Kurt Beck macht ja jetzt auch Podcast, ich habe die erste Ausgabe ja hier schon bewertet, ließ aber ein wenig Nachsicht walten – es handelte sich schließlich um Ausgabe eins. Mittlerweile sind aber mehrere Ausgaben ins Land gegangen und so nehme ich mir heute folgende Ausgabe vom 13. Februar vor:
Erstklassig ist auf jeden Fall noch immer der Vorspann, weil er einen arbeitswütigen Kurt Beck suggeriert, dem die Stimme des Volkes wichtiger ist als sein eigenes Wohlergehen.
Noch ohne konkrete Fragestellung spricht Beck das Thema Kinderarmut an: „Deshalb schlagen wir als Sozialdemokraten vor, dass im Herbst diesen Jahres ein Bericht vorgelegt wird, der uns klar erkennen lässt, wie die Situation von Kindern mit Familien ist.“ Das ist schonmal schöner Quatsch! Hat es nicht schon genug tote Kinder in den letzten Monaten gegeben? Schaut Herr Beck keine Nachrichten? Warum muß da erst irgendein nebulöser „Bericht“ erstellt werden, der das belegt? Warscheinlich hat Beck irgendeine Kommission zusammengestellt, die dann ein Gutachten erstellt, das uns genau das sagt, was wir ohnehin schon wissen: einigen Familien geht es gut, anderen Familien weniger. Wohin das im negativen Extremfall führen kann, ist inzwischen auch hinreichend bekannt. Dann will er entlang der Frage „Was nützt denn Kindern am meisten?“ Lösungen präsentieren. Was nützt denn wohl Kindern am meisten? Dazu brauch ich keinen Bericht, sondern nur ein wenig gesunden Menschenverstand. Den setze ich bei Kurt Beck voraus, nur zeigt er ihn hier merkwürdigerweise nicht. Dann noch der Wähler-Bonbon: „… und mit einem zweiten Teil der zur Verfügung stehenden Finanzmittel wollen wir das Kindegeld erhöhen, so das auch auf diese Art und Weise geholfen wird.“ Ist ‘ne klasse Begründung – ganz stark. „Ich glaube, dass das notwendig ist – ich bin sicher, dass die Menschen in Deutschland dafür auch Verständnis haben.“ Wofür? Für die Erhöhung des Kindergeldes? Natürlich nicht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Dann kommt die erste Frage von einer aufmerksamen Bürgerin aus Hof, die über die Jugendarbeitslosigkeit in ihrer doch recht ländlichen Gegend spricht. „Was können sie da machen, damit es besser wird?“ Beck sagt: „In der Tat: in der Region in der sie leben, ist es besonders schwierig – die Strukturschwäche ist, … ähh … deutlich.“ Wann konnte ein SPD-Mann das zuletzt über eine Region in Bayern sagen? Das geht runter wie Öl! Aber Beck hat auch Lösungen parat: „Wir haben uns deshalb entschlossen, das wir ein Bundesprogramm auflegen – Olaf Scholz, der Arbeitsminister, hat das vorgestellt.“ Das Programm soll durch Hilfen des Bundes dafür sorgen, das 100.000 junge Menschen eine Chance bei der Ausbildung haben. Dann der Kracher: „Ich werde mit auch darauf hinweisen, dass gerade auch ihre Region in diese Dinge mit einbezogen wird.“ Das ist doch wohl glatter Unsinn! Immer wenn ein Politiker schön reden will, aber in Wirklichkeit nichts tun kann, dann werden die Wörter unpräzise. Den Satz sollte man sich nochmal auf der Zunge zergehen lassen. Statt dafür kämpfen oder darauf einwirken will er nur darauf hinweisen („Herr Scholz, bitte schicken die auch ein bißchen Geld nach Hof!“ „Tut mir leid, Herr Beck. Nach Bayern schicken wir kein Geld.“). Und das Konjunkturprogramm sind plötzlich diese Dinge. Alles klar.
Dann will jemand aus Jena wissen, wie Kurt Beck die Chancen einer sozial-liberalen Koalition auf Bundesebene bewertet. Dann sagt Beck den einzigen vernünftigen Satz: „Ich glaube auch, dass es gut wäre für die Republik insgesamt, wenn wir nicht in starren Lagern uns einordnen würden.“ Genau, das öffnet aber auch Tür und Tor für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei – sollte man bedenken. Dann lobt er noch die SPD/FDP-Koalition mit Helmut Schmidt – da ist nämlich vieles bewegt worden, geradezu die Welt hat man damals verändert. Doch die Zeiten sind vorbei: „Aber leider ist die momentane FDP-Führung momentan eben nicht sehr flexibel.“ Ist natürlich auch Unsinn. Wo bewegt sich die FDP denn auf die SPD zu? Der Schlußsatz dann: „Wir sind für vernünftige Zusammenarbeit bereit.“ Zum Wohl!
Das Fazit: von einigen Unsicherheiten im Ausdruck mal abgesehen hat der Podcast auch inhaltlich nichts zu bieten. Die Fragestellerin aus Hof hat er sogar richtig verallbert. Seinen Bericht zur Kinderarmut kann er auch vergessen. Die Lage erfordert doch er sofortiges Handeln. anstatt erstmal in Ruhe einen Bericht abzuwarten!





“Ich werde mit auch darauf hinweisen, dass gerade auch ihre Region in diese Dinge mit einbezogen wird.” mein absoluter Satz des Tages!
Letztlich erwarte ich von Kurt Beck nichts anderes als genau solche Aussagen. Der Mann ist in seiner Bräsigkeit der geeignete Ministerpräsident für Rheinland-Pfalz, aber mehr auch nicht.
Haha, ich glaube, du bist einer von 12 nicht-zum-Schauen-verdonnerten-SPD-Mitgliedern, die sich den Podcast angeguckt haben (oder ist das noch zu hoch gegriffen?).
Der Sinn der Übung ist wohl eher zu zeigen, dass der junge Mann begriffen hat, dass es sowas wie Podcasts gibt und dass man sich mit dem neumodischen Kram auskennt.
Ich kann mir vorstellen, dass ein Großteil der hochrangigen Politiker sich E-Mails und Internetseiten von ihren PAs ausdrucken lassen, weil sie noch nie vor einem Computer gesessen haben. Den Kurt mit Maus, das Bild bekomme ich nicht vor Augen!
Ich glaub der Sinn und Zweck des Podcast lässt sich am besten wie folgt umschrieben:
„Mädl profilier Dich, komm profilier Dich“
(Das Bo: Eey Yo)
@MCTNT: Das ist wirklich das Highlight!
@refu: Ich auch nicht. Aber man darf ihn natürlich nicht vorverurteilen. Ich habe dem Podcast eine faire Chance gegeben, die Beck versemmelt hat. Wer sich das angeschaut hat, wird die SPD eher schlechter beurteilen als vorher. Kein gutes Zeichen.
@JuliaL49: Moment! Ich bin kein SPD-Mitglied!
Aber ansonsten zeugt es natürlich schon von Schmerzfreiheit, sich das freiwillig reinzuziehen. Ich gebe aber auch zu, das mir das Analysieren eine gewisse Freude bereitet!
@fazzolo: So kann man es sehen. Nur das Beck sich mit seinem doch sehr schwammigen Gerede eher um Kopf und Kragen redet, anstatt sich zu profilieren.
Ja, sicher bist du kein SPD-Mitglied, die Bezeichnung war etwas doppeldeutig
Ich wollte ausdrücken, dass wahrscheinlich kaum jemand außer ein paar Hanseln in der SPD, die dazu verdonnert waren, das zu gucken, sich das freiwillig angeguckt hat.
Da gebe ich dir recht. Und wer es doch getan hat, ist vermutlich eher desillusioniert!
Hallo Roman,
Einmalig! Ich kugel mich hier vor lachen! Der Typ ist eindeutig das beste Kurt-Beck-Double, was sag ich die größte Politiker-Parodie seit dem Nockherberg und Michael Lerchenberg als Stoiber-Double. Ein Online-Starkbieranstich! Fast wäre ich drauf reingefallen. Aber dann hab ich`s noch rechtzeitig gemerkt: Das kann doch kein echter Politiker sein, oder?
Fast umgehauen hat`s mich bei dem locker eingeworfenen „Schul-Starter-Paket“ statt „Schul-Tüte“. Einmalig auch das „Hallo Laura…äh, äh, …Hallo Hagen…äh wir haben die Welt verändert, äh, …alles sieht so aus, momentan, äh gehen wir davon aus, äh…“. Ich glaub der Typ hat echt ne große Zukunft als Stand-Up-Comedian.
Aber im Ernst, ich finde, deinem sachlichen Fazit ist nichts hinzuzufügen, da deine Kritik den Nagel auf den Kopf trifft!
Insgesamt glaub ich, für nen Politiker ist es eher von Vorteil, sich blöder zu geben, als er in Wirklichkeit ist. Anscheinend ist es besser in diesem politischen Gerangel, man wird unterschätzt, als überschätzt. Und rein wahltaktisch gesehen fand ich den Beck zuletzt ganz schön clever.
Ich kann deinem Kommentar nur zustimmen. Der parodiert sich fast selbst – und nebenbei verändert er mit seiner Öffnung zur Linkspartei die politische Landschaft!