinem Blog habe!
Ich halte das trotzdem für einen Widerspruch – allerdings gibt es das in allen Parteien. Wenn man alle Widersprüche von allen Politikern sammeln würde, könnte man allein davon ein eigenes Buch machen. Tarek Al-Wazir hat es nun gerade getroffen, weil ich sein Interview in der Süddeutschen gelesen habe und weil er wegen den ungeklärten Verhältnissen in Hessen derzeit etwas mehr im Fokus der Aufmerksamkeit steht.
hmhm. Ich glaube dieses “Problem” hat nichts mit PolitikerInnen zu tun. JedeR formuliert in Gedankengängen Wiedersprüche, aber die PoltikerInnen stehen kontinuierlich unter einem Beobachtungsdruck. Nicht, dass ich keinen hohen Anspruch an sie habe, aber warum dürfen sie sich nicht auch mal versprechen, Fehler machen etc. sie sind ja keine roboter und das will auch keineR.
Zurück zu Tarek (ich will da auch nicht ewig rumreiten): Ich glaube, er hat sich halt versprochen, war wütend etc. und meint das, was ich oben schrieb. Ich finde es wichtig, dass man wieder davon abkommt in der Gesellschaft und damit auch “den PolitikerInnen” von vorneherein erstmal zu misstrauen.
Das finde ich den wesentlich krasseren Missstand unserer Welt. Naja. Genug gelabert.
“JedeR formuliert in Gedankengängen Wiedersprüche, aber die PoltikerInnen stehen kontinuierlich unter einem Beobachtungsdruck.”
Da gebe ich dir recht. Dieser von Tarek Al-Wazir formulierte Widerspruch ist nur ein “kleiner Ausrutscher” – nichts weltbewegendes. Aber muß die gesamte Politik (nicht Al-Wazir alleine!) mal überlegen, warum das Volk so genau drauf schaut? Weil in der Vergangenheit schon weitaus größere Lügen vorgekommen sind. Wenn du also willst, das man den Politiker nicht mit Mißtrauen sieht (das will ich ja auch), dann musst du nach den Ursachen fragen.
Übrings können wir ruhig “weiterlabern”, wie du es sagst. Wie schon oben erwähnt finde ich es äußerst spannend, mal eine Politikerin auf meinem Blog zu haben, die mitdiskutiert!
Wie wäre es mit folgender Interpretation:
1.
Äußerungen von Jürgen Walter, die sagten: Ich halte die Zusammenarbeit mit der Linkspartei für falsch und gefährlich, werde aber trotzdem dafür sein waren nicht sehr verständlich.
2.
Man kann die Entscheidung einer Abgeordneten für falsch halten, aber Abgeordnete sind aus guten Gründen in ihren Entscheidungen frei, also muss man diese Entscheidungen akzeptieren.
Als Politiker muss ich mit öffentlichen Interpretationen leben – aber manchmal wundere ich mich, wie sehr manche Menschen um die Ecke denken – und dabei manchmal auch in Sackgassen ankommen, in denen ich nie war….
[...] zum Thema: => 5€ ins Phrasenschwein #21 (17. März 2008 ) => Der Fall Dagmar Metzger: Überzeugung vs. Fraktionszwang (11. März 2008 [...]