Sowas! Da nimmt man sich vor, bestimmte Alben zu rezensieren (siehe „Demnächst“ rechts in der Spalte) – plötzlich will man einen bestimmten ganz anderen Titel hören, lädt sich das komplette Album auf den MP3-Player und hat auf einmal die Eingebung, dieses Album zu rezensieren. Deshalb sind also jetzt die Doobie Brothers mit „Stampede“ an der Reihe!
Bei den Doobie Brothers gehe ich im Gegensatz zu Steely Dan mal ganz unchronologisch vor. Während bei Steely Dan (wie bei der Musik) alles perfekt sein muß (also auch die Reihenfolge), nehme ich mir bei den Doobie Brothers die Frechheit heraus, das Album zu rezensieren, auf das ich gerade Lust habe. Der geneigte Hörer kann da jetzt natürlich wieder irgendwas reininterpretieren – z.B. das die Doobie Brothers (noch viel mehr als Steely Dan) eine Gute-Laune-Kapelle sind, das allerdings auf musikalisch höchstem Niveau. Steely Dan sind gewissermaßen für mich die intellektuelle Ausgabe der Doobie Brothers. Um Gottes Willen, das soll nicht bedeuten, das die Doobie Brothers im intellektuellen Sinne blöd wären, aber Lyrics wie „Rockin’ Down The Highway“ reichen nun mal nicht heran an Steely Dan!
Jetzt aber Schluß mit Steely Dan und zurück zu den Doobies! Mein erstes Album war „Takin’ It To The Streets„, das kommerziell erfolgreichste Album war „Minute By Minute“. Frei von allen persönlichen Vorlieben oder den Charts kann man schnell zu dem Schluß kommen, das „Stampede“ das objektiv beste Album der Doobie Brothers ist – und das liegt an der Vielseitigkeit.
Der Opener „Sweet Maxine“ ist (und das wird aufgrund er voherigen Worte überraschen!) aus meiner Sicht der vermutlich schwächste Opener eines Doobie-Albums. Ziemlich langweilig dahingerockt, der Text ist auch albern („She was born with it in her soul / And she knows how to Rock’n'Roll“) Doch schon mit „Neal’s Fandango“ (ganz nebenbei gesagt – das war der Titel, den ich unbedingt mal wieder hören wollte!) nimmt die Platte Fahrt auf. Ein Straßenfeger von Pat Simmons – ganz im Stile von „Black Water“, dem Nr1-Hit der Vorgänger-LP „What Were Once Vices Are Now Habits“. Danach sitzt Tom Johnston in „Texas Lullaby“ zwar ziemlich erschöpft, aber doch irgendwie relaxt unter einer Eiche und singt das Texas-Wiegenlied: „Sun beatin’ down through the trees / So hot bring a workin’ man to his knees“. Aber Johnston beklagt sich nicht und ist zufrieden: „That old tree spreadin’ over my head / Is the closest friend I made“ Rockiger wird’s dann wieder mit „Music Man“, den musikalischen Feinschmecker wird es interessieren, das Curtis Mayfield hier mitgewirkt hat! Dann folgt „Slat Key Soquel Rag“ – eine von Simmons obligatorischen und wir üblig gelungenen Akustiknummern. Dann die Hit-Single: „Take Me In Your Arms (Rock Me A Little While)“, einer optimistischen Motown-Coverversion, mit der auch der schmerzlichste Abschied zum Freudenfest wird. Auf „I Cheat The Hangman“ werden die Doobies dann sogar orchestral, bevor ein mit „Précis“ ein kurzes Instrumental von Jeffrey „Skunk“ Baxter wieder etwas Gas rausnimmt. Mit „Rainy Day Crossroad Blues“ gibt’s dann auch noch eine Blue-Grass-Nummer. Schon das Gitarrenintro von „I Been Workin’ On You“ rockt dann wieder ab, bevor die LP dann auch nicht unrockig mit „Double Dealin’ Four Flusher“ endet – besonders gelungen ist hier das Zwischenspiel an der Orgel (?).
Alles in allem also eine sehr gelungene LP mit Jeff Baxter aber noch ohne Michael McDonald, die dank dem Cover und Titeln wie „I Cheat The Hangman“ auch ein wenig Western-Flair versprüht. Die Jungs haben im Booklet sogar den Pferden Credits eingeräumt: „Thanks To The Horses – Star, Boo, Dan, Tonka and Toothpaste“. Ob „Dan“ das Pferd von Jeff Baxter war weiß ich nicht, aber ich will es nicht ausschließen!
Links zum Thema:
=> Plattenteller: Doobie Brothers – Takin’ It To The Streets (1976)





[...] zum Thema: => Plattenteller: Doobie Brothers – Stampede (1975) => Plattenteller: Doobie Brothers – Takin’ It To The Streets [...]