In meiner Steely-Dan-Reihe werde ich hier im Laufe der Blogzeit zumindest über alle 7 Alben der Siebziger meine Meinung bekanntgeben. Nach „Can’t Buy A Thrill“ (Link am Ende des Beitrages) widme ich mich nun dem zweiten Album „Countdown To Ecstasy“ aus dem Jahre 1973.
Nachdem der Titel des ersten Albums „Can’t Buy A Thrill“ ja eher Understatement war und durch das Album selbst inhaltlich widerlegt wurde, versprach der Titel des Albums noch einiges mehr: wenngleich „Countdown To Ecstasy“ längst nicht so erfolgreich war (kommerziell), so stellt es für mich doch einen wichtigen Punkt in der Entwicklung der Gruppe dar.
Keine Ahnung, was der Opener „Bodhisattva“ uns inhaltlich sagen soll – das Steely Dan Dictionary erklärt uns die Begrifflichkeit „Bodhisattva“ jedenfalls so: „In Buddhism, a being who compassionately refrains from entering nirvana in order to save others and lead them to enlightenment. Bodhisattvas are themselves worshipped as deities in Mahayana Buddhism.“. Im Text heisst es: „Bodhisattva / Would you take me by the hand / Can you show me / The shine of your Japan / The sparkle of your china / Can you show me / Bodhisattva“ – Interpretationsversuche? Immer her damit! Wie dem auch sei – musikalisch ist es jedenfalls ein Kracher. Würde man eine Party-CD nur mit Steely-Dan-Stücken zusammenstellen wollen (das würde Becker und Fagen vermutlich nicht gefallen), dann müsste „Bodhisattva“ auf jeden Fall rauf auf die Scheibe!
Danach wird es etwas ruhiger mit „Razor Boy“ – Highlight ist hier das fantastische Marimbaphon (gespielt von Victor Feldman), welches den Titel maßgeblich aufwertet. Dann folgt ein Highlight: „The Boston Rag“! Für mich überhaupt ein Hightlight der früheren Alben von Steely Dan. Das Gitarrensolo nach den beiden Strophen und dem Piano-Motiv ist einfach der Hammer. Ein wunderbares Beispiel für ein gutes Gitarrensolo, das aus meiner Sicht nie so laut sein darf, das man dem Hörsturz nahe ist, aber trotzdem „rocken“ muß. Perfekt.
Dann kommt „Your Gold Teeth“ – so schmissig und funky, aber gleichzeitig zu jazzig (was ja nicht schlecht ist) hat man Steely Dan selten erlebt. Lediglich die Textzeile: „Dumb luck my friend / won’t suck my in this time“ gibt hier zu denken. Danach folgt mit „Show Biz Kids“ der einzige Titel an dem ich persönlich was auszusetzen habe. Der Background-Chor ist über den ganzen Titel ausgedehnt etwas langatmig, zudem stört mich das „Um die Wette Gekreische“ mit der Gitarre am Schluß – das muß nicht wirklich sein. Außerdem die Textpassage: „Show biz kids making movies / Of themselves you know they / Don’t give a fuck about anybody else“ – das mag inhaltlich häufig zutreffen, aber man kann es auch vornehmer ausdrücken. Die Plattenfirma war zu recht entsetzt, das die Jungs den Titel als erste Singleauskopplung ausgewählt haben!
Dann geht’s aber weiter mit dem nächsten Highlight: „My Old School“: „And I’m never going back / To my old school“. Für mich ein interessanter Text. Während Fagen die Entscheidung wohl freiwillig besingt, kann ich meine Schule leider nicht mehr besuchen, weil sie bereits geschlossen wurde. Musikalisch wieder ein Kandidat für die imaginäre Party-CD – die Gitarre ist einfach herrlich. Pop meets Jazz in Perfektion – sowas sollte tagsüber im Radio laufen. Dann mach ich die Kiste auch mal wieder an! Dann folgt mit „Pearl Of The Quarter“ ein Pseudo-Lovesong, der warscheinlich wieder irgendwie ironisch und sarkastisch ist, was ihn als klassischen Lovesong leider völlig ungeeignet macht. Schade – denn „Pearl Of The Quarter“ halte ich für einen Spitzentitel für einen Lovesong, musikalisch passt es auch.
Das Album klingt dann mit „King Of The World“ alles andere als leise aus. Als ich den Titel zum ersten Mal mit Kopfhörern gehört habe, dachte ich nur: Wow! Das Intro hört sich an, als wenn Isaac Hayes kurz zum Kaffee vorbeigekommen wäre. Sensationell. Auch wieder ein sehr guter Track! Als Fazit muß ich sagen: ein gutes bis sehr gutes Album von Steely Dan, die uns danach aber noch mit viel besseren Nummern beglückt haben. Das Album ist aus meiner Sicht insgesamt gesehen besser als „Gaucho“, aber vorrangig aufgrund „Show Biz Kids“ schlechter als viele andere Platten von Steely Dan. Außerdem fehlt irgendwie der musikalische Zusammenhalt zwischen den Titeln. Das ist zum Beispiel auf „The Royal Scam“ oder „Aja“ ganz anders!
Links zum Thema:
=> Offizielle Seite von Steely Dan
=> Plattenteller: Donald Fagen – The Nightfly (1982)
=> Plattenteller: Steely Dan – Can’t Buy A Thrill (1972)





[...] zum Thema: => Offizielle Seite von Steely Dan => Plattenteller: Steely Dan – Countdown To Ecstasy (1973) => Plattenteller: Steely Dan – Can’t Buy Thrill (1972) => Plattenteller: Donald Fagen – [...]