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Norbert Röttgen will den Atomausstieg, scheinbar zumindest. Vorerst. Bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen jedenfalls. Und jetzt geschieht das Unglaubliche – Angela Merkel pflichtet ihm bei:

“Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren Umweltminister gegen Kritik in Schutz genommen: Dessen Interviewäußerungen des Parteikollegen Norbert Röttgen zum Atomausstieg seien Grundlage der Koalitionsvereinbarung, sagte ein Regierungssprecher und stellte im Namen Merkels klar: Die Kernenergie sei eine Übergangstechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien ersetzt werden könne.”

Ich habe es ja schon immer gewusst: den schwarz-gelben Koalitionsvertrag kann man sich in die Haare schmieren! Aber Röttgen und Merkel führen uns das auch nochmal eindrucksvoll vor – jetzt müsste es eigentlich auch der letzte BILD-Leser begreifen. Der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag ist ein Vertrag wie ein Teppich: Auslegungssache!

Es ist schon peinlich, das Merkel bei Fragen zur Atomkraft sofort reflexartig auf Brücken- und Übergangstechnologien zu sprechen kommt. Alles Augenwischerei! Die Fakten, die Merkel und Röttgen nicht aussprechen wollen, sind eindeutig: es bleiben alle Kernkraftwerke am Netz, ungeachtet berechtigter Bedenken in Sachen Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Von Angela Merkel werden wir nie ein eindeutiges Wort dazu hören, ein Koalitionsvertrag wie maßgeschneidert für die Kanzlerin. Warscheinlich hatte sogar ihre Neujahrsansprache mehr inhaltliche Substanz!

Rare Earth – eine Band, die mir bis vor kurzem völlig unbekannt war und die ich bei Last.FM gefunden habe, als ich nach Bands suchte, die vermeintlich Ähnlichkeit mit Blood, Sweat & Tears besitzen.

Mhmm, das Cover! Das sieht irgendwie aus, als wenn Bon Scott das im Jenseits gepinselt hätte, also irgendwie nach Hard Rock. In Wirklichkeit sind Rare Earth aber eine Rockband, die einen Plattenvertrag bei einem Motown-Sublabel hatten (jedenfalls damals), das auch noch ihren Namen zierte. Und ich muß sagen, da wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes hellhörig – denn Classic Rock mit Motown-Einflüssen hört sich für mich nach einer selten optimalen Kombination an! In der Tat – die Jungs spielen Classic Rock und singen dazu wie eine Motown-Kapelle. Wunderbar! Für mich steht außer Frage, das die mehrere gute Alben eingespielt haben – aber ich habe repräsentativ “Ecology” gewählt, weil das Herzstück des Albums aus zwei famosen Coverversionen besteht. Doch der Reihe nach!

Den Auftakt macht “Born To Wander” – damit GEHT es sozusagen los, im Grunde noch das Lied, das die positivste Stimmung versprüht: “I Was Born To Wander, And It’s Time For Movin’ On” – auch textlich ein ziemlich perfekter Opener. Zwischendurch ein Flötensolo, eine schmissige Gitarre. Was will man mehr? Erstes kleines Highlight ist dann “Long Time Leavin’”, wo die Band den Refrain im Chor singt, was dann erstmals die stimmlichen Qualitäten der Band voll zum Tragen kommen lässt. Außerdem hört sich die Platte hier auch zum ersten Mal ein bißchen nach Motown an. Aber dann gibts auch schon ein schönes Orgelsolo im Mittelteil – und so geht es dann ständig hin und her! Klasse! Zum Ende hin folgt ein Rhythmuswechsel (“Searchin’ for my dream…”) und die Nummer klingt mit einem Saxophonsolo aus. In dem Song ist wirklich alles drin. Dann folgt die erste Coverversion, die ich oben ansprach: “(I Know) I’m Losing You)” (US #7) – gecovert werden hier die Temptations, deren Version im Vergleich geradezu einschläfernd daher kommt. Überhaupt: das Problem zahlreicher Motown-Gesangskapellen (die Temptations sind da ein Paradebeispiel!) ist, das die Instrumentalisierung stets ähnlich, weil zu minmalistisch ist. Im Grunde werden die Songs zumeist von den ohne Zweifel überragenden Stimmen der Intepreten getragen, was natürlich funktioniert, aber auf Dauer auch schnell langweilig wird.

In der Version Rare Earth ist stimmlich alles dran, was man warscheinlich bei den Temptations suchen und finden wird. Doch dazu kommen noch krachige Gitarren, Orgelspiel und auch sonst ausschweifende Soli’s diverser Instrumente, die das gute Original veredeln. Mit knapp elf Minuten fällt die Version von Rare Earth dann auch keine Sekunde zu lang aus. Ein offenbar nahezu unbekanntes Meisterwerk! Auf gleichem Niveau folgen dann “Satisfaction Guaranteed” (könnte der passende Werbespruch zur Platte sein!) und “Nice Place To Visit”. Das folgende “No. 1 Man” ist dann textlich sozusagen der Prolog zu “(I Know) I’m Losing You”: “Now I’m Tryin’ To Do The Best I Can, Just To Proove My Love Is Real. Now I’m Tryin’ To Do The Best I Can Got To Show You Just The Way I Feel.” und beginnt mit indischen Gitarrenklängen, die rockige Gitarre zieht sich wie ein roter Faden durch den Song. Wenn man so will, ist “No. 1 Man” auf der Platte der Hardrocker!

Letzter Song ist dann “Eleanor Rigby”, eine Coverversion der Beatles, der ich im Original wenig Beachtung geschenkt habe – und das trotz des nachdenklichen, mehr als tiefgründigen Textes. Unabhängig von der Tatsache, das ich die in den Himmel gelobten Beatles für überschätzt halte, handelt es sich natürlich um eine Songwriting-Glanzleistung, an der Paul McCartney wohl den größten Anteil gehabt hat. Gesanglich und instrumental allerdings fällt die Version der Beatles deutlich hinter der Version von Rare Earth zurück. Wie kann man diesen Song besser authentisch rüberbringen, als mit Kirchen-Chor-Anleihen und Motown-Gesang? Gar nicht. In der dritten Strophe (Rigby’s Beerdigung) läuft mir jedes Mal wieder ein kalter Schauer den Rücken herunter.

Insgesamt fällt das Fazit eindeutig aus: bei “Ecology” handelt es sich um eine Platte die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte und die bei höherer Popularität wohl tatsächlich als Meisterwerk gelten würde.

Heute: Glenn Frey (Musiker, Adler)

“Ohne Don Henley hätten wir nur Lovesongs und schöne Chöre. Wir wären Air Supply.”

Quelle: Irgendwann im Rolling Stone gelesen

Dem kann/muß ich uneingeschränkt zustimmen!

Aber hallo! Da haben sich die Damen und Herren von der FDP ja eine wirklich glänzende Strategie einfallen lassen, um ihren Sinkflug in den Umfragen zu stoppen:

Die FDP will das Reformtempo der schwarz-gelben Koalition erhöhen und dabei besonders den Steuersenkungskurs beschleunigen. Dies vereinbarten die Spitzen von Partei und Fraktion während einer vierstündigen Sondersitzung am Sonntagabend in Berlin. Demnach soll noch vor der Steuerschätzung im Mai ein Konzept für weitere Steuersenkungen präsentiert werden.

Interessant. Sehr interessant! Wie schade für die FDP, das niemand zu erkannt haben scheint, dass ihre Vorhaben leider nicht mehrheitsfähig sind. Die halten sich jetzt für eine Volkspartei – in Wirklichkeit ist ihr völlig aufgeblasenes Wahlergebnis bei der letzten Bundestagswahl nur Resultat der großen Koalition und daraus resultierender Wechselstimmung gewesen. Das die FDP sich jetzt einbildet, dauerhaft Ergebnisse im Windschatten der SPD einfahren zu können, ist eine für die FDP absolut tragische Fehleinschätzung. Aber nun gut. Was zählt, ist ja ohnehin das Land und nicht die FDP.

Jedenfalls lehnen die Deutschen mehrheitlich die meisten Vorhaben der FDP ab – und genau diese Vorhaben sollen jetzt beschleunigt werden, wenn es nach dem Sinn der FDP geht. Aber die Mühe könnte man sich sparen – die Union wird vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nichts bewegen und der FDP eher übel nehmen, das sie das mit CDU und CSU ausgehandelte Stillhalteabkommen gebrochen hat:

Die FDP will vor allem die weiteren Schritte bei einer Steuerstrukturreform einschließlich der damit verbundenen Sparmaßnahmen konkretisieren. Die Liberalen gehen damit auf Distanz zu dem Stillhalteabkommen in der Steuerfrage, das die drei Parteichefs der Koalition vor drei Wochen mühsam gefunden hatten. Damals hatten Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle vereinbart, dass konkrete Zahlen über Steuerentlastungen und Sparmaßnahmen zur Gegenfinanzierung erst nach der Steuerschätzung Anfang Mai genannt werden sollen.

Viel Spaß dabei! Und ganz nebenbei bemerkt ist das indirekt auch der Beweis dafür, das es auch der FDP bei dem Stillhalteabkommen zunächst um die Sicherung eines gutes Ergebnisses bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ging.

Ich weiß nicht. Ist die Personaldecke der CDU inzwischen so dünn, dass eine Frau wie Kristina Köhler Familienministerin werden kann, der offenbar nicht klar ist, dass sie sich mit ihrem Vorhaben, Initiativen gegen rechts vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen, ins eigene Fleisch schneidet? Immerhin ist Köhler auf demokratischem Wege in ihr Amt gekommen – und letztendlich stellt sie mit ihrer Ankündigung couragierte Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht, die in freiwilliger und mehr als ehrbarer Tätigkeit genau diese Demokratie auf friedlichem Wege verteidigen, die Köhler zu einer an sich sensationellen Karriere verholfen haben.

Köhler’s Ankündigung ist eine absolute Beleidigung für jeden, der sich gesellschaftlich gegen Rechtsextremismus engagiert. Ein Schlag ins Gesicht. Zu einem noch schlechteren Witz wird ihre Ankündigung dadurch, dass die Poltik selbst ja nicht in der Lage ist, ensprechende Maßnahmen einzuleiten, um Rechtsextremismus angemessen zu begegnen. Man muß sich das mal überlegen: jedes Jahr dürfen sich Bürgerinnen und Bürger auf neue Belastungen “freuen”, die dann zusehen dürfen, wie die Politik unsere Steuergelder für die Überprüfung von Initiativen gegen rechts oder als Wahlkostenrückerstattung für NPD und DVU verplämpert!

Und man fragt sich auch: wo steckt der tiefere Sinn hinter dieser Idee? Das die FDP Klientelpolitik betreibt, ist ja noch nachvollziehbar – schließlich wurde sie gut dafür bezahlt! Aber in diesem Fall hilft diese Erklärung (hoffentlich) nicht. Der Schaden ist schon entstanden. Da hilft es auch nicht, dass Köhler inzwischen halbherzig zurückgerudert ist – wenn überhaupt.

Ach ja: das Wort “blockiert” habe ich absichtlich groß in den Titel geschrieben – und zwar genau deshalb.

Heute: Jürgen Todenhöfer (Publizist, Autor)

“In Deutschland muß der Innenminister Terroristen jagen, die der deutsche Verteidigungsminister durch das Töten afghanischer Zivilisten züchtet. “

Quelle: taz, Printausgabe 25. Januar 2010, Seite 4

Merke also – Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt, es gerät am Hindukusch vielmehr in Gefahr.

Ich bin wirklich schockiert! Das Bündnis “Dresden Nazifrei!” muß sich derzeit mit einigen Repressionsmaßnahmen auseinandersetzen, die mich doch in erheblichem Maße an unserem Rechtsstaat zweifeln lassen. Stein des Anstoßes ist dieses Plakat:

Angeblich soll dieses Plakat mehr oder weniger offen zu Gewalt aufrufen. Im Zuge der Untersuchungen betreffend dieses Vorwurfes wurden von der Staatsanwaltschaft Dresden Hausdurchsuchungen durchgeführt, mit der Folge, dass die Homepage http://www.dresden-nazifrei.de abgeschaltet werden musste – inzwischen ist die Homepage auf einen ausländischen Webserver umgezogen und nun unter http://www.dresden-nazifrei.com erreichbar. Auch wurde die Bundestagsabgeordnete Dorotheé Menzner (Linkspartei) festgenommen, als sie mit vier Jugendlichen Plakate für die Aktion klebte!

Ich frage mich, was ist da los? Auf dem Plakat steht “Gemeinsam blockieren” – soll das ein Aufruf zur Gewalt sein? Nein, das ist natürlich kein Aufruf zur Gewalt! Sonst wäre ja jede Blockadeaktion der Polizeit auch ein Akt der Gewalt – würde das jemand von der Polizei Dresden bejahen? Na also!

Ich verlinke das Plakat und die Homepage ganz bewusst, weil mir klar ist, dass ich damit natürlich keineswegs zur Gewalt aufrufe. So ein Unsinn. Außerdem steht der Server, der meinen Blog hostet, mit Sicherheit nicht in Deutschland. Und wenn hier doch jemand von der Polizei bei mir klingelt, dann werden wir das schon irgendwie klären. Nein – das ist keine Ankündigung von Gewalt. Ich koche einen Kamillentee und dann diskutieren wir das aus!

Ich glaube, ich will gar nicht wissen, warum die Staatsanwaltschaft Dresden das gemacht hat – dieses Plakat ist auf jeden Fall kein Aufruf zur Gewalt. Definitiv nicht!

Update: Mich regt das alles ja nur maßlos auf, so das ich nicht ansatzweise so zutreffende Worte wie Bloggerkollege Sven Scholz gefunden habe – sein Beitrag “Nazis und die Meinungsfreiheit” trifft den Nagel mehr als auf den Kopf! Sehr lesenswert.

Ach Herrgott! Es ist nicht so, das ich Mitleid mit der CSU habe. Trotzdem: die treffen sich in Kreuth zu ihrer alljährlichen Klausur, auf der früher auch schon mal mehr los war. Die ganze Welt (na gut: ganz Bayern) nimmt selbige von außen eher als “Krisensitzung” wahr und dann kommen die da raus und tun so, als hätten die gerade den Weltfrieden ausgehandelt:

“Wir gehen gestärkt, geschlossen und mit neuem Schwung aus dieser Klausur hinaus”, zieht Landtagsfraktionschef Georg Schmid Bilanz zum Abschluss der Tagung in Wildbad Kreuth. Der CSU werde die Kompetenz zugemessen, zentrale politische Fragen zu lösen. “Wir können uns etwas zutrauen, weil wir das Vertrauen der Menschen haben.”

Und Seehofer hat natürlich auch eine Meinung:

Auch Parteichef Horst Seehofer bestätigte, bei den Beratungen seien Zuversicht, Selbstvertrauen und Stolz deutlich geworden. Der CSU sei ein “blendender Start” ins neue Jahr gelungen. Er kündigte an, dass die Partei weiter schwer arbeiten werde.

Da fragt man sich doch: die sind stolz auf den Mist, den sie bei der Landesbank verzapft haben? Die Partei verliert seit Jahren an Zuspruch und die leiten daraus ab, das sie das Vertrauen der Wähler haben, die sie für kompetent halten, zentrale Zukunftsfragen zu lösen?

Ich habe mich immer gerne über die CSU lustig gemacht – aber wozu? Wenn ich mir diese Pressemitteilung anschaue, dann stelle ich fest, das die beste Satire über die CSU derzeit von der CSU selbst kommt!

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