Ich habe mir mal Gedanken gemacht, welche Politiker mir sympathisch sind und welche nicht. Meine Überlegung hat den Hintergrund, das Sympathiewerte für die Wahlentscheidung eine nicht geringe Rolle spielen. Bei aller sachlichen Bewertung ist niemand frei vom Einfluß von Sympathie und Antpathie. Und hier ist die Liste:
1. Markus Söder, CSU
2. Ronald Pofalla, CDU
3. Roland Koch, CDU
4. Wolfgang Schäuble, CDU
5. Rainer Brüderle, FDP
6. Jürgen Rüttgers, CDU
7. Günther Oettinger, CDU
8. Oskar Lafontaine, LINKE
9. Brigitte Zypries, SPD
10. Michael Glos, CSU
11. Ulla Schmidt, SPD
12. Horst Seehofer, CSU
13. Günther Beckstein, CSU
14. Dirk Niebel, FDP
15. Franz-Josef Jung, CDU
16. Kurt Beck, SPD
17. Christian Wulff, CDU
18. Erwin Huber, CSU
19. Volker Kauder, CDU
20. Ursula von der Leyen, CDU
In meiner Auswahl habe ich mich aus Gründen des Bekanntheitsgrades auf überregional bekannte Politiker beschränkt. Wenn auch lokale Politker “im Rennen” gewesen wären, dann wäre Ulrich Adam (CDU) ein Spitzenplatz sicher gewesen (der auf meine E-Mail erwartungsgemäß noch immer nicht reagiert hat – übrings genauso wir Brigitte Zypries!). In meiner Ausführung habe ich mich auch nur auf demokratische Parteien beschränkt, da sonst nur Politiker aus NPD und DVU in der Liste gewesen wären – da diese Parteien aus meiner sicht unwählbar sind, macht es auch keinen Sinn sich mit den Auswirkungen ihrer Sympathiewerte auf die Wahlentscheidung auseinanderzusetzen. Aber was macht diese Politiker nun für mich besonders unsympathisch:
1. Politiker sind für mich unsympathisch, wenn sie nur um den heißen Brei herumreden und nie zu einer klaren Aussage fähig sind. Im Grunde trifft dies auf fast alle Politiker zu. Manche tun es allerdings besonders auffällig – ein Paradebeispiel ist Markus Söder (CSU), dessen Podcast Weiss-Blaues-Sofa wegen seiner Phrasen und hohlen Sprüche alleine schon zurecht für Platz 1 in meiner subjektiven Liste sorgt.
2. Politiker sind für mich unsympathisch, wenn sie den Eindruck erwecken, immer die gegensätzliche Meinung zu vertreten, aber dies nur unzureichend begründen können oder den Eindruck erwecken, nur den Gegenredner schlechtmachen zu wollen. Den Eindruck habe ich zum Beispiel bei Rainer Brüderle und Dirk Niebel von der FDP. Bei Oskar Lafontaine (LINKE) ist es allzu offensichtlich, das er alles unpopuläre schlechtredet und damit auf Stimmenfang geht, ohne selbst Lösungen anbieten zu können.
3. Politiker sind für mich unsympathisch, wenn sie inkompetent wirken. Ein Klassiker ist hier Michael Glos (CSU), der nur wegen Stoibers Rückzieher ins Amt des Wirtschaftsministers gerutscht ist und von dem ich mal in der Zetung das Zitat “Wenn mich jemand mit Minister anspricht, drehe ich mich um und schaue ob noch jemand hinter mir steht.” gelesen habe. Er wird schon wissen, warum er sich dann umdrehen muß. Eine weitere Fehlbesetzung ist aus meiner Sicht Franz-Josef Jung, bei dem ich immer den Eindruck habe, das er sich in seinem Amt irgendwie nicht wohl fühlt. Streng genommen passt auch hier fast jeder Spitzenpolitiker rein.
4. Politiker sind für mich unsympathisch, wenn sie für unpopuläre Entscheidungen stehen. Paradebeispiel aus meiner Liste ist hier Ulla Schmidt (SPD), die bei mir seit der Praxisgebühr unten durch ist. Ich zahle so hohe Krankenkassenbeiträge und soll dann im (zumeist unverschuldeten) Krankenheitsfall nochmal 10€ abdrücken? Geht ja gar nicht. Das drückt natürlich auch auf ihre Sympathiewerte!
5. Politiker sind für mich unsympathisch, wenn sie sich in der Öffentlichkeit nicht im Griff haben. Da fällt aus meiner Liste natürlich sofort Horst Seehofer (CSU) ins Auge. Eine Aussage wie “Ich weiß viel. Ich habe viel Material.” darf man natürlich in der Öffentlichkeit nicht bringen. Das ist nicht weniger als eine offene Drohung an den Gegner (im politischen Sinne). Sich danach noch scheinheilig hinzustellen und sich über den fair geführten Wahlkampf zu freuen, setzt der Dreistigkeit die Krone auf.
6. Politiker sind für mich unsympathisch, wenn sie auf Anfragen nicht reagieren oder diese nicht beantworten. Bisher habe ich ja nur einer Person aus der Liste eine E-Mail geschickt – das war bei Frau Zypries – der Stammleser wird sich erinnern. Wenn ich einer Politikerin eine wichtige Frage stelle und ich auch nach mittlerweile fast 3 Monaten keine Antwort erhalte (sei es auch nur in Form einer vorbereiteten aber auf das Thema zugeschnitten Standard-Antwort, die ihren Standpunkt klarmacht), dann muß ich dieser Person Defizite bezüglich des demokratischen Grundverständnisses vorwerfen.
Auffällig auch: in der Liste taucht kein einziger Politiker der Grünen auf. Das liegt nicht etwa daran, das ich ein Freund der Natur bin. Ich bin auch kein Grünen-Mitglied. Ich bin auch deshalb nicht automatisch ein Grünen-Wähler. Grünen-Spitzenpolitiker sind für mich in der Regel entweder Sympathie-Durchschnitt oder ich finde sie sogar sympathisch.
Nachtrag: Nachdem mich der StoiBär in den Kommentaren darauf aufmerksam machte, das ich Wolfgang Schäuble nicht berücksichtigt habe (danke dafür), musste ich die Liste ändern. Aus der Liste ist dafür Volker Kauder (CDU) gerutscht. Edmund Stoiber ist wegen seines hohen Unterhaltungsfaktors, seiner insgesamt ungefährlichen Erscheinung und eines leichten Gefühls des Mitleids übrings aus gutem Grund nicht in der Liste vertreten.
Nachtrag 2: Das kann ich einfach so nicht stehen lassen. Ich hab mich mit ‘nem Kumpel unterhalten und der fragte: Was ist mit diesem Brillenträger aus der CDU? Richtig – Pofalla muß auch mit rein! Außerdem fielen die Namen so “wichtige” Politiker wie Jürgen Rüttgers, Roland Koch und Günther Oettinger. Außerdem neu dabei: Günther Beckstein, Erwin Huber, Christian Wulff, Ursula von Leyen und Kurt Beck. Zudem hat Volker Kauder durch die Erweiterung der Liste wieder eine Platzierung erhalten. Was können wir jetzt festhalten? 14 von 20 Politikern sind Unions-Politiker. Damit hätte die Union in meinem Antipathie-Parlament eine satte Mehrheit von 70%. Mir schwant übles!




Und der Schäuble?
Verdammte Axt … ich hab den Schäuble vergessen! Der wird “zu Ungunsten” von Volker Kauder natürlich noch reingebastelt! Das beweist aber irgendwie auch, das ich die anderen subjektiv offensichtlich noch unsympathischer finde, weil sie mir zuerst eingefallen sind. Aber du hast recht … Schäuble muß rein!!! Wer meine Freiheit angreift, “darf in der Liste nicht fehlen” …
nicht schlecht, deine liste. (einige stünden auch auf meiner) ich mag vor allem die politiker (aber auch andere menschen) nicht, die wasser predigen und wein trinken. die, die nicht das leben, für was sie stehen. ich sage nur brioni und cohiba
die personifizierte inkonsequenz.
Ganz genau. Über allen Argumenten bei meiner Aufzählung steht ein Wort: GLAUBWÜRDIGKEIT. Wer verbindet heute noch Politik mit Glaubwürdigkeit?? Ich werde in meiner Liste der Suchbegriffe meines Blog z.B. nie Politik = Glaubwürdigkeit finden. Jedenfalls nicht ernst gemeint. Vielleicht liest das hier jetzt jemand und probiert es mit Google aus, aber das zählt natürlich nicht.
da bleiben nicht mehr viele Politiker übrig
gibt es auch eine Top 10 oder 20 deiner beliebtesten Politiker?
@ankasun: das ist ja ein widerspruch in sich
– oder roman?
Spannend fände ich es ja, zu erfahren, wie Du so subtile Abstufungen wie zwischen Koch und Pofalle hingekriegt hast, war bestimmt hart, sich da zu entscheiden
Jetzt wirds interessant, also:
@ankasun&stilke: Für eine Top 20 der beliebtesten Politiker müsste ich schon wesentlich länger nachdenken. Nach sehr langer Zeit würde ich vielleicht 20 zusammenkriegen. Das Problem ist, das auf so gut wie jeden Politiker mindestens eines der oben erwähnten Attribute zutrifft. Da wird es schwer und ich müsste mitunter auch Politiker wählen die mir zwar sympathisch sind, aber trotzdem nur Mist erzählen – um es human auszudrücken.
Sympathisch finde z.B. Franz Müntefering (obwohl ich weiß, das auch er keine weiße Weste hat – wie war das noch schnell mit der Merkelsteuer???), Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück. Oder Mathias Platzeck und Harald Ringstorff. Und die anderen Parteien? Ich fand Horst Seehofer mal sympathisch (darf ich das hier so offen sagen), mehrere Grüne find ich auch sympathisch. In dieser Aufzählung sind aber auch Politiker, die objektiv eigentlich eher in die Antipathie-Liste müssten.
@frederic: Sehr gute Frage! Ich habe versucht, das möglichst sauber hinzubekommen. Je nach Tagesform und aktueller Wut gegen den einen oder anderen Politiker würde die Liste sich “dynamisch” auch leicht anpassen lassen. Zu deinem Beispiel mit Koch und Pofalla: von Pofalla krieg ich wesentlich mehr mit, da er ja eine bundespolitische Rolle in der CDU spielt. Koch hat sich in der letzten Zeit ja eher auf Hessen konzentriert (das war zu meinem Unmut nicht immer so!). Käse reden beide ganz gerne mal – und nicht zu knapp!
Nette Liste! Mir persönlich fehlt da allerdings Herr Uhl… spätestens seit der Sache mit der Online-Durchsuchung und der “Mitschuld an Terroranschlägen” hab ich den Typen aber mal sowas von gefressen…
Ursula v. L. ist bei mir auf Platz 1.
Tatsächlich? Warum das??
Also mir fehlt in der Liste ja noch ganz klar die Merkel und der Westerwelle. Erstere, weil sie meiner Meinung nach ihren Verein absolut nicht im Griff hat und nie auf den Tisch haut und letzterer, weil er außer auf anderen rumzuhacken auch nichts kann (ähnlich wie Lafontaine).
Aber das sind ja alles subjektive Eindrücke.
Das ist bei Frau Merkel doch Absicht. Vornehme Zurückhaltung und andere die Drecksarbeit machen lassen, dann ist man nämlich an nichts schuld. Vorschieben kann man dann so Irre wie Herrn Schäuble…
Aber gerade weil das Absicht ist, find ichs höchst unsympathisch!
So sieht es aus, Konna. Vor allem auch diese vornehm gemeinte Zurückhaltung, mit der sie sagen will, das sie über den Dingen steht. Dabei will ich (und nicht nur ich!) gerade von ihr wissen, was sie zu wichtigen Themen zu sagen hat bzw. welche Meinung sie vertritt.
Also meiner Meinung nach gehört umbedingt noch Otto Schily rein, aber ich glaube, der ist nicht mehr aktiv. Ansonsten auf jeden Fall noch Herr Westerwelle. Aber sehr interessante Liste.
Ich gebe Ankasun recht, du solltest auf jeden Fall noch eine Positiv-Liste machen, auch wenn das schwieriger ist
. So würde es glaubwürdiger, weil man neben aller Kritik auch gute Sachen bzw. Personen aufzeigen sollte, die dann als “Vorbild” dienen können. Aber ist natürlich klar, das niemand rein “gut” oder “schlecht” ist.
[...] hätte ferner gedacht, das ausgerechnet unsere Kanzlerin Angela Merkel (die sich nicht in meinen Top 20 der unsympathischten Spitzenpolitiker befindet!) mich zu einer neuen Rubrik inspiriert. Da reizt mich die gesamte CSU-Spitze monatelang – [...]
[...] Niebel (derzeit auf Platz 14 meiner Top 20 der unsympathischten Spitzenpolitiker – Tendenz: steil aufwärts) meint sogar: “Der Parteitag bringt die Sozialdemokratie um ihren [...]
[...] da ich ja die CSU bekanntermaßen immer sehr kritisch beurteilt habe (kann man zum Beispiel hier, hier, hier oder im Grunde genommen Zweifelsfalle auch hier sehen). In der Zwischenzeit lege ich [...]
[...] leider aber ziemlich unsympathisch rüberkommt. Und in gewisser Weise trifft das ja auch auf die CDU zu. Insofern war das sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung in seinem [...]