November 9, 2009 von romanmoeller
Ich habe mir neulich eine dieser zahlreichen Dokus über den Abend des 9. November 1989 angeschaut und muß sagen, das mich das auch zwanzig Jahre danach noch völlig mitreisst. Man kann das überhaupt nicht wirklich verstehen und einordnen, wenn man nicht dabei gewesen ist – das ist mein Fazit des Fernsehabends. Und so gebe ich Angela Merkel auch völlig recht, wenn sie sagt:
Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Staats- und Regierungschefs aus rund 30 Staaten zu den Jubiläumsfeiern erwartet, nannte den 9. November 1989 den „glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte“. Dennoch sei die Einheit noch nicht vollendet, sagte Merkel im ARD-Morgenmagazin und rief zu weiteren Bemühungen bei der Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West auf.
Schön gesagt! Aber woran liegt es denn, das die Einheit noch nicht vollendet ist? In der Printausgabe des Freitag lese ich folgendes sehr einleuchtendes Zitat:
Mit dem Blick auf die Gesellschaftsdynamik gewinnen wir eine andere Perspektive auf Vorgänge, die mit dem 9. November 1989 an Fahrt gewannen. Sie besagt: Nicht handelnde Menschen schreiben Geschichte, sondern massenpolitisch wirksame psychosoziale Prozesse erzeugen Veränderungsdruck, der gestaltet werden muss. Geschichte wird zum Abbild kollektiver Verarbeitungs- und Abwehrprozesse psychosozialer Zustände.
Und so waren es weder Kohl noch Genscher, die Architekten der Einheit sind. Es war das Volk als Ganzes! Daraus schließe zumindest ich, das die noch ausstehende Vollendung der Einheit natürlich auch an politischen Aspekten wie dem Lohngefälle zwischen Ost und West liegt, das sie aber vor allem ein Kopfproblem ist!! Das Land ist schlicht und einfach in den Köpfen der Menschen noch nicht zusammen gewachsen!! Viele sehen sich noch als Ossis oder Wessis und viele haben noch imm die alten Klischees und Vorurteile über Ossis und Wessis um Kopf.
Und so groß die Worte von Merkel da auch klingen, so ernüchtend ist die Erkenntnis, dass das Handeln der schwarz-gelben Koalition ein ganz anderes ist. Wie soll denn das Land mental zusammen wachsen, wenn die Politik auch 20 Jahre nach dem Mauerfall das Land noch in Ost und West einteilt:
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sieht hinsichtlich der Infrastruktur im Westen Deutschlands einen erheblichen Nachholbedarf. Die Konzentration auf den Ausbau Ost in den vergangenen 20 Jahren sei aus Solidarität richtig gewesen, sagte der CSU-Politiker zum 20. Jahrestag des Mauerfalls der „Welt am Sonntag“. Jetzt sei es aber an der Zeit, im Westen Versäumtes nachzuholen. „Die Verkehrsinfrastruktur kann man nicht dauerhaft auf Verschleiß fahren.“
Hier handelt es sich allerdings um ein Problem, das die gesamte Politik mit sich herum schleppt. Warum kann der nicht sagen, das er sich dafür einsetzt, das Versäumnisse in strukturell schwachen Regionen nachgeholt werden? Das klingt doch viel geschmeidiger – stattdessen giesst er wieder Öl ins Feuer und faselt was von Aufbau West. Abgesehen davon, das gerade schwarz-gelb das Land ja 20 Jahr nach der Wiedervereinigung noch mehr in arm und reich spaltet, wären schon einfach kosmetische Korrekturen, wie eine bessere Wortwahl der Einheit förderlich.
Bezeichnenderweise ist da durch die Ost-FDP gleich mal ein Aufschrei gegangen! Ramsauer spaltet mit solchen Aussagen nicht nur das Land, sondern sogar den Koalitionspartner.
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Oktober 23, 2009 von romanmoeller
Es gibt zwei Bereiche, in denen die FDP sogar was in meinem Sinne machen könnte bzw. sogar macht. Während es im Bereich der Bürgerrechte etwas besser aussieht, hat das mit der Abschaffung der Wehrpflicht irgendwie gar nicht geklappt:
Die Dienstzeit für junge Männer bei der Bundeswehr soll laut Agenturberichten von derzeit neun Monate auf sechs Monate verkürzt werden. Die Regelung soll zum 1. Januar 2011 gelten. Zugleich hätten sich Vertreter von Union und FDP in ihren Koalitionsgesprächen darauf verständigt, die Wehrpflicht grundsätzlich zu erhalten, hieß es. Aus der Koalitionsrunde verlautete aber auch, dass der Punkt noch nicht endgültig abgehakt sei.
Da die Union offenbar weiter dem Irrglauben erliegt, das die Wehrpflicht gerecht und auch sonst ganz toll ist, will ich das mal aus Sicht der FDP betrachten, die ja hier zumindest auf den ersten Blick eine Verbesserung rein bringen wird. Ist das wirklich so? Ein kurzer Auszug aus dem Wahlprogramm 2009 der FDP:
Die Wehrpflicht ist nicht mehr zu begründen. Sie ist in ihrer Ausgestaltung zutiefst ungerecht und für die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr mittlerweile sogar kontraproduktiv. Sie muss schnellstens ausgesetzt werden. Deutschland benötigt Streitkräfte, die gut ausgebildet, modern ausgerüstet, voll einsatzbereit und schnell verlegbar sind. Das kann nur eine Freiwilligenarmee gewährleisten.
Solche Verhandlungen leben ja auch vom Kompromissen – ganz klar. Aber was bringt die Verkürzung der Dauer von 9 auf 6 Monate im Sinne der FDP? Wird die Wehrpflicht in ihrer Ausgestaltung dadurch gerechter? Ist eine Dienstdauer von 6 Monaten für die Bundeswehr produktiver? Zu besserer Ausbildung und modernerer Ausrüstung wird die Regelung vermutlich auch nicht führen. Das Zitat endet ja richtig – all diese Ziele sind nur mit einer Freiwilligenarmee zu gewährleisten!
Für meine Ablehnung gegenüber der Wehrpflicht sind nach wie vor nicht die Ausbildung, die Ausrüstung oder die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr entscheidend – ja, die brauchen wir auch, aber nur zur Verteidigung unseres Landes und nicht für Afghanistan! Für mich ist weiterhin der freiheitliche Aspekt entscheidend. Ich möchte keine Wehrpflicht aufgezwungen bekommen und dadurch Einschnitte in meiner beruflichen und auch persönlichen Entwicklung hinnehmen müssen. Ich werde so gezwungen mich mit einer Armee zu identifizieren, die in Kriege verwickelt ist. Das will ich nicht. Wir brauchen eine Bundeswehr zu reinen Verteidigung unseres Landes. Das sollen dann die Leute machen, die davon überzeugt sind und das gerne machen. Die machen das dann auch mit voller Motivation. Ich will diesem Land auch helfen, ich identifiziere mich trotzdem mit meinem Heimatland Deutschland. Aber das kann sich auch anders äußern als in Einsätzen an der Front!
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Oktober 21, 2009 von romanmoeller
Bankenkrise, Rettungsfonds, Saucenfond, Rekordneuverschuldung, Schuldenbremse, Schuldenabbau, Steuerentlastungen. Steuerentlastungen? Irgendwie passt das alles nicht so ganz zusammen. Aber was denn nun? Irgendwie hat in der FDP auch niemand die Eier, zuzugeben, dass das doch alles nicht so klappt, wie man sich das vorgestellt hat mit den groß angekündigten Steuerentlastungen. Wäre ja auch ein Unding! Dann wäre das schöne Image der FDP im Eimer, das diese ihren Prinzipien treu bleibt und niemals von ihrer Linie abweicht. Das will ich als einfacher Arbeitnehmer natürlich auch auf keinen Fall, das die FDP kaputt geht. Aber zum Glück haben sich Union und FDP noch einen Schattenhaushalt aus dem Hut gezaubert:
Union und FDP wollen eine Hintertür im Grundgesetz nutzen, um trotz der dort festgeschriebenen Schuldenbremse neue Kredite zum Ausgleich der Defizite in den Sozialversicherungen aufnehmen zu können. Das bestätigte CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter im Grundsatz. Dazu soll ein Sondervermögen neben dem offiziellen Bundeshaushalt gebildet werden. In diesen „Schattenhaushalt“ sollten Zuschüsse und Darlehen des Bundes zur Gesetzlichen Krankenversicherung und zur Bundesagentur für Arbeit (BA) eingebracht werden, die wegen der Rezession mit Finanzproblemen kämpfen, hieß es aus Regierungskreisen. Um welche Größenordnung es geht, ist noch unklar.
Was soll das nun? Am besten kann man das wohl transparent machen, in dem man das mal auf den einfachen Wähler umrechnet. Tun wir doch mal so, als wenn ich die schwarz-gelbe Bundesregierung wäre (ja, Merkel und Westerwelle in einer Person – ist ja auch nur rein hypothetisch!) und mein Girokonto ist der Bundeshaushalt. Nehmen wir doch mal an, ich habe jetzt keine Lust mehr, von meinem Gehalt leben zu müssen und will mal richtig einen drauf machen. Ich nehme also einen Kredit auf und gehe in eine Spielbank und verzocke da große Summen. Danach geht es mir ziemlich schlecht. Ich sage mir, das es so nicht weiter gehen kann und vereinbare für mich eine private Schuldenbremse. Ich sage mir, das ich ab sofort nur noch einen gewissen Betrag als Kredit aufnehmen kann, weil ich sonst auf keinen grünen Zweig mehr komme.
Dann fällt mir auf: ohhh, das Leben ist kein Schonwaschgang! Ich bin ja leider mittlerweile spielsüchtig. Also nehme ich mir aus einem Notizblock einen Zettel und schreibe da Schattenhaushalt drauf. Dann nehme ich nochmal einen dicken Batzen Kredit auf und verzocke den, schreibe das aber nur auf den Zettel. Dann werde ich irgendwann verrückt und bin dazu noch privatinsolvent. Der Insolvenzverwalter wirft einen kleinen Blick auf meine Kasse und hebt mahnend den Zeigefinger. Ich reiße ihm den Zettel aus der Hand und sage: „Nix da! Das war doch nur der Schattenhaushalt!“ Dann grinsen wir uns an, verabschieden uns und alles ist wieder gut.
Was fällt uns da auf? Das ist eine ziemlich bescheuerte Geschichte, die ich mir eben ohne großes Nachdenken aus dem Kreuz geleiert habe. Aber warum denn eigentlich nicht? Denn was Union und FDP da vorhaben ist mit „bescheuert“ auch noch ziemlich human umschrieben. Denn die ganzen Kredite, die da aufgenommen werden, um zum Beispiel den Mythos von der standhaften FDP aufrecht zu erhalten, müssen ja leider doch irgendwann zurück bezahlt werden. Und wer wird die irgendwann zahlen? Muß man ja nicht mehr sagen, wer das sein wird. Mich ärgert auch, das die Union (freilich zusammen mit der SPD) eine Schuldenbremse beschlossen hat, die sie heute nichts mehr an geht. Ich war gegen die Schuldenbremse. Die Staatsverschuldung muß abgebaut werden – aber sich künstlich den Handlungsspielraum einzuengen, ist auch grundfalsch! Ich als Privatperson brauche ja auch keine Schuldengrenze. Mir sollte als Einzelperson klar sein, das ich in Teufel’s Küche komme, wenn ich Geld ausgebe, das nicht mir gehört. Warum geht das eigentlich nicht in die Köpfe der Leute rein, die Verantwortung in unserem Land tragen? Ich spreche da nicht nur von Union und FDP, sondern durchaus auch von allen Verantwortungsträgern der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Aber das man sich eine Schuldenbremse in Gesetzform giesst und dann hinterher darauf pfeift, ist noch einen Zacken schärfer!
Genauso fürchterlich und unsäglich sind dann die Aussagen derer, die sich den Mist ausgedacht haben. Dirk Niebel meint:
Es spricht viel dafür, dass man wie bei einer Wohnungsübergabe das Haus besenrein übergibt und die Schulden, die die abgewählte Regierung macht, auch als Schulden der abgewählten Regierung transparent kenntlich macht.
Besenrein übergeben wurde die Wohnung weiß Gott nicht. Trotzdem oder gerade deshalb muß irgendjemand da sauber machen. Aber gerade frisch einzuziehen und gleich wegen Ruhestörung aufzufallen, ist auch kein guter Start!
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Oktober 13, 2009 von romanmoeller
Irgendwie lustig: es gibt in Rahmen der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP auch eine Arbeitsgruppe für Arbeit und Soziales! Jahaaaa! Und wer sitzt dieser vor: Ronald Pofalla. Das ist ungefähr so, als wenn David Hasselhoff eine Suchberatungsstelle leiten würde – was ich damit sagen will: das passt irgendwie nicht. Bevor Pofalla einer solchen Arbeitsgruppe vorsitzt, müsste eigentlich noch Detlef D! Soost den Fred Astaire-Preis bekommen. Aber das wird nicht passieren. Damit ist alles gesagt. Aber Schluß mit dummen Witzen!
Denn es gibt ja auch noch die parallel tagende Wirtschaftsarbeitsgruppe um Karl-Theodor zu Guttenberg, die gefühlt schon vor der Wahl zusammen kam – jetzt bestätigt sich auch, das alle Dementis des Freiherren zwecklos waren:
Die Gruppe, die von Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) und Rainer Brüderle (FDP) geleitet wird, fordert demnach eine durchaus weitreichende Beschneidung der Arbeitnehmerrechte.
Genauer heisst das zum Beispiel:
Die Wirtschaftspolitiker wollen demnach den Einfluss von Betriebsräten und Gewerkschaften zurückdrängen. Betriebsräte sollen künftig erst in Unternehmen ab 20 Beschäftigten (bisher fünf) gebildet werden, eine Freistellung erst in Betrieben mit mehr als 500 erfolgen. Außerdem will die Arbeitsgruppe die paritätische Mitbestimmung in Großkonzernen einschränken. Bisher besetzen hier Betriebsräte und Gewerkschafter die Hälfte der Aufsichtsratsposten. Die Wirtschaftspolitiker fordern maximal noch eine Drittelparität. Das sogenannte „Gewerkschaftsprivileg“ sichert zudem externen Gewerkschaftsmitgliedern mindestens zwei Sitze im Aufsichtsrat von Konzernen. Auch das steht nun auf dem Prüfstand.
Da bleiben mir meine Pofalla-Witze aber ganz schnell im Halse stecken! Welcher Bürger hat das denn so gewollt? Ist irgendjemand hier, der kein Unternehmen leitet, und die Union oder die FDP dafür gewählt hat? Aber alles Wehklagen nützt ja nichts, denn:
Auch in dem aktuell gültigen Parteiprogramm der CDU, das sie 2007 in Hannover verabschiedete, steht: Das Ziel Vollbeschäftigung sei nur durch eine Reduzierung der Arbeitnehmerschutzrechte zu erreichen.
Nur hat Angela Merkel das im Wahlkampf nicht gesagt! Offenbar hat sich das auch niemand durchgelesen. Denn das was uns da jetzt wohlmöglich blüht, ist wohl kaum im Interesse der Mehrheit der „Bürger“, auch nicht wenn man unter Bürger indiskutablerweise nur Wähler von Union und FDP als Maßgabe nimmt.
Jetzt möchte ich den Ronald Pofalla mal erleben, wie er in einem Betrieb mit 499 Mitarbeitern als Betriebsratsvorsitzender ohne Freistellung die Arbeit tut, die da vor ihm liegen würde. Nur eine Woche. Und durch solche Entscheidungen sollen dann Arbeitsplätze entstehen? Weiß doch jeder Algebra-Rookie, das Arbeitsplätze dann entstehen, wenn Nachfrage und Bezahlbarkeit aufeinander treffen. Da wird es wohl kaum etwas bringen, wenn man an den Rechten von Betriebsräten herum schraubt. Ein Blödsinn ist das alles. So will die CDU Vollbeschäftigung erreichen!! Da kann man nur mit dem Kopf schütteln!!
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Oktober 6, 2009 von romanmoeller
Als ich das hier sah, musste ich sofort an Peter Hintze denken:

Warum in die Ferne schweifen und Steuergelder verplämpern??
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Oktober 5, 2009 von romanmoeller
Ich sage ja! Denn wenn man sich mal die Begründung anschaut, mit der die FDP den Kündigungsschutz lockern will, dann muß ich zwangsläufig zu dem Entschluß kommen, das die FDP einen aktiven Beitrag zur Volksverdummung leistet. Auf den Kündigungsschutz angesprochen, sagt Westerwelle:
„Der normale Kündigungsschutz steht doch überhaupt nicht zur Debatte. Es geht nur um die Frage, ob das spezielle Kündigungsschutzgesetz, das jetzt für Betriebe ab zehn Mitarbeitern gilt, künftig erst ab zwanzig Mitarbeitern gelten soll. Das halten wir für richtig, damit der Mittelstand leichter neue Mitarbeiter einstellen kann.“
Ich stelle mir das jetzt mal praktisch vor. Ein ambitionierter mittelständischer Betrieb kann über mangelnde Aufträge nicht klagen und hat 10 Mitarbeiter, die an der Leistungsgrenze arbeiten. Da kommt dem Chef die glorreiche Idee, 5 neue Mitarbeiter einzustellen – aber er denkt sich: Ohh nein, die Roten haben Mist gebaut. Ich brauche die Leute, damit ich die Aufträge erledigen kann. Hoffentlich macht die FDP bald was, damit ich die später nach Lust und Laune wieder rauskanten kann!
Was soll der Blödsinn? Wenn die Auftragslage dauerhaft gut ist, also permanente Nachfrage herrscht, dann sollte der gute mittelständische Unternehmer keine Schmerzen damit haben, fünf neue Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen. Und wenn es mal tatsächlich um Saisonarbeit oder vorübergehende Nachfrage gehen sollte, hat er immer noch genug Möglichkeiten, seine Mitarbeiter zu knebeln: wie wäre es denn dann mit einem befristeten Arbeitsvertrag oder einem Leiharbeiter aus einer Zeitarbeitsfirma?
Was ich eigentlich damit sagen will: eine Veränderung der Gültigkeit des Kündigungsschutzes von Betrieben ab 20 Mitarbeiter schafft keine Arbeit, wie von Westerwelle, Niebel und anderen gesagt wird. Es ist nur eine weitere Möglichkeit, Mitarbeiter in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen arbeiten zu lassen. Da könnte die ehemalige sozialdemokratische Kanzlerin Angela Merkel in den Koalitionsverhandlungen mal zeigen, was sie drauf hat! Ich bin sehr gespannt.
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Oktober 4, 2009 von romanmoeller
Meine bereits traditionsreiche Reihe Plattenteller, die mir übrings trotz oder gerade wegen der derzeitigen Dominanz des Themas Politik auf meinem Blog sehr am Herzen liegt, wird mit dem fünften Studioalbum von Steely Dan fortgeführt. Waren die ersten vier Alben schon besser als so ziemlich alles, was ich zuvor gehört habe – die beste Phase beginnt 1976 mit „The Royal Scam“!
„The Royal Scam“ ist ein gutes Album für Einsteiger. Ich würde es sogar eher empfehlen als diverse Best-Of-Compilations, die meistens einige für den Einsteiger doch weniger eingängige Nummern enthalten. Auf „The Royal Scam“, das ist mein subjektiver Eindruck, ist die Musik etwas eingängiger als zum Beispiel auf dem Vorgänger „Katy Lied“ – während ich „Katy Lied“ erstmal eine Zeit lang im Regal liegen hatte, sprang der Funke bei „The Royal Scam“ sofort über. Ich weiß noch genau, wie ich nach Lieferung die ersten beiden Titel vor völliger Begeisterung immer wieder abwechselnd hören musste, weil sie mir so gefielen. Dabei habe ich den Jazz-Gitarrengott (das könnte Jeffrey Baxter sein!) angefleht, er möge mir doch für den Rest des Tages, ach was, den Rest meines Lebens, einen Ohrwurm von einem der beiden Titel bescheren. Das klingt jetzt vielleicht völlig abgehoben, verdeutlicht aber dann doch nur die Begeisterung, die ich diesem Album entgegenbrachte und noch immer entgegenbringe.
Auftakt des Albums ist das fantastische „Kid Charlemagne“ – in den Charts landete es nur auf hinteren Positionen (US #82) – völlig unverständlich, enthält es doch das legendäre Gitarrensolo von Sessionmusiker Larry Carlton, welches der Rolling Stone seinerzeit als drittbestes Gitarrensolo aller Zeiten krönte. Lustig: ich habe irgendwo gelesen, das sich die Kritiker einig sind, das „Kid Charlemagne“ auch die schlechteste Textzeile eines Steely Dan-Songs enthält: „Is there gas in the car? / Yes, there’s gas in the car.“ Ist witzig, hat aber auf die Bewertung des Albums keinen Einfluß! Danach das wunderbare „The Caves Of Altamira“ – der textsichere Hörer muß da einfach mitsingen: „I recall when I was small / How I spend my days alone / The busy world was not for me / So I went and found my own / I would climb the garden wall / With a candle in my hand / I’d hide inside a hall of rock and sand“ – einfach traumhaft gereimt. Außer Becker und Fagen weiß kein Mensch, was das bedeuten soll. Aber wen kümmerts? Gute Laune abseits des Mainstream.
Dann „Don’t Take Me Alive“ – ein weiterer Song, bei dem ich keinerlei Ahnung habe, was er bedeuten soll. Aber warscheinlich geht es wie eigentlich immer entweder um Drogen, Sex oder Impotenz. Als ich den Song das erste Mal hörte (das war nicht am Tag des Erwerbes, weil ich erstmal vor Begeisterung die ersten beiden Titel in mich aufgesaugt habe!) kam mir das Gitarrenintro für Steely Dan-Verhältnisse ungewöhnlich hart vor – da kann ich mich noch genau dran erinnern. Es folgt „Sign In Stranger“, das getragen wird von einer wunderbaren Keyboard-Linie, die auch gleich den Unterschied zu „Don’t Take Me Alive“ deutlich macht. Super Frage: „You zombie / Be born again my friend / Won’t you sign in stranger?“. Daran schliesst sich „The Fez“ an – auf sehr hohem Niveau einer der schwächeren Dan-Songs. Irgendwie zu sehr auf Disco gemacht und immer das Gleiche – trotzdem wurde die Nummer als Single veröffentlicht und erreichte immerhin Platz 59 in den US-Charts! Das es bei wenig Lyrics auch wesentlich besser geht, beweist auf eindrucksvolle Art und Weise das dann folgende „Green Earrings“: zwei Mini-Strophen und ein Refrain, der mich immer an Frauen erinnern, die in Sachen Styling ein bißchen über’s Ziel hinaus geschossen sind: „Green earrings, I remember / The rings of rare design / I remember / The look in your eyes / I don’t mind“. In Wirklichkeit soll es wohl um einen Juwelendieb gehen. Passt auch gut. Aber bei Dan-Texten, die dem gewöhnlichen Hörer nur selten sinnvoll erscheinen, stellen sich eben manchmal ganz abenteuerliche Assoziationen ein! Die Nummer hat jedenfalls Schmiß für das ganze Album – mindestens. Yeah!
Aber dann: „Haitian Divorce“ (GB #17). Nicht nur der größte Single-Hit in Großbritannien, sondern auch textlich ein absolutes Highlight. Allein die ersten Textzeilen: „Babs and clean Willi where in love they said / So in love, the preachers face turned red“ – dafür musste es schon einen Grammy geben! Super!! Aber dann trifft Babs zum Leidwesen von Willi ja leider Charlie (with the lotion and the kinky hair) und die Dinge nehmen ihren Lauf. Dann kommt „Everything You Did“ – da geht es eindeutig ums fremdgehen („Turn up The Eagles, the neighbours are listening“) – die Eagles haben sich dann später in „Hotel California“ revanchiert: „The stab it with their steely knives“. Wunderbar! Zwei Ausnahme-Kapellen spielen sich die Bälle zu. Wie ich gelesen habe, ging es darum, das Steely Dan mit den Eagles in den gemeinsamen West Coast Rock-Topf geworfen wurden und Donald Fagen da wohl immer eine Art Running Gag draus gemacht hat. Die Platte endet mit dem längsten und auch namensgebenden Titel: „The Royal Scam“ – ein Keyboard wieder. Hört mir auf! Wenn ich den Text mal abwandeln darf, dann würde ich eine Botschaft an alle zum Besten geben, denen diese Platte noch unbekannt ist: Hear the glory of the royal scam!
Was für eine Scheibe! Walter Becker und Donald Fagen in der Hochzeit ihrer Karriere. Doch es ging noch besser – der Nachfolger „Aja“ legte noch einen drauf. Kaum zu glauben, bei dem was dem geneigten Hörer auf „The Royal Scam“ entgegen schallte. Die Reihe wird fortgesetzt!
Weitere relevante Rezensionen:
=> Plattenteller: Steely Dan – Katy Lied (1975)
=> Plattenteller: Steely Dan – Pretzel Logic (1974)
=> Plattenteller: Steely Dan – Countdown To Ecstasy (1973)
=> Plattenteller: Steely Dan – Can’t Buy A Thrill (1972)
=> Plattenteller: Donald Fagen – The Nightfly (1982)
Veröffentlicht in Musik, Plattenteller | Verschlagwortet mit Classic Rock, Donald Fagen, Eagles, Jazz, Jazz Pop, Jazz-Rock, Larry Carlton, Rock, Steely Dan, The Eagles, Walter Becker, West Cost | 2 Kommentare »
Oktober 2, 2009 von romanmoeller
Jetzt drehe ich völlig ab? Das Wahlergebnis ist doch eindeutig! Mancher wird mir da sagen: wenn du subtrahieren kannst, dann zieh’ ab. Aber es geht ja um Addition, vorrangig. Denn wenn man die Sitzverteilung im noch frischen, 17. Deutschen Bundestag betrachtet, kommt man dann noch zu dem Entschluß, das schwarz-gelb eine Mehrheit hat. Aber Vorsicht: schwarz-gelb hat eine Mehrheit im Deutschen Bundestag. Ich behaupte: schwarz-gelb hat weiterhin keine Mehrheit in diesem Land. Ich mache das einfach an der erstmal sehr platten Feststellung fest, das es einfach mehr arme als reiche Leute in unserem Land gibt (wie warscheinlich auch in jedem anderen Land außer Monaco). Das Wochenmagazin „Der Freitag“ schreibt dazu in der aktuellen Printausgabe:
Ob die SPD zu alter Größe zurückfindet oder eher auf Augenhöhe mit der Linkspartei bleibt, ist zunächst nebensächlich. Wichtig ist etwas ganz anderes: Selbst jetzt, in der schwärzesten Stunde der Sozialdemkratie, liegen SPD, Linkspartei und Grüne nur knapp drei Prozentpunkte hinter Schwarz-Gelb. Darauf lässt sich aufbauen.
Wenn ich dazu jetzt noch Andi zitiere, ergibt meine Beitragsüberschrift Sinn:
Eine der Analysen des Wahlabends, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, war diejenige: Die größte Stimmenabwanderung fand von der SPD zu den Nichtwählern statt. Ja, es gibt sie, die Menschen, welche schwarz-gelb verabscheuen, sich mit den Grünen nicht recht anfreunden können und dem Gespann Gysi/Lafontaine nicht trauen; die sozialdemokratischen Stammwähler, die auch bei dieser Wahl gerne eine sozialdemokratische Partei gewählt hätten, aber leider keine mehr auf ihrem Stimmzettel mehr vorgefunden haben.
Es hat sich ja inzwischen rumgesprochen: die meisten SPD-Wähler sind nicht etwa ins neoliberalie Lager gewechselt, sondern einfach zu Hause geblieben. Das heisst nicht, das sie keine sozialdemokratische Einstellung mehr pflegen. Da ist die Chance! Sie muß nur genutzt werden.
Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik, SPD | Verschlagwortet mit Analyse, cdu, FDP, Schwarz-gelb, Sozialdemokratie, SPD | 8 Kommentare »
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