Ist der Möller jetz völlig übergeschnappt? Nach Bands wie Steely Dan, Supertramp oder Creedence Clearwater Revival kommt er hier plötzlich mit dem Electric Light Orchestra an? Ja, in der Tat. Und das hat auch seinen Grund.
Das Electric Light Orchestra war nämlich die erste Rockgruppe, die ich damals gehört habe. Die erste vergleichsweise erntszunehmende Band die ich hörte, als sich mein Musikgeschmack nicht mehr an pubertären Gesichtspunkten orientierte. Tatsächlich könnte Mastermind Jeff Lynne heute einer der ganz Großen im Biz ein – wenn nicht nur immer alles bei ELO so kitschig gewesen wäre und die Texte vor allem etwas mehr Ernsthaftigkeit und Tiefgang an den Tag gelegt hätten.
Nachdem ein Kumpel also eine ELO-Kassette auf der Straße (!) gefunden hatte und sie mir vorspielte, war ich zunächst einmal begeistert (wohlgemerkt kannte ich Steely Dan da noch nicht!) und lieh mir eine CD in der Stadtbibliothek aus. Wenig später erwarb ich dann das Album „Out Of The Blue“, welches ich hier nun einmal durchaus kritisch durchleuchten möchte. Oder um es mit ELO-Sprache zu sagen, heute ist „The Day The Light Went On On Möllers Blog“
Ich gehe hier ausnahmsweise mal nicht auf jeden Titel einzeln ein, was mir bei diesem Doppelalbum mit 17 Titeln etwas zu langwierig erscheint. Stattdessen werde ich mal die High- und Lowlights hervorheben. Zunächst einmal ist „Out Of The Blue“ ein absolutes Hitalbum. Das Album selbst landete in Deutschland auf Platz 6, in Großbritannien und den USA sogar aus Platz4. Auch zu den Single-Hits muß ich nicht viel sagen – Titel wie „Turn To Stone“, „Mr. Blue Sky“, „Wild West Hero“ und „Sweet Talkin’ Woman“ dürften jedem spätestens nach dem Anhören aus dem Radio bekannt sein. „Sweet Talkin’ Woman“ finde ich ganz ok, „Mr. Blue Sky“ fand ich auch immer schön – bis mir der Text aufgefallen ist. Jeff Lynne verarbeitet hier in sinnloser Form die Liebe zu seiner Lieblingsfarbe blau („Mr.Blue Sky“, „Out Of The Blue“, „Boy Blue“, „Midnight Blue“, „Bluebird Is Dead“ etc.) – der Text bei „Mr. Blue Sky“ ist kitschig, einfach und sinnlos. Da heisst es: „Sun Is Shining In The Sky / There Ain’t A Cloud In Sight / It Stopped Rainin’ / Everybody’s In A Play / And Don’t You Know / It’s A Beautiful New Day“. Die tolle Stimmung wird dann dem ominösen Mr. Blue Sky in die Schuhe geschoben, der wohl nur in Lynne’s Kopf existiert. Aber wo war der Mr. denn so lange? So heisst es im Refrain: „Mr. Blue Sky / Please Tell Us Why / You Had To Hide Away / For So Long Where Did We Go Wrong?“
Nun ja. Es geht noch schlimmer. Denn der absolute Tiefpunkt des Albums ist „Jungle“. Da wird es schon fast peinlich. Lynne singt über Tiere, die sich im Urwald treffen und dort zusammen tanzen. Wieder ist die Stimmung super. Es steht also jemand im Dschungel (Jeff Lynne?) und dann passiert etwas gar wunderliches: „I Was Standin’ In The Jungle / I Was Feelin’ Alright / I Was Wandrin’ In The Darkness / In The Middle Of The Night / The Moon Began To Shine / I Saw A Clearing Ahead / But What’s That Going On / I Think I’m Out Of My Head“ Was passiert also? Lynne singt im Refrain: „Chooka Chooka Hoo La Ley / Looka Looka Koo La Ley / A Hundred Animals Were / Gathered Round This Night“ Schon klar. Die Krone des Schwachsinns ergibt sich aber dann, als der Titel seinem „Höhepunkt“ zusteuert und Lynne singt „And The Danced…“ Dann plötzlich werden lauter Tiergeräusche mit Claps zusammengemischt, so das man denken müsste, das die Tiere da jetzt alle im Urwald tanzen und ELO mittendrin stehen und musizieren. Aua! Das geht schon fast als Kinderlied durch.
Jetzt wird sich mancher fragen: warum überhaupt diese Rezension, wenn ich doch nur ablästere? Richtig. Es gab ja auch (zumindest musikalische) Lichtblicke.“The Whale“ find ich schon wieder genial. Als Fast-Instrumental versucht Lynne die Geräusche von Walen im Ozean nachzuahmen. Klingt genauso albern wie „Jungle“, funktioniert aber. Rausgekommen ist ein schöner Easy-Listening-Track. „It’s Over“ find ich auch ok. Ein etwas ruhigerer Song, der zwar auch ein bißchen kitschig ist – aber nicht ganz so kitschig wie „Jungle“ oder „Mr. Blue Sky“. „Birmingham Blues“ rockt sogar ein bißchen, „Across The Border“ lässt gar ansatzweise textliche Raffinesse durchblicken („I Gotta Get That Southbound Train Tonight / If I Don’t Get To The Border Then I’ll Write“) – das kann man durchgehen lassen. „Starlight“ ist nochmal schönes Easy Listening.
Abschließend stelle ich also fest, das das Konzept der Kreuzung von Rock und Klassik zwar interessant ist, aber bei ELO mit jedem Album immer kitschiger und kommerzieller wurde. Auf „Out Of The Blue“ befand sich die Band kommerziell auf dem Zenit und zollte dem Mainstream bereits gehörig Tribut. Der Mythos ELO lebt für mich vor allem von vergangenen Zeiten, als ich noch keine „richtigen“ Rock-Bands kannte/hörte.





Wieder eine sehr lesenswerte Kritik
Für mich bestätigt sich allerdings, dass meine Entscheidung zwecks einer Best Of-CD zugunsten von Jethro Tull (anstatt ELO), die richtige war.
Bin schon gespannt, was als nächstes hier kredenzt wird.
Vielen Dank.
Du hast in jedem Falle richtig gehandelt. Da Jethro Tull ja ebenfalls zu meinen Lieblings-Bands zählt, werden in Zukunft auch Alben von JT folgen. Als nächstes wird warscheinlich „Katy Lied“ von Steely Dan folgen.
S cheinbar hören wir die gleichen Platten. Von „Out Of The Blue“ war ich allerdings ebenfalls enttäuscht, da gibts bessere ELO-Werke.
Kennst du die alten Platten von Gerry Rafferty? Absolut geil.
Nein!! Leider nicht. Welches kannst du empfehlen? „City To City“ (vor allem wegen „Baker Street“) wollte ich aber schon immer mal antesten! Ich hab ne Best Of von Gerry da, die mich aber nicht so vom Hocker reißt.
Bin zufällig über diese OOTB-Kritik gestolpert. Für mich ist sie oberflächlich und reitet nur auf den üblichen Klischees herum. ELO und Jeff Lynne sind großartig und einzigartig. Das haben mittlerweile viele Leute im Musikgeschäft erkannt. Zu Lynnes Bewunderern zählen Tom Petty, Francis Rossi (Status Quo), Jason Lytle (Grandaddy), Neil Hannon (Divine Comedy), Axl Rose (Guns #n’ Roses), Dave Edmunds, The Killers, Grandaddy, Super Furry Animals, The Thrills, Orson, Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters), Todd Rundgren und viele andere …
Was die Texte betrifft: ELOs Musik ist eher cinematic, die Texte sind oft funktional und zweitrangig. Wer ELO wegen der Texte kritisiert, hat die Band nicht verstanden. Und schlechter wie die von den Beatles oder Stones sind sie auch nicht. Analysiert man deren Texte nach gleichen Maßstäben, kann man sie ähnlich runterschreiben wie du das mit ELO machst.
Nicht bei jeder Art von Musik stehen die Texte im Vordergrund, dann müsste man ja Instrumentals verdammen. Bei ELO gibt es aber auch sehr gelungene Textzeilen, z. B. bei Sweet Is The Night oder Ticket To The Moon. Das neue Album Zoom ist ein sehr lyrisches Album. Und zu Jungle: Es geht um einen Traum, wie es ohnehin bei ELO oft um Traumwelten geht. Deswegen klingelt auch der WEcker. Der Song war auch als Funsong gedacht, um das Doppelalbum aufzulockern. What’s wrong with that? Kinderlied? Nun, meine Philosophie ist, dass zur Musik auch Spaß gehört und dass man als Erwachsener versuchen sollte, dass „Kind in einem“ nicht zu töten.
ELO sind eine der am meisten verkannten Bands der Musikgeschichte (bzw. sie wurden auch bewusst niedergeschrieben, vielleicht auch, weil sie zu gut waren?). Zwar handelt es sich um klassische Songstrukturen, aber die Komplexität der Band zeigt sich in den Arrangements, Studiotricksereien und der Vertracktheit des Gesangs. ELO waren eine der innovativsten Gruppen überhaupt. Sie haben mit klassischen Instrumenten experimentiert, das Multi-Tracking auf die Spitze getrieben, die Keyboardtechnologie innovativ genutzt. Und einen kristallklaren KLang miterfunden, der in seiner Dreidimensionalität (nahe und ferne Klänge) seiner Zeit Jahrzehnte voraus war, wenn man bedenkt, was jetzt mit Surroundmixes so abgeht. Obwohl viele meinen, ELO hätten nur einen Sound gehabt, haben sie in Wirklichkeit eine riesige Stilbreite an Klängen hervorgebracht und waren live nocghmal vällig anders, nämlich eine krachende Rockband. Und das Dümmste, was ich zuletzt in einer RTL-Show gehört habe, war, dass sie nur drei Akkorde benutzt hätten. Dabei geht es Lynne gerade um Akkordwechsel und seltsame Akkorde. Das stellt er immer wieder als zentrales Element seiner Musik heraus, neben seinem Interesse an starken Melodien und dem Arrangement.
Glaubt nicht diesen Leuten mit ungesundem Halbwissen, die immer nur aufgreifen, was sie irgendwo mal aufgeschnappt haben und wahrscheinlich nur drei ELO-Singles kennen. Schnappt Euch lieber mal ein paar Kopfhörer und hört mal intensiv auf die Arrangements und die Studiozaubereien von Jeff Lynne. Manche der Dinge, die er damals mit dem Equipment der 70er erreicht hat, waren einfach unglaublich schwierig. Aber von ein bisschen Radiogedudel Hold On Tight kriegt man das schlecht mit.
Von wegen leichtgewichtiger Pop.
ELO sind ein schlafender Riese. Grandios.
Zunächst mal danke für deine ausführliche Sicht der Dinge.
Was sich hier auf jeden Fall sofort zeigt: Musik ist Geschmackssache. Für mich haben Texte neben der Musik (die theoretisch sicher auch ohne Texte existieren könnte!) eine sehr wichtige Bedeutung. Ich gebe dir auch recht, das einige Texte auch nicht besser sind, als bei den Rolling Stones und den Beatles (Paradebeispiel: „Yellow Submarine“) sind. Aber deshalb zählen diese beiden Bands auch nicht zu meinen Favoriten. Ich halte die Rolling Stones und die Beatles in der öffentlichen Meinung auch viel zu überbewertet. Ich würde die mitgehen, wenn jemand die Beatles als beste Band der Welt bezeichnet. Bei „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ wär ich fast eingeschlafen.
Unbestritten sind meiner Ansicht nach hingegen die musikalischen Fähigkeiten von Jeff Lynne und vor allem auch Richard Tandy (der so manchem Titel mit einem Pianosolo das i-Tüpfelchen aufgesetzt hat – als Beispiele seien mal „Evil Woman“ und „Wishing“ genannt!). In der Tat kann der Text von „Ticket To The Moon“ sich sogar sehen lassen. Teilweise spricht Lynne mir aus der Seele, wenn er singt: „Remember The Good Old 1980s / Where Things Were So Uncomplicated / I Wish I’d Go Back There Again / And Everthing Could Be The Same.“
Ich wollte nur aber trotzdem die Einfachheit und Schmalzigkeit einiger Titel hervorheben (mehr textlich als musikalisch) – was ich auch persönlich so empfinde. Wer einen Titel wie „Jungle“ bringt, hat keinen Platz im Rock-Olymp verdient. ELO waren meine „erste Rockgruppe“ und haben deshalb auf spezielle Art und Weise einen Ehrenplatz. Aber gegen Gruppen wir „Steely Dan“ oder „Jethro Tull“ die textlich und musikalisch vollends überzeugen, sehen sie keinen Stich!
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Steely Dan und Jethro Tull sehen gegen ELO keinen Stich!
Hm, kürzlich habe ich „Out Of The Blue“ noch einmal komplett auf CD gehört (die beieindruckende Doppel-LP habe ich auch noch, die lief schon in meiner Jugend auf meinem ersten Plattenspieler mit Plastikboxen) und ich muß sagen, daß die Platte (bzw. jetzt CD) für mich nichts von ihrer Klasse eingebüßt hat. Kein einziger richtig schwacher Song – das ist bei einer Doppel-LP schon eine Leistung.
Die Kritik an den Texten, insbesondere bei „Mr. Blue Sky“ kann ich nicht nachvollziehen. Gerade „Mr. Blue Sky“ ist ein wunderbar poetischer Text, der Bilder im Gehirn des Zuhörers entstehen läßt und (zumindest bei mir) gute Stimmung erzeugt. Es geht ja weniger um die Farbe blau sondern um den blauen, sonnigen Himmel nach einer Regenphase, der die Welt gleich wieder viel freundlicher und fröhlicher aussehen läßt und wie kann man das wunderbarer beschreiben als in „Mr. Blue Sky“?
Geradezu genial finde ich die Passage:
„Mr. Blue you did it right
But soon comes Mr. Night
Creepin’ over, now his hand is on your shoulder…“
Das ist doch was anderes als einfach zu beschreiben wie es dunkel wird und die Nacht einbricht! Wie gesagt, Poesie!
Einen einzigen Schwachpunkt hat das Werk und das ist der Sound; die Instrumente, insbesondere das Schlagzeug, klingen etwas blechern, da hätte der Soundengineer sich etwas mehr Mühe geben können. Trotzdem für mich eines der besten Pop/Rock-Alben aller Zeiten!
Hallo Holger,
über Gegenmeinungen in Beiträgen wie diesen freue ich mich immer sehr – das ist bei deinem Kommentar nicht anders. Ich will ELO nicht völlig schlecht machen – das was du als Poesie beschreibst , und was aus deiner Sicht auch wie Poesie aussehen kann, kommt aber insgesamt auf das Gesamtwerk von ELO etwas einfach vor. Ich mag es eben lieber, wenn Texte etwas kryptischer á la Steely Dan geschrieben sind. Vielleicht ist es deshalb auch ein bißchen Geschmackssache.
Mich stört außerdem, das ELO nach und nach immer kommerzieller geworden sind, was sich dann nicht nur textlich, sondern auch musikalisch ausgedrückt hat. Mich würde deine Meinung speziell zu dem Titel „Jungle“ interessieren, wo Lynne den Bogen meiner Meinung nach doch gewaltig überspannt (sie Beitrag selbst und Kommentar von Peter Sutter).
Aber trotzdem höre ich immer wieder mal gerne ELO, weil sie natürlich auch überaus positives zu bieten haben und vor allem deshalb eine Sonderstellung für mich einehmen, weil sie die erste Classic Rock-Band sind, mit der ich mich eingehender beschäftigt habe.
Hallo Roman,
jetzt habe ich „Jungle“ extra nochmal isoliert von den anderen Songs gehört und mir den Innenumschlag der Doppel-LP genommen, auf dem die Texte aufgedruckt sind, um Deine Kritik an dem Song noch einmal nachzuvollziehen. Aber ganz ehrlich – ich find das Ding nicht schlecht. Eingängige Melodie, ein paar Soundspielereien dabei, alles in allem nach meinem Empfinden gut gemacht. Den Text finde ich keinesfalls kitschig, eher originell. Für mich muß da nicht immer extremer Tiefgang drin sein, „Chooka Chooka Hoo La Ley / Looka Looka Koo La Ley“ ist sicherlich keine große Lyrik, aber auch nicht weniger banal als „I Love You Yeah Yeah Yeah“, was man u.a. von der gemeinhin als größter Band aller Zeiten beurteilten Gruppe um Lennon und McCartney zu hören bekam.
Ich finde es prinzipiell schon mal gut, wenn ein Text sich außerhalb der üblichen Liebe-, Herz- und Schmerzregionen bewegt und „Jungle“ ist da doch eher außergewöhnlich. Und wie P. Sutter es oben schon beschrieben hat, das Ganze ist als Traum zu sehen; am Schluß des Songs tickt und klingelt ein Wecker und beim Erwachen hört man in einer Art Echo noch einmal das „Chooka Chooka Hoo La Ley“…
Ich möchte aber auch noch einmal auf den von Dir kritisierten „Mr. Blue Sky“ zurückkommen. Die vier Songs „Standin’ In The Rain“, „Big Wheels“, „Summer And Lightning“ (übrigens auch ein klasse Teil) und eben Mr. Blue Sky bilden auf der ursprünglichen Doppel-LP ja die Seite 3 und sind mit „Concerto For A Rainy Day“ überschrieben. Und bei „Mr. Blue Sky“ ist der Regen eben vorüber und alles freut sich über den blauen Himmel, den „Mr. Blue Sky“ eben. Es ist also keinesfalls eine „sinnlose“ Verarbeitung von Jeff Lynnes Liebe zur Farbe blau, wie Du es interpretiert hast, sondern eine in Methaphern gepackte Beschreibung der Wirkung des Wetters auf das Gemüt der Menschen – wie ich schon oben sagte, nach meinem Empfinden genial gemacht.
Jeff Lynne ist für mich einer der ganz Großen der Szene, so ein Album quasi im Alleingang zu produzieren, komponieren und zu texten ist schon aller Ehren wert!
Also man kann das mit dem Traum (Weckerklingeln am Ende) schon nachvollziehen – mir ist das trotzdem irgendwie zu „albern“. Ich bevorzuge da eher Texte mit mehr Tiefgang. Von den Beatles gibt es auch alberne Textpassagen, ja klar – ich halte die Beatles ohnehin für überbewertet. Sie sind gut, aber nicht die beste Band der Welt. Mir fällt da ein anderes Beispiel ein, nämlich „Shu Ba Da Du Ma Ma Ma“ von der Steve Miller Band, die ich sehr schätze. Das finde ich komischerweise wieder witzig, Steve Miller hat in meinen Augen sowieso Narrenfreiheit – er singt zwar häufig so einen Käse, aber immerhin gibt es auch politisch motivierte Stücke. Am Ende ist es warscheinlich doch ein großes Stück Geschmackssache, denn objektiv ist „Shu Ba Da Du Ma Ma Ma“ natürlich gensauso inhaltsleer wie „Chooka Chooka Hoo La Ley“ …
Das Talent von Jeff Lynne ist insgesamt auch für mich unbestritten – aber „Jungle“ ist für mich definitiv einer der schlechtesten Titel vom Electric Light Orchestra.
Nicht alles von ELO ist Gold, was glänzt (wie bei den meisten anderen Bands auch), aber was die Doppel-CD „Out of the blue“ anbelangt, so ist das eine der wenigen CD’s, von denen ich ich jedes Stück mag. Unbeschwert und kreativ, episch und experimentell, teilweise simpel in der Melodie, aber mit genialen Arrangements: das ist Out of the Blue für mich. Ein musikalisches Kleinod…
Was Jeff Lynne hier geleistet hat, ist ein Füllhorn an Musikalität, wie ich es es selten gleich im Doppelpack erlebt habe. Zudem mochte ich die Verbindung von Rockmusik mit Orchester und Chor. Hier war ich auch gerne bereit, auf Texte mit viel Tiefgang zu verzichten, obwohl ich die Verbindung von guter Musik und anspruchsvollem Inhalt durchaus zu schätzen wusste.
Also: auch das Lied „Jungle“ verursacht bei mir gleichzeitig Gänsehaut und gute Laune – auch heute noch. Einfach Fun pur, tolle Melodie, Gaga-Text (auch Dadaismus hat seine Berechtigung), der sich nach dem Wecker-Klingeln klar als Traum entpuppt.
Anstelle einer Best-of-CD empfehle ich „Out of the blue“ (gibt es in Remaster-Qualität zum 25-Jahr-Jubiläum) sowie „Discovery“. Meines Erachtens die beiden wichtigsten und besten Alben der Band.
P.S. Ich bin auch Fan von Jethro Tull. Die beiden Gruppen haben zwar unterschiedliche Musik gemacht, aber auch JT sind für mich wahre Künstler. Sich für die eine oder andere Band zu entscheiden, ist ein Verlust: beide Bands sind es noch immer wert, gehört zu werden!